In der Stille des Nexus saß Sam an seinem Schreibtisch und ließ seinen Blick über die Tagebücher gleiten, die Chase dort hinterlassen hatte. Ein innerer Konflikt tobte in seinem Kopf, während er darüber grübelte, ob er sie wirklich lesen sollte oder ob es besser wäre zu warten, bis Alyssa sich von ihren Verletzungen erholt hatte, um sie dann behutsam nach ihrer Vergangenheit zu fragen.
Plötzlich schwang die massive Tür des Raums auf, und Dantis trat ein, sein Gesicht von unverkennbarer Aufregung gezeichnet.
„Es ist soweit“, verkündete er, wobei er darauf wartete, dass Sam ihm eine Art Erlaubnis gab, den Nexus zu verlassen.
Sam nickte knapp, versuchte dabei seine Mundwinkel zu einem Lächeln zu heben, obwohl seine Gedanken weiterhin von Zweifeln geplagt waren.
„Wenn du irgendwas brauchst, lass es mich wissen“, sagte er, bevor Dantis den Raum verließ, während Sam allein mit seinen Gedanken zurückblieb.
Wieder fiel sein Blick auf die Tagebücher, ihre Seiten voller Geheimnisse.
Er wollte mehr über sie herausfinden, doch ein unbestimmtes Unbehagen nagte an ihm, als würde er in ein verbotenes Reich eindringen. Obwohl das Durchsuchen von Dokumenten normalerweise zu seinem Job gehörte, spürte er dieses Mal eine besondere Scheu. Denn dieses Mal ging es um Alyssa. Sie war nicht einfach nur irgendeine Frau, sondern die erste Frau, für die er mehr empfand, als er es je für möglich gehalten hätte.
Ein Klopfen an der Tür durchbrach seine Gedanken, und er richtete seinen Blick nach oben.
„Ja?“, rief Sam.
Die Tür öffnete sich, und Colt trat ein, sein Blick ernst und seine Haltung unerschütterlich. Er schloss die Tür sorgfältig hinter sich und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Was ist mit Julius?“, fragte er vorsichtig.
Sam lehnte sich gemächlich zurück, seine Augen verloren in nachdenklicher Betrachtung.
Colt schob den Stuhl gegenüber von Sam leicht nach hinten, nahm darauf Platz und entzündete eine Zigarette, deren Rauch langsam in die Luft aufstieg.
„Du solltest wissen, dass einige Jungs bereits über dein Verhalten reden“, fügte er hinzu, seine Worte von einem Hauch Ernsthaftigkeit begleitet.
Sams Schultern spannten sich unmerklich an, eine Ahnung von Unruhe lag in seinem Blick, denn tief im Inneren wusste er bereits, dass sein gegenwärtiges Verhalten nicht unbemerkt geblieben war.
„Lyra braucht ein paar deiner Jungs. Sie hat mir schon einige Nachrichten hinterlassen. Vermutlich geht es wieder um Bow“, lenkte Sam ab und schenkte sich noch ein Glas Scotch ein, welches er in einem Zug leerte.
Colt stützte seinen muskulösen Arm auf dem Tisch ab und zog an seiner Zigarette. Ein dünner Rauchschleier umhüllte ihn, während er Sam aufmerksam beobachtete.
„Außerdem brauche ich ein paar Männer an der Grenze. Es gab ein paar Probleme mit Silas. Und ruf Vivienne an, bei Posse muss nächste Woche aufgeräumt werden“, fuhr Sam fort, seine Stimme beherrschend und dennoch bedacht.
„Und was ist mit den Kämpfen? Ich habe gehört, dass es bei den Wetten Meinungsverschiedenheiten gab. Wer hat das beaufsichtigt?“
Sams Tonlage war streng, aber respektvoll, und verriet die Autorität, die er innehatte. Trotz der scheinbaren Gelassenheit in seinem Gesichtsausdruck spiegelten seine Augen die Ernsthaftigkeit der Situation, während er auf Colts Reaktion wartete.
„Ich kläre das. Wann erzählst du mir endlich, was genau mit dir los ist?“, fragte Colt, sein Ton leicht herausfordernd.
Sam lehnte sich zurück, ein Ausdruck der Bitterkeit lag in seinem Blick, während er sich genervt das Gesicht rieb.
„Ich weiß nicht, was ich tun soll“, sagte er schließlich, und ein schwaches Lächeln huschte über Colts Lippen, als er die Verwundbarkeit seines Freundes erkannte.
„Was genau ist das Problem? Dieser Ray?“, bohrte Colt weiter nach.
Sam nickte leicht.
„Als er hier war, hat er mir etwas erzählt, was ich weder glauben kann noch will. Hast du schon mal von Lephys gehört?“
Colt runzelte nachdenklich die Stirn und zuckte dann mit den Schultern.
„Was soll das sein?“
„Er erzählte irgendwas davon, dass er seit seiner Geburt mit ihr verbunden sei, dass er ihr Schicksal sei und nicht ich.“
Zweifel nagten an seinem Verstand, während er über Alyssas seltsames Verhalten nachdachte, ihre mysteriösen gesundheitlichen Zustände und Rays plötzliches Auftauchen, das Alyssa auf eine Weise anzog, die Sam nicht verstehen konnte.
Colts Lachen durchbrach seine Gedanken.
„Bitte was? Und das glaubst du?“, grinste er, und Sam warf ihm einen bösen Blick zu.
„Ich glaubte es erst selbst nicht.“, stöhnte Sam.
„Als sie so zugerichtet wurde, hat er es vor seinen Augen gesehen. Er hat selbst Schmerzen empfunden. Und wäre er nicht dagewesen, wäre es vielleicht zu spät gewesen“
Colt sah zum Boden, sein Grinsen verwandelte sich in einen finsteren und nachdenklichen Ausdruck.
„Ich verstehe nicht, warum sie mir schon jetzt so viel bedeutet. Ich kenne sie doch erst ein paar Tage“, sagte Sam mit einem Hauch von Verzweiflung und Ehrlichkeit in seiner Stimme, während Colt auf ihn zukam und seine Hand sanft auf Sams Schulter legte.
„Erinnerst du dich daran, wie es mit mir und Lucy lief?“, fragte er leise, seine Stimme von sanfter Wehmut begleitet.
Sams Gedanken schweiften zurück in die Vergangenheit, neun lange Jahre zurück, als Lucy an einem Abend unerwartet in den Nexus stürmte, auf der Suche nach einer Toilette. Der Anblick der Männer dort drinnen, die sie alle mit gierigen Blicken musterten, hinterließ damals einen bleibenden Schock in ihr.
Die Erinnerung an diese unangenehme Situation ließ auch Sam eine Spur von Verständnis für Colts Worte fühlen, als er darüber nachdachte, wie schnell sich Gefühle entwickeln können, selbst in kurzer Zeit.
Er entspannte sich ein wenig.
„Ja, und ich weiß auch, wie du durchgedreht bist, nachdem sie dich noch zehn Mal abserviert hat“, grinste Sam flüchtig, woraufhin Colt lachte.
„Sie war wirklich nicht einfach rumzukriegen. Aber ich wusste es von Anfang an und sie auch“, sagte er grinsend.
„Immerhin sind wir auch nicht gerade die freundlichste Clique hier“, fügte er noch hinzu, was Sam zum Lachen brachte.
„Zumindest nicht, wenn man es drauf anlegt“, ergänzte Sam lächelnd.
Colt lachte laut los.
„Hey, zu Frauen sind wir eigentlich immer sehr nett. Und unsere Königinnen zuhause haben eh unsere Schwänze in der Hand. Hier können wir wenigstens richtige Männer sein“
„Aber egal“, seufzte er.
„Ich liebte sie von der ersten Sekunde an. Und ich denke, dass es dir gerade auch so ergeht. Versuch nicht zu verstehen, warum du so fühlst. Lass es einfach zu…“, sagte er noch und wendete sich langsam von Sam ab.
„Zum Thema Ray… Vielleicht wäre es sinnvoll, wenn ihr beide euch noch einmal unterhaltet. Letztendlich sollte jedoch Alyssa allein die Entscheidung treffen. Ich verstehe nicht ganz, was es mit Ray auf sich hat, aber konzentrier dich zunächst auf sie und nicht auf ihn. Sie hat viel durchgemacht und braucht definitiv nicht zwei Männer, die um sie wetteifern wie kleine Kinder.“
Sam stimmte ihm zu. Alyssas Genesung hatte Vorrang.
Er erhob sich, seine Finger umklammerten die Tagebücher fest, während er das Büro gemeinsam mit Colt verließ.
Ein paar Schritte weiter fiel sein Blick auf Julius. Ein schlaksiger Mann, der auf einem Stuhl saß, gekleidet in einen geringelten Rollkragenpullover und eine Cordhose. Julius starrte ihn ängstlich an, sein Gesicht bleich und von Panik verzerrt, als hätte er den Teufel erblickt.
Sam zog die Augenbrauen zusammen, seine Miene düster, und wandte sich dann leicht nach links, wo Jason zusammengekauert auf dem kalten Boden lag. Ein Bild des Elends und der Verzweiflung.
Kurz spielte Sam mit dem Gedanken, Julius hier und jetzt ein Ende zu setzen, doch dann entschied er sich dagegen. Julius sollte ruhig noch eine Weile vor Angst zittern. Er warf einen Blick auf sein Handy und bemerkte, dass der Tag bereits verdammt lang war.
Für einen Moment blitzte Alyssas Bild in seinem Kopf auf, doch sie war in guten Händen, und Vandal passte auf sie auf. Also beschloss er, ins Hotel zu fahren und wenigstens ein paar Stunden zu schlafen, bevor er erneut ins Krankenhaus zu ihr eilte.
Noch einmal ging er kurz auf Colt zu.
„Verschieb meine Termine, oder übernimm sie selbst. Morgen fahre ich wieder zu ihr und bleibe dort“, sagte Sam mit fester Stimme, während im Hintergrund Gelächter erklang und die Köpfe von Sam und Colt blitzschnell zum Ursprung des Lärms schnellten.
„Eine Frau scheint wohl wichtiger als dieser Laden zu sein“, lachte Chase verächtlich in die Runde, seine Worte mit einer Prise Sarkasmus gewürzt.
In Sekundenschnelle befand sich Colts Hand um Chase‘ Kehle, der mit weit aufgerissenen Augen nach Luft rang. Colt warf Sam einen Blick zu, der mit einem bedrohlichen Funkeln auf sie zukam, und Colt zog Chase mit einem ruckartigen Griff vom Stuhl, sodass er vor Sam kniete.
Sam beugte sich zu Chase hinunter, seine Stimme ein geflüstertes Grollen in dessen Ohr.
„Das war deine letzte Chance“, zischte er, und im nächsten Moment krachte sein Knie mit ungezügelter Wucht gegen Chases Kinn, wodurch dieser nach hinten taumelte und zu Boden fiel.
Keiner der Anwesenden im Nexus wagte es, auch nur einen Laut von sich zu geben oder sich einzumischen, bis auf Colt. Mit kühler Entschlossenheit zog Colt ihn wieder auf die Beine, während Sam ihm einige kräftige Schläge in die Magengrube versetzte.
Chase stieß einen schmerzerfüllten Schrei aus und ließ die Misshandlung stumm über sich ergehen, unfähig, sich zu verteidigen.
Nach einigen Minuten endete Sams Aktion abrupt. Er richtete seine Kleidung und nickte Colt knapp zu, bevor er sich abwandte. Sein Blick streifte die Augen, die ihn beobachteten, und er knurrte leise, bevor er den Nexus verließ.
Als er in sein Auto stieg, schwang die Tür des Nexus noch einmal auf, und Chase wurde durch Colts Hände nach draußen geschleudert. Eine kurze Warnung hallte durch die stille Nacht, ihre Worte in den Schatten verloren.
Chase kämpfte sich mühsam auf die Beine und stieß einen schmerzhaften Stöhner aus.
„Das werden wir sehen“, sprach er leise vor sich hin, während er humpelnd zu seinem Motorrad schritt.

In seinem Hotelzimmer angekommen, entledigte Sam sich als erstes seiner Kleidung, seine Muskeln spannten sich an vor Anspannung und Erschöpfung. Er sprang unter die Dusche, wo das warme Wasser wie eine Wohltat auf seiner Haut prickelte.
Es war ein verdammt langer Tag gewesen, einen wie er ihn schon lange nicht mehr hatte. Oder wohl eher noch nie. Zumindest nicht auf die Art.
Wann hatte er sich je so um eine Frau gekümmert? Eigentlich noch nie.
Die Gedanken wirbelten in seinem Kopf, während das Wasser über seinen Körper rann und seine müden Muskeln lockerte.
Unter der Dusche kämpfte er erneut mit sich selbst, ob er wirklich die Tagebücher von Alyssa lesen sollte. Mit einem lauten Stöhnen verließ er die Dusche, das Handtuch um die muskulöse Hüfte gewickelt, seine Gedanken schwer von Zweifeln und Unsicherheiten. Er lief zum Bett und nahm eines der Tagebücher in die Hand, und betrachtete kurz dessen Design.
Sein Handy vibrierte, woraufhin Sams Puls sofort volle Fahrt aufnahm und er keine Sekunde zögerte den Anruf entgegen zu nehmen.
„Ist was passiert?!“, brüllte er beinahe in den anderen Hörer, seine Stimme voller Sorge und Anspannung.
„Ray steht hier und will zu ihr“, antwortete Vandal, dessen Stimme trotz der Entfernung die Dringlichkeit der Situation verriet.
„Nein!“, schrie Sam impulsiv, die Panik drohte ihn zu überwältigen, doch dann hielt er inne und überlegte.
Ein Moment der Stille folgte, während er seinen Atem kontrollierte und seine Gedanken ordnete.
Er atmete tief durch, sein Verstand kämpfte gegen seine Gefühle.
„Ich bin gleich da!“, sprach er in den Hörer und wollte gerade auflegen, als eine andere Stimme durchs Telefon rief.
„Was ist passiert, als ich weg war?!“, sprach Ray, seine Stimme brach beinahe unter der Last der Angst und der Sorge.
Sam konnte das Zittern in Rays Tonfall spüren, das verzweifelte Ringen nach Antworten.
Er schwieg einen Moment, da er sich noch immer Vorwürfe wegen ihres Herzstillstands machte.
Als die Stille am anderen Ende der Leitung anhielt, konnte er förmlich die Panik in Rays Atem spüren, das Knistern der Ungewissheit, das sich zwischen ihnen ausbreitete.
„Was ist passiert?!“, wiederholte Ray energischer, seine Stimme brach in einem Anflug von Verzweiflung und Ungeduld.
„Das geht dich nichts an!“, brüllte er.
Die Stille, die darauf folgte, war beinahe greifbar, als würde Ray die Worte nur schwer verdauen können.
„Lass mich zu ihr… Sie leidet! Ich kann ihr helfen…“, sprach Ray mit leicht bibbernder Stimme, seine Worte gefüllt mit einem Flehen, das Sam bis ins Mark erschütterte.
„Ja“, antwortete er knapp, seine Stimme von einer Mischung aus Anspannung und Sorge geprägt.
„Gib mir Vandal zurück“, bat er noch, seine Gedanken bereits bei Alyssa.
„Kann er rein?“, fragte Vandal.
„Ja, aber behalte ihn im Auge. Ich bin auf dem Weg“, sagte Sam, seine Stimme war ruhig, aber mit einem unterschwelligen Unterton der Besorgnis, bevor er auflegte.
Mit schnellen Schritten durchquerte er das Zimmer und griff nach einer leichten Jeans, einem Shirt und einer Lederjacke, die er sich rasch überzog. Der Gedanke, dass Ray erneut bei Alyssa war, trieb ihn beinahe zur Verzweiflung. Sein Herz schlug wild in seiner Brust, als er sich auf den Weg zu seinem Auto machte. Die Vorstellung, Alyssa in den Armen eines anderen zu wissen, zerrte an den Fäden seines Verstandes, doch er zwang sich, ruhig zu bleiben und die Situation rational zu betrachten. Was genau Ray damit meinte, dass sie leidet, entzog sich Sams Verständnis. Aus irgendeinem Grund hatte er das Gefühl, dass es nicht um ihre körperlichen Verletzungen ging, sondern um etwas viel Tieferes

Zögerlich trat Ray in Alyssas Zimmer ein und versuchte seine Gefühle zu kontrollieren. Sie sah äußerlich unverändert aus, doch er spürte, wie sehr sie innerlich kämpfte. Irgendetwas stimmte nicht.
Mit langsamen Schritten näherte er sich ihr, dicht gefolgt von Vandal, der wachsam jeden seiner Bewegungen verfolgte, als wäre er ein Raubtier, das seine Beute beschützte.
Ray wagte es, vorsichtig ihre Hand zu nehmen, doch bevor er sie berühren konnte, zischte Vandal und packte ihn an der Schulter. Die Intensität seines Griffs zeugte von der Sorge und dem Schutzinstinkt, der in ihm loderte.
„Fass sie nicht an!“, flüsterte Vandal mit einer Stimme, die vor Ernsthaftigkeit bebte, und Ray konnte das Feuer in seinen Augen sehen.
Ray sah Colt direkt in die Augen, den Tränen nahe, und flehte um Verständnis.
„Bitte… Lass mich ihr helfen.“
Seine Worte waren leise und brüchig, gefüllt mit der ganzen Verzweiflung, die er in diesem Moment empfand.
Colt ließ ihn schließlich los und trat einen Schritt zurück, beobachtete jedoch immer noch misstrauisch.
Ray nahm ihre Hand, senkte den Kopf, schloss die Augen und konzentrierte sich.

Plötzlich fand er sich in seinem eigenen Haus wieder, sein Zuhause, sein Rückzugsort.
Vor ihm sah er sich und Kathie, im Moment ihres Glücks, als sie ihn küsste. Es schien, als ob dieser Moment in Zeitlupe lief.
Als er sich umsah, entdeckte er Alyssa zu seiner Rechten, kniend auf dem Boden mit weit aufgerissenen Augen, kreidebleich und mit zitternder Unterlippe.

Ein Schmerz durchzuckte Rays Brust, als er sie in diesem Zustand sah, und ohne zu zögern eilte er sofort zu ihr.

Vandal beobachtete, wie Alyssas Atem sich beschleunigte und ihr Herzschlag schneller wurde. Rays Gesichtsausdruck zeugte von intensiver Konzentration, und kurz bevor Vandal dazwischen gehen wollte, um diese merkwürdige Verbindung zwischen ihnen zu unterbrechen, beruhigte Alyssa sich wieder. Ein Hauch von Erleichterung durchzog seinen angespannten Körper, und er blieb stehen, um weiterhin das Geschehen genau zu verfolgen.
Eine einsame Träne rollte über Alyssas Wange, und Vandal war verwirrt. Seine Augen huschten zwischen Ray und Alyssa hin und her, während er leise ums Bett herumging, um Rays Gesicht genauer betrachten zu können. Zu seiner Überraschung wirkte Rays Gesicht entspannter, beinahe liebevoll.
Vandal konnte die Unsicherheit in seinem eigenen Herzen spüren, während er zwischen den beiden Figuren hin- und herblickte. Alyssas Emotionen schienen mit denen von Ray in einer eigenartigen Symbiose zu verschmelzen, und Vandal stellte sich eine Vielzahl von Fragen, die er im Moment nicht beantworten konnte.

Sie blinzelte einige Male, als Ray plötzlich vor ihr kniete und sie besorgt ansah. Mit ihm kam eine Wolke seines Duftes heran, den sie tief inhalierte.
Noch bevor sie ein Wort sprechen konnte, nahm er sie in den Arm und drückte sie fest an sich. Es dauerte einen Moment, bis sie realisierte, was geschah, doch sie erwiderte die Umarmung instinktiv. Tränen strömten unaufhaltsam über ihre Wangen, als all die unterdrückten Emotionen hervorbrachen.

Für eine Weile blieben sie in dieser Position, während Ray sie festhielt und ihr Trost spendete. Schließlich ließ er sie sanft los und sah ihr liebevoll in die Augen.
„Komm mit“, flüsterte er sanft und half ihr auf die Beine, bevor er sie aus dem Zimmer führte.
Der Weg, den sie entlang liefen, führte sie langsam aus der Dunkelheit heraus, und mit jedem Schritt wurde die Umgebung allmählich heller. Alyssas Schritte wurden jedoch zunehmend zögerlicher, als das gleißende Licht sie fast zu blenden schien. Die grellen Strahlen drangen schmerzhaft in ihre geschwollenen Augen, und sie musste ihre Hand schützend vor ihre Stirn halten, um die blendende Helligkeit zu ertragen.
Ray hielt an und drehte sich zu ihr um, bemerkte ihre zögerlichen Schritte und ihre schmerzverzerrte Miene.
„Sieh genau hin“, flüsterte er sanft und deutete auf das gleißende Licht vor ihnen.
Alyssa zwang sich, die Augen zu öffnen und den grellen Strahlen zu trotzen. Sie kämpfte gegen den stechenden Schmerz und die Tränen an, die ihr in die Augen traten, und folgte Rays Anweisung. Jeder Schritt war von Unsicherheit begleitet, und ihr Herz schlug wild in ihrer Brust.
Gemeinsam liefen sie noch ein paar Schritte weiter, und Alyssas Sicht wurde allmählich klarer.
Als Alyssa einen Garten sah, der von warmem Sonnenlicht durchflutet wurde und von farbenfrohen Blumen gesäumt war, fühlte sie eine Welle der Verwunderung und des Staunens.
Die grünen Grashalme wiegten sich sanft im leichten Sommerwind, während die Vögel über ihren Köpfen in einem lebhaften Konzert aus fröhlichem Gezwitscher sangen. Die Sonne tauchte den Garten in ein magisches Licht, das die Blumen in leuchtenden Farben erstrahlen ließ und einen goldenen Schimmer über die Wiesen legte.
In der Mitte des Gartens spielten zwei Kinder ausgelassen und lachten fröhlich miteinander. Ihre kindliche Unbeschwertheit und ihre Freude am Spiel füllten die Luft mit einer ansteckenden Lebendigkeit.
Das Haus im Hintergrund strahlte in Weiß und wirkte wie ein Märchenschloss aus einer anderen Welt. Die Fenster glänzten im Sonnenlicht, und die warme Brise trug den Duft von frischem Gras und blühenden Blumen herüber.
Alyssa konnte kaum glauben, was sie sah. Alles wirkte so surreal, so überwältigend schön, dass sie sich wie in einem Traum vorkam.
Ray stand neben ihr, hielt ihre Hand und beobachtete sie mit einem liebevollen Blick. Alyssa wandte ihre Augen zu ihm und spürte eine Mischung aus Verwirrung und Skepsis in ihrem Inneren. Sie konnte nicht fassen, was sie sah, und ein Teil von ihr zweifelte daran, ob das alles wirklich geschah.
Das kleine Mädchen, das eben noch so fröhlich mit ihrem großen Bruder spielte, blieb plötzlich stehen und rief laut und freudig nach ihrer Mutter und ihrem Vater. Kurz darauf tat es ihr der etwas größere Junge gleich.
Ray lächelte Alyssa zu, ließ dann ihre Hand los und lief zu den Kindern, die gerade lachend auf ihn zustürmten. Alyssa konnte nicht anders, als ebenfalls zu lächeln, und folgte ihm, von einer Mischung aus Verwunderung und Neugier erfüllt.
Der Junge klammerte sich fest an Alyssas Hüfte.
„Da bist du ja! Komm, ich möchte dir etwas zeigen!“, sagte er aufgeregt, griff nach ihrer Hand und zog sie mit sich.
Alyssa warf Ray einen kurzen Blick zu, der dem kleinen Mädchen gerade einen Kuss auf die Wange drückte, bevor sie dem Jungen folgte. Er führte sie zu einem kleinen Loch, das er in den Boden gegraben hatte, und darin lagen drei Schneckenhäuser, die er sorgfältig arrangiert hatte, als wären sie Teil eines kunstvollen Gemäldes inmitten des Gartens.
Die Schneckenhäuser schimmerten, und Alyssa betrachtete sie fasziniert. Sie spürte, wie sich Ruhe über sie legte, und ein warmes Gefühl der Geborgenheit durchströmte sie, als sie dem Jungen dabei zuhörte, wie er den einzelnen Schneckenhäusern Namen gab.

Ray öffnete die Augen und suchte hektisch nach einem Stuhl. Sein Blick huschte über den Raum, bis er endlich einen freien Stuhl entdeckte, den er eilig zum Bett von Alyssa zog. Mit einem seufzenden Laut nahm er neben ihr Platz, seine Bewegungen fast hastig.
Er ergriff erneut ihre Hand und schloss die Augen, als ob er sich in seine eigene Welt zurückziehen würde, um sich auf seine Aufgabe zu konzentrieren.
Alyssas Atem beschleunigte sich leicht.
„Was machst du mit ihr?“, fragte Vandal mit einem tiefen Ton, während er Ray skeptisch beobachtete, sein Misstrauen deutlich in seinem Blick.
Ray hob den Kopf, seine Augen flackerten für einen Moment, bevor er eine Antwort gab.
„Ich gebe ihr das, was sie braucht.“
Seine Worte waren ruhig, doch darin lag eine unbestimmte Nuance von Entschlossenheit und Unsicherheit, die durch die Luft schwebte und Vandals Sorge verstärkte.
Vandal zog ebenfalls einen Stuhl heran und ließ sich darauf nieder. Sein Blick durchdrang den Raum, während er die Szene beobachtete.
Das, was er sah, gefiel ihm ganz und gar nicht. Die Besorgnis zeichnete sich deutlich auf seinem Gesicht ab, doch er zwang sich, ruhig zu bleiben. Sam schien wohl über diese Aktion informiert zu sein, also durfte er keine Fragen stellen. Dennoch würde er mit Argusaugen darüber wachen, dass Alyssa kein weiteres Leid widerfuhr.

Durch Alyssas Schädel durchzuckte ein scharfer Schmerz, der so intensiv war, dass sie kurzzeitig die Sicht verlor. Instinktiv griff sie sich an die Stirn und rieb sie, während in ihrem Kopf eine verzweifelte Stimme immer wieder ihren Namen schrie, doch sie konnte sie nirgends zuordnen.
Der Schmerz ließ nach, als sie eine Hand auf ihrer Schulter spürte. Langsam drehte sie sich um und blickte in das vertraute Gesicht, das sie so sehr beruhigte. Ein angenehmes Kribbeln breitete sich in ihrer Brust aus und ein Lächeln huschte über ihre Lippen. In diesem Moment vergaß sie vollkommen den vorherigen Schmerz.
Ray streckte die Hand aus, und Alyssa ergriff sie dankbar, als er sie hochzog. Seine Hand ruhte nun auf ihrer Wange, und sie schmiegte sich sanft an sie. Sie schloss die Augen und ließ sich von seiner weichen Berührung verzaubern, spürte, wie all ihre Sorgen und Schmerzen von ihr abfielen, während sie die Nähe und Wärme, die Ray ausstrahlte, in vollen Zügen genoss. Es war, als ob seine Berührung alle ihre Zweifel und Ängste zum Schweigen brachte und sie in einer Welt der Sicherheit und Geborgenheit versank.
„Hast du Hunger?“, fragte er lächelnd, seine Augen voller Zuneigung.
Alyssa lächelte ebenfalls und spürte gleichzeitig, wie ihr Magen auf diese Frage reagierte und laut knurrte.
„Und wie!“, antwortete sie kichernd, während sich ihre Vorfreude auf das bevorstehende Essen deutlich zeigte.
Ray zog sie liebevoll an sich und presste sanft seine Lippen auf ihre. Es fühlte sich so vertraut an, als ob es das Normalste auf der Welt wäre, und ohne zu zögern erwiderte sie diesen Kuss mit gleicher Intensität.
Als sie sich voneinander lösten, hob Alyssa das kleine Mädchen auf den Arm und griff nach Rays Hand. Der kleine Junge hielt fest seine linke Hand, während Alyssa seine rechte Hand umfasste.
So standen sie da, als eine harmonische Einheit.
Eine fröhliche Familie, die keinerlei Sorgen kannte, machte sich auf den Weg in das schönste Haus der Welt. Der Duft von verschiedenen Gerichten zog bereits aus dem Haus, und es versprach, ein Abend voller Glück und Zufriedenheit zu werden.

Eine Ewigkeit verging, während Vandal da saß und Ray und Alyssa beobachtete. Die Fragen, die sein Inneres durchlöcherten, schienen unaufhörlich zu wachsen, und dennoch hegte er kaum Hoffnung darauf, jemals Antworten zu erhalten.
Ein leises Klopfen durchdrang die Stille des Raumes, und Vandals Kopf schnellte hoch. Ray rührte sich nicht, als wäre er physisch gar nicht anwesend.
Kurz darauf öffnete sich die Tür.
„Siena ist weg?“, erkundigte sich Sam, als er vorsichtig den Raum betrat.
Sein Blick fiel sofort auf Ray, und in ihm entfachte sich ein wildes Gefühl der Eifersucht. Er unterdrückte ein wütendes Bellen. Am liebsten hätte er Alyssa sofort von ihm weggezogen und sie in seine Arme genommen.
„Ja, sie ist schon gegangen. Beim nächsten Mal werde ich sie begleiten“, antwortete Vandal mit einem Ton, die Sam keinen Raum für Widerspruch ließ.
Sam warf ihm einen flüchtigen Blick zu, bevor er auf Ray zutrat und ihm die Hand auf die Schulter legte. Ray drehte seinen Kopf zu Sam, und in seinen Augen lag eine Mischung aus Anspannung und Erleichterung.
„Schhh!“, flüsterte Ray, als ob er Alyssa vor möglichen Störungen schützen wollte, und wandte sich ihr dann wieder zu, die friedlich ruhte.
Sam betrachtete Alyssa genauer und bemerkte, dass die Verletzungen in ihrem Gesicht irgendwie anders aussahen. Eine Spur der Besserung schien durchzuschimmern, und für einen Moment umfing ihn ein Hauch von Hoffnung.
Ray öffnete kurz die Augen, ließ dann ihre Hand los, stand auf und gab Sam ein kurzes Zeichen ihm zu folgen. Gemeinsam verließen sie das Krankenzimmer.
Als sie einige Schritte den Flur entlang liefen und an einer ruhigen Stelle angekommen waren, wo sie ungestört reden konnten, wirkte Ray entspannt, doch unter der Oberfläche lag eine unübersehbare Erschöpfung.
„Ihr geht es deutlich besser“, sagte er.
Sam lehnte sich gegen die Wand und musterte Ray streng. Fragen schwirrten ihm im Kopf herum, und er konnte nicht länger schweigen.
„Was hast du mit ihr gemacht? Was war mit ihr?“, fragte er, seine Stimme erfüllt von einem brodelnden Sturm aus Emotionen, während er Ray tief in die Augen blickte.
Ray runzelte die Stirn und strich sich über das Gesicht, als würde er versuchen, seine Gedanken zu ordnen.
„Ich weiß es selbst nicht genau. Für mich ist das alles auch noch neu“, antwortete er zögerlich und wandte dann den Blick ab, als könne er Sam nicht länger in die Augen sehen.
Eine kurze, bedrückende Stille legte sich zwischen sie.
„Als ich ankam, war sie gefangen in einem Alptraum, und ich habe diesen Traum dann in einen ihrer tiefsten Wünsche verwandelt“, brach Ray plötzlich hervor, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern, um keine unerwünschte Aufmerksamkeit zu erregen.
Er verschränkte die Hände in den Hosentaschen und wandte sich wieder Sam zu, der ihn mit einem Ausdruck ungläubiger Fassungslosigkeit ansah.
„Ich konnte ihr dadurch den Schmerz nehmen“, fügte Ray hinzu.
Sam schnaubte verächtlich, während sich in seinen Augen eine Mischung aus Wut und Verzweiflung spiegelte.
„Und was war ihr tiefster Wunsch?“, brummte er, und ein Funken Zorn flackerte in seinen Augen, als er auf Ray zutrat.
Sam ahnte, dass es nichts mit ihm selbst zu tun hatte.
„Jetzt lass den Scheiß!“, knurrte Ray und schüttelte entnervt den Kopf.
„Ich bin hier, um zu helfen, nicht um mit dir zu streiten“, sagte er ruhig, doch seine Worte hingen schwer in der Luft.
Sam betrachtete ihn misstrauisch.
„Ich weiß nicht, wie, aber ich…“
Plötzlich flackerten vor Rays Augen einige Bilder auf, die ihm den Atem raubten. Er stockte, unfähig weiter zu sprechen.
Skeptisch und nervös beobachtete Sam Rays Verhalten, doch dieser schien ihn nicht mehr wahrzunehmen.
Ein verführerisches Lächeln spielte um Rays Lippen, während er den Moment vor seinen Augen weiterspielte. Er spürte die Hitze eines anderen Körpers, warme Hände, die über seine Haut glitten und angenehme Gänsehaut hinterließen.
Sam stieß Ray mit einem kräftigen Ruck gegen die Wand. Seine Ausstrahlung war wütend und bedrohlich.
Ray blinzelte einige Male und kehrte zurück in die Realität.
„Was soll das?!“, zischte er und schüttelte unsichtbaren Staub von seinen Schultern.
Sams Fäuste ballten sich fest zusammen, seine Zähne knirschten beinahe hörbar. Bevor er einen weiteren Schritt machen konnte, wurden sie von einem lauten Schrei unterbrochen. Ihre Köpfe wandten sich gleichzeitig der Quelle des Geräuschs zu.
Eine Tür flog mit einem kräftigen Ruck auf, und Alyssa stürmte heraus, von Aufregung getrieben. Dicht gefolgt von Vandal, der verzweifelt versuchte, sie zurückzuhalten.
„Fass mich nicht an!“, brüllte sie, während sie den Flur entlang humpelte.
Sam und Ray eilten bereits auf sie zu, doch bevor sie sie erreichen konnten, erstarrte Alyssa plötzlich.
Die Röte stieg ihr in die Wangen, als sie Ray vor sich stehen sah und seinen außergewöhnlichen, betörenden Duft wahrnahm. Doch als ihre Augen zu Sam wanderten, stiegen ihr Tränen auf.
Einen letzten Schritt nach vorne machend, verlor sie jedoch den Halt. Bevor sie zu Boden fiel, fing Sam sie auf und stützte sie.
„Warum bist du aufgestanden? Was ist passiert?“, fragte er besorgt und führte Alyssa zurück ins Bett.
Alyssa selbst wusste nicht genau, was sie trieb. Gerade noch war sie dabei gewesen, mit dem Mann ihrer Träume zu schlafen, als sie jäh aus ihrem Traum gerissen wurde.
„Ich… Ich weiß es nicht.“, flüsterte sie keuchend.
Währenddessen versuchte Vandal nebenbei die Kabel zu sortieren, die Alyssa sich vom Leib riss, als plötzlich eine Schwester hereinkam.
„Was zum Teufel geht hier vor sich?“, fragte sie wütend, während sie Vandal genervt die Kabel abnahm und Alyssa mit einem ernsten Blick musterte.
„Sie ist einfach aufgestanden. Ich konnte sie nicht davon abhalten…“, antwortete Vandal ihr, trat dann jedoch beiseite, woraufhin die Schwester ihm einen vernichtenden Blick zuwarf.
„Miss Raven, Sie müssen liegen bleiben. Sie müssen sich schonen. Was hat Sie dazu getrieben?“, fragte sie, während sie Alyssa erneut verkabelte.
„Ich…“, begann Alyssa, hob den Kopf und sah zu den beiden Männern, die sie besorgt anblickten.
Die Schwester schüttelte den Kopf und beendete ihre Arbeit.
„Und nun bleiben Sie liegen!“, tadelte sie, warf allen Beteiligten einen strengen Blick zu und verschwand wieder.
Sam und Ray traten näher, und Alyssas Herz begann schneller zu schlagen, was die Monitore reagieren ließ. Sam warf einen Blick auf die Geräte und dann zurück zu ihr.
„Du musst dich beruhigen…“, sagte er, was ihren Herzschlag nur weiter beschleunigte.
Sie versuchte, ihren Atem zu kontrollieren, und atmete einige Male tief ein und aus.
Es dauerte einen Moment, aber schließlich fand sie sich wieder.
Ihre Gefühle waren ein wirbelndes Durcheinander aus Verlangen und Reue. Noch vor wenigen Augenblicken hatte sie sich in Rays Nähe verloren, die sündhaft süßen Versuchungen beinahe erlegen. Doch nun, da ihr Blick auf Sam fiel, durchzogen sie bittersüße Gedanken und ein zermürbendes Gefühl der Schuld.
Vandal räusperte sich, entschuldigte sich und verließ das Zimmer. Alyssas Augen folgten ihm, bevor sie zu Sam wanderten.
„Kannst du uns einen Moment allein lassen?“, flüsterte sie und warf einen kurzen Blick zu Ray.
Sam nickte leicht und verließ ebenfalls das Zimmer.
Alyssa schwieg, ihre Augen wanderten hinaus durch das Fenster, während sie versuchte, ihre Gedanken in Worte zu fassen.
„Warum bist du aufgestanden?“, erklang Rays behutsame Stimme.
„Ich habe von dir geträumt“, begann sie leise, und ein Lächeln huschte über Rays Gesicht.
„Ja, ich weiß“, erwiderte er, was sie überraschte.
„Woher weißt du das?“, fragte sie verwirrt.
Ray setzte sich sanft auf die Bettkante, seine Augen voller Zuneigung auf ihr ruhend, und legte seine Hand auf ihre Wange. Ein kurzes Zucken durchfuhr sie, gefolgt von einer wohligen Wärme in ihrer Brust.
Für einen flüchtigen Moment verharrten sie so, bevor Ray antwortete.
„Die Frau, die du gesehen hast, war Kathie, meine Freundin.“
Ein stechender Schmerz durchzuckte Alyssas Herz, und sie atmete schwer auf.
Als sie begriff, was sie gerade empfand, schlug sie Rays Hand weg und versuchte, ihre Gefühle zu unterdrücken.
„Beantworte meine Frage“, zischte sie, während sie die glühenden Wangen ignorierte.
„Als ich ankam, warst du in einem Alptraum gefangen. Oder besser gesagt, in einer Vision“, begann er und wartete auf ihre Reaktion.
Als Alyssa sich nicht rührte, fuhr er fort.
„Du hast gesehen, wie ich eine andere Frau küsste. Offenbar hast du denselben Schmerz gespürt wie ich, wenn ich dich mit anderen Männern gesehen habe.“
Alyssa wandte den Blick ab und versuchte, seine Worte zu verarbeiten.
„Und wie weißt du das alles?“, fragte sie erneut, diesmal mit deutlicherer Verärgerung in der Stimme.
Ray seufzte schwer.
„Woran erinnerst du dich, als wir gesprochen haben?“
Alyssa grübelte, doch ihre Gedanken waren wirr und unklar.
„Und du denkst, nur weil du auftauchst und so ein Schwachsinn erzählst, werde ich mich in dich verlieben?“, fuhr sie auf, was Ray etwas überraschte.
„Ich habe in dir nur das hervorgehoben, was schon immer da war“, erwiderte er ruhig, doch innerlich kämpfte er mit Zweifeln.
„Wie bitte?“, rief Alyssa nun lauter aus, verlangend nach klaren Erklärungen.
„Okay… Noch einmal von vorne“, begann er und hielt ihren Blick fest.
„Mein Name ist Ray Everton. Ich bin seit Geburt an mit dir Verbunden. Du bist die Frau, mit der ich den Rest meines Lebens verbringen werde.“
Seine Worte ließen ihr Herz einen Moment stocken, dann raste es wieder, was die Monitore erneut zum Piepsen brachte.
Ray nahm ihre Wangen in beide Hände und sah ihr tief in die Augen. Alyssa verlor sich in seinem Blick und für einen Moment schien sie sich in einer anderen Welt zu befinden. Ihr Körper entspannte sich langsam.
Plötzlich sah sie vor ihrem inneren Auge den Traum, den sie gerade erst gehabt hatte. Den Traum von sich und Ray, Hand in Hand, mit ihren Kindern im Garten. Und dann erhaschte sie einen flüchtigen Blick auf den Moment, in dem sie im Bett lagen.
Aus irgendeinem Grund sträubte sie sich gegen dieses Bild, entriss sich Rays Griff und schüttelte den Kopf heftig, bevor sie sich die Hände vor das Gesicht schlug.
„Hör auf damit!“, schrie sie, ihre Stimme hallte durch den Raum und brach wie eine Welle über sie herein.
„Du kannst nicht einfach hier auftauchen und mir solche Dinge erzählen. Verfluchte Scheiße, lass mich in Ruhe!“
Ihre Worte, von einem wütenden Zittern begleitet, stießen heraus wie ein verzweifelter Ruf.
Die Tür schwang mit einem knarrenden Geräusch auf, und Sam trat mit lauten Schritten hinein. Alyssa sah ihn an, ihre Augen glänzten feucht vor Tränen, als er auf sie zukam. Doch bevor er sie erreichen konnte, wandte sie sich noch einmal an Ray, ihre Stimme brüchig vor unterdrückten Emotionen.
„Ich will, dass du gehst!“, sagte sie mit zitternder Stimme, ihre Worte von einer Mischung aus Verzweiflung und Zorn getragen.
Ein pochender Schmerz durchzog Ray, als er ihre Worte vernahm. Er hatte fest geglaubt, dass sie ihm Glauben schenkte und zuließ, was er mit ihr tat. Doch ihre harten Worte trafen ihn wie ein unerwarteter Stich ins Herz. Regungslos blieb er sitzen, als wäre er angewurzelt, und sah sie mit einem Ausdruck tiefer Bestürzung an.
Sam packte ihn an den Armen und zerrte ihn aus dem Zimmer.
„Du hast es gehört. Verschwinde!“, brummte er, seine Stimme klang wie ein drohendes Donnergrollen.
Mit einem letzten energischen Stoß drängte er Ray voran und warf Vandal, der vor der Tür wartete, einen bedeutungsvollen Blick zu.
Vandal verstand sofort, was er tun sollte. Er legte seine Hand auf Rays Schulter und begleitete ihn den Flur hinunter.
Sam schloss die Tür mit einem dumpfen Geräusch hinter sich und ging langsam auf Alyssa zu, um sie behutsam in den Arm zu nehmen.
Sie vergrub sich tief in Sams Brust, als er sie noch fester an sich drückte und sanft ihren Kopf streichelte. Die Wärme seines Körpers und sein beruhigender Duft umhüllten sie wie ein schützender Mantel.
Eine ganze Weile verharrten sie in dieser Umarmung, bevor Alyssa sich leicht von ihm löste. Sie atmete tief durch und versuchte, ihre Gedanken zu ordnen, während Sam ihr liebevoll seine Hand auf den Rücken legte und sie betrachtete.
Plötzlich fiel ihm auf, dass Alyssa vorhin auf beiden Beinen laufen konnte, trotz ihrer Knochenbrüche. Er schnappte leise nach Luft und sah zur Tür, seine Stirn in nachdenkliche Falten gelegt.
Entschlossen stand er auf und streckte ihr die Hände entgegen, und sie wandte ihren Kopf zu ihm.
„Was ist?“, fragte sie, verwirrt von seinem plötzlichen Handeln.
„Deine Beine…“, antwortete er, seine Stimme mit einem Hauch von Aufregung.
Sie betrachtete seine ausgestreckten Hände und verstand zunächst nicht, was er meinte. Dann jedoch wurde es ihr klar, und ihre Augen weiteten sich vor Unglauben, als sie an sich herabstarrte.
Langsam schob sie ihre Beine vom Bett, griff nach Sams Händen und berührte mit ihren nackten Füßen den kalten Boden. Sie zog sich an ihm hoch, als er sie stützte, und ihr Atem beschleunigte sich vor Aufregung.
Ein kleines, erleichtertes, aber überraschtes Lächeln huschte über Sams Gesicht.
„Du kannst stehen!“, rief er fröhlich aus, was auch sie zum Lächeln brachte.
„Ja!“, antwortete sie aufgeregt, doch dann verlor sie kurz darauf den Halt und schwankte.
„Aber… Das ist unmöglich…“, murmelte er skeptisch vor sich hin.
„Setz dich wieder, ich hole einen Arzt“, sagte Sam entschlossen und eilte aus dem Zimmer, seine Schritte schnell und zielstrebig.
Alyssa versank in denselben Gedanken wie Sam. Sie wusste zwar nicht genau, wie lange sie bereits im Krankenhaus lag, doch hätte sie sich erinnern können, wenn es bereits Wochen gewesen wären. Für einen kurzen Moment schoss ihr Ray durch den Kopf, und sie fragte sich, ob er möglicherweise etwas damit zu tun haben könnte. Doch dann weigerte sie sich, diesen Gedanken weiterzuverfolgen. Das war unmöglich. Das wäre etwas Magisches, und so etwas existierte nicht.
Oder etwa doch?“, dachte sie sich, während sie sich in ihrem Bett zurücklehnte und ihre Augen in die Ferne schweifen ließ, auf der Suche nach Antworten in den schattenhaften Ecken ihres Bewusstseins.
Wenige Minuten später kehrte Sam zurück, jedoch ohne Arzt.
„Morgen wirst du noch einmal auf den Kopf gestellt.“, sagte er und setzte sich auf ihr Bett.
Alyssa hob kurz ihren Oberkörper und legte dann ihren Kopf auf Sams Schoß.
Es dauerte nicht lange, da überkam sie die Müdigkeit und schlief ein.
Sam sah sie liebevoll an, wie sie ruhig auf ihm lag. Er konnte nicht so ganz glauben, dass sie tatsächlich stehen konnte. Es grenzte an ein Wunder. Ein verdammt großes Wunder. Eigentlich war so etwas unmöglich gewesen.
Vorsichtig rutschte er ein wenig tiefer, lehnte sich nach hinten und sah aus dem Fenster. Langsam wurde es am Horizont ein wenig heller.
Er seufzte zufrieden und erleichtert, als er seine Augen schloss.

Alyssa sah sich neugierig um, während sie durch ein unbekanntes Haus lief. Das kleine Haus war wunderschön anzusehen, mit seinen schiefen Fenstern, die von zarten Gardinen umrahmt wurden, und den krummen Dachsparren, die dem Gebäude Charakter verliehen. Die Fenster ließen das sanfte Licht des Tages herein und warfen dabei faszinierende Schatten über die antiken Möbelstücke, die jeden Raum schmückten. Es war, als ob die Zeit hier stillstand und jeden Besucher in eine vergangene Ära zurückversetzte.
Überall im Raum standen antike Möbelstücke, jedes mit seiner eigenen Geschichte und Eleganz. Ein Schreibtisch mit verzierten Beinen stand in einer Ecke, daneben eine Standuhr aus poliertem Holz, die behutsam die Zeit ticken ließ.
In den Regalen befanden sich Sammlungen von altem Porzellan, antiken Büchern und verzierten Kristallgläsern. Die Gegenstände waren liebevoll arrangiert und erzählten von längst vergangenen Geschichten und Traditionen. Auf einem kleinen Beistelltisch in der Nähe des Fensters thronte eine Vase mit duftenden Rosen, die einen Hauch von Nostalgie und Romantik in den Raum brachten und die Atmosphäre mit ihrem betörenden Duft erfüllten.
Trotz seines altmodischen Charmes strahlte das Haus eine gewisse Gemütlichkeit aus, die Alyssa sofort anzog. Jeder Raum schien eine Geschichte zu erzählen, und die vielen antiken Gegenstände verliehen dem Ort eine einzigartige und zeitlose Schönheit.
Sie lief zu eines der Regale, musterte kurz den Inhalt und zog sich dann ein dunkelrotes Buch heraus, was Staub trug.
Hinter ihr ertönten leise Schritte, woraufhin sie sich umdrehte. Ihr Herz machte einen Satz, als sie ihn sah, und sie konnte nicht anders, als zu lächeln, froh über seine Anwesenheit.
„Was ist das hier?“, fragte sie, legte das Buch zurück ins Regal und deutete durch den ganzen Raum.
Ray lehnte sich an den Türrahmen und lächelte zart.
„Das Haus gehört meiner Familie seit vielen Generationen. Ich war erst ein einziges Mal hier, als ich noch ganz klein war. Ehrlich gesagt, wundert es mich, dass du hier bist“, antwortete er und musterte sie liebevoll.
Alyssa zuckte mit den Schultern und kam ihm entgegen. Sie ging an ihm vorbei und sah sich weiter um. Zärtlich ließ sie ihre Finger über verschiedene Gegenstände schweifen, als ob sie die Geheimnisse und Geschichten, die sie umgaben, aufnehmen wollte. Es war eine Aura von Geschichte und Geheimnis, die jeden Moment des Hauses durchdrang und Alyssa dazu veranlasste, sich noch tiefer in die Vergangenheit des Ortes zu vertiefen.
„Ich weiß auch nicht genau, warum ich hier bin. Ich weiß aber, dass es ein Traum ist, denn gerade eben lag ich noch auf Sams Schoß.“, sagte sie und bog in das nächste Zimmer ab.
Nach und nach betrachtete sie erstaunt die handgefertigten Kunstwerke. Die feinen Details und die geschickte Handwerkskunst fesselten ihre Aufmerksamkeit, während sie durch den Raum wanderte. Als sie plötzlich eine Wärme hinter sich spürte, blieb ihr der Atem weg. Ihr Herzschlag beschleunigte sich, doch sie rührte sich keinen Zentimeter, als sie die sanften Hände von Ray auf ihren Armen spürte. Seine Finger glitten langsam über ihre Haut zu ihren Handgelenken, und eine Welle der Gänsehaut durchlief sie. Ein leises Stöhnen entrang sich ihrer Kehle, als sie den Kopf senkte und den Mund öffnete.
„Wir können nicht…“, hauchte Alyssa, doch sie wehrte sich nicht dagegen, als Ray ihre Handgelenke umgriff und langsam ihre Arme nach oben führte.
Seine Stimme flüsterte sanft in ihr Ohr, während er sie festhielt.
„Es wird dir helfen… Aber wenn du es wirklich nicht willst, dann sag es mir jetzt.“
Ray drehte sie zu sich um, sodass er ihr ins Gesicht sehen konnte. Die Spannung zwischen ihnen war greifbar, als ihre Blicke sich trafen und das Verlangen zwischen ihnen aufflammte.
Alyssas Augen vergrößerten sich leicht, und ihr Atem ging schneller, während sie sich tief in die Augen des anderen versenkte. Doch mit einem Ruck riss sie sich aus seinem Griff und versuchte seinem Blick zu entkommen.
Ray kam ihr noch ein Stück näher, und sein warmer Atem strich über ihre Lippen, als er zärtlich ihr Kinn anhob und ihren Kopf drehte, um ihr wieder direkt in die Augen zu sehen. Die Intensität ihres Blickkontakts sprach Bände, und trotz ihrer Worte war die unwiderstehliche Anziehungskraft zwischen ihnen förmlich greifbar. Eine elektrische Spannung lag in der Luft, während sie sich langsam einander näherten, und das Pulsieren ihrer Herzen schien im Einklang zu sein.
Als Ray sich ihr noch mehr annäherte, spürte Alyssa seinen Atem auf ihrer Haut, verführerisch und betörend. Er hielt einen Moment inne, nur Zentimeter von ihren Lippen entfernt, und überließ ihr die Entscheidung, ob sie den letzten Schritt gehen wollte.
In diesem Augenblick fühlte sie sich gefangen zwischen Vernunft und Verlangen, ein Krieg, den ihr Herz gegen ihren Verstand führte.

Ihr Atem wurde schneller, und ihr Herzschlag hämmerte so laut, dass sie fürchtete, es könne durch ihre Brust brechen. Doch alle Gedanken waren ausgelöscht, verdrängt von einem berauschenden Verlangen nach ihm. Sie wollte ihn fühlen, seine Nähe, seinen Körper, sie wollte sich in diesem Moment verlieren und sich ihm vollkommen hingeben. Die Versuchung war überwältigend, und jede Faser ihres Seins schrie danach, ihm nachzugeben.
In ihrem Kopf kämpfte sie gegen die Flutwelle der Emotionen an, versuchte, rational zu bleiben, doch letztendlich siegte die unbändige Leidenschaft, die zwischen ihnen loderte. Es war, als ob ein unsichtbarer Schalter umgelegt wurde, der jegliche Vernunft ausschaltete und nur noch das heiße Verlangen übrig ließ.
Blitzschnell landeten ihre Lippen auf seinen, und ein zufriedenes Stöhnen entwich Ray. Er griff mit einer Hand nach ihrem Hinterkopf und mit der anderen an ihre Hüfte, um sie noch näher an sich zu pressen.
Die Welt schien um sie herum zu verblassen, als ihre Küsse intensiver wurden und ihre Leidenschaft sich entfachte.

Ohne sich voneinander zu lösen, liefen sie ein paar Schritte, ihre Körper eng aneinander geschmiegt, bis Ray sie langsam auf ein Bett führte. Die Spannung zwischen ihnen war greifbar, als ihre Kleider rasch zu Boden fielen und sie sich der Hitze ihrer vereinten Körper hingaben.
Ray küsste zärtlich ihren Hals, seine Lippen wanderten langsam nach unten, jede Berührung ein Feuerwerk der Sinnlichkeit. Alyssa fühlte sich wie im Paradies, während Ray ihren Körper erkundete und jede Faser ihres Seins erzittern ließ. Das, was Ray mit ihrem Körper und ihrer Seele tat, war mehr als göttlich. Es war eine Ekstase, die sie in ungeahnte Höhen der Lust katapultierte.
Sie vergaßen alles um sich herum, alle Sorgen und Gedanken verblassten im Angesicht ihrer brennenden Leidenschaft. In diesem Moment zeigten sie sich gegenseitig auf unvergessliche Weise, wie sehr sie sich begehrten, und verschmolzen in einem Meer aus Lust und Verlangen.

Alyssa und Sam schreckten hoch, als es an der Tür klopfte. Zwei Schwestern und eine Arzt traten ein und warfen einen kurzen Blick auf beide, bevor der Arzt das Wort ergriff.
„Nun, dann wollten wir mal schauen, wie es Ihnen geht“, begann er ruhig.
Alyssa warf Sam einen flüchtigen Blick zu. Liebevoll strich er ihr über die Wange und stand dann auf, um den Schwestern Platz zu machen.
„Wie fühlen Sie sich?“, fragte der Arzt, während er etwas in seine Akten schrieb.
Alyssa lächelte zart.
„Ich glaube, gut“, antwortete sie und beobachtete die Schwestern aufmerksam.
Eine der Schwestern zog die Decke zurück und setzte sich auf die Bettkante, und begutachtete ihren Körper kurz.
„Das ist unmöglich…“, murmelte sie ungläubig und sah Alyssa mit großen Augen an, die voller Verwirrung waren.
Die Schwester stand auf, flüsterte kurz ins Ohr des Arztes und wandte sich dann wieder an Alyssa.
„Wir nehmen Sie noch einmal mit und sehen Sie uns genauer an“, sagte sie bestimmt.
Sam und Alyssa warfen sich betroffene Blicke zu, während eine der Schwestern damit begann, Alyssa von den Kabeln und Schläuche an ihrem Körper zu befreien und die Bremse ihres Bettes zu lösen. Langsam schob sie das Bett von der Wand weg.
„Sie können ruhig mitkommen“, sagte eine der Schwestern zu Sam, der sich daraufhin bedankte und ihnen folgte.

 

 

 

„Bring mich sofort zu ihm!“, keuchte Alyssa schmerzhaft auf, ihre Worte verschluckt vom eigenen Leid, während sie sich auf den Tisch des Cafés abstützte und die Augen zusammenpresste, als würde sie gegen die Flut des Schmerzes ankämpfen, die unaufhaltsam auf sie einprasselte.
Colt griff nach ihren Armen, sein Griff fest und doch voller Sorge, und führte sie langsam zum Auto, während neugierige Blicke ihnen folgten.
Alyssa hielt ihren Kopf fest, als würde sie befürchten, er würde unter der Last ihres Leids zerbersten, während ihr Puls auf Hochspannung lief, ihre Adern wie reißende Ströme durch ihren geschundenen Körper pulsierten, als würde sie gerade die Schläge eines unaufhörlichen Sturms ausstehen, die mit der Wucht von Sams Fäusten auf Ray niedergingen.
„Fahr schneller!“, brüllte sie flehend, ihre Stimme ein verzweifelter Schrei.
Allmählich verblasste die Farbe ihres Körpers, als ob das Leben selbst aus ihr herausweichen würde. Ihre Augen, einst lebhaft und strahlend, wurden von trüben Schleiern bedeckt, die den Glanz ihres Inneren erstickten. In qualvollem Leid krümmte sie sich, als ob jede Faser ihres Seins von unsichtbaren Händen gefoltert würde.

„Halte durch!“, antwortete Colt, seine Worte ein Versprechen, während er das Gaspedal noch stärker niederdrückte, als wolle er die Zeit selbst überlisten.
Am Nexus angekommen, eilte Colt ums Auto herum, seine Schritte begleitet von Angst, um Alyssa beim Aussteigen zu helfen. Sie griff nach seinen Händen, ihre Finger klammerten sich fest an den einzigen Anker in dem wilden Meer ihres Leids, und zog sich hoch, ihr Blick gefangen von dem düsteren Gebäude, das drohend vor ihr aufragte. Eine Aura der Gefahr umhüllte alles vor ihr, doch sie ließ sich nicht abschrecken, nicht von den finsteren Schatten, die drohend über ihr schwebten, denn ihr Herz wies ihr unmissverständlich den Weg, den sie nun gehen musste.
Colt stemmte die Tür auf, und ließ sie eintreten, seine Augen voller Sorge, seine Gedanken ein wildes Chaos aus Angst und Unsicherheit. Ihre eigenen Augen jedoch schweiften kurz über das Innere des Gebäudes, bevor ein schmerzhafter Stich in ihrer Brust sie alles um sie herum vergessen ließ, und ihre Beine sie weitertrugen zu dem Mann, der sie anzog wie ein Magnet, trotz der Warnungen, die in ihrem Verstand flüsterten, trotz der düsteren Vorahnungen, die in ihrem Inneren lauerten.
In der Mitte des Nexus hielt sie kurz an, ihr Blick gefangen von den verschiedenen Türen, die sich vor ihr auftaten, wie die Pforten zur Hölle selbst, bis sie eine von ihnen wählte und sie mit einem lauten Stöhnen aufzog, als würde sie den Eingang zu ihrem eigenen Untergang enthüllen.
Sie stolperte die langen Stufen hinab, das Gebrüll in ihren Ohren immer lauter werdend, wie der dumpfe Klang des nahenden Unheils, bis sie schließlich an einer weiteren Tür ankam. Colt eilte voraus und öffnete sie ihr zögerlich. Er wusste nicht, warum er ihr half, doch irgendetwas ließ ihn glauben, dass ihr Leid unermesslich wäre, wenn sie nicht sofort zu Sam und Ray gelangte, als würde das Schicksal selbst seine Hand im Spiel haben.
Lautes Brüllen durchdrang die riesige Halle, das Echo von Kriegstrommeln in einer Schlacht, in der Blut und Tränen fließen wie Wasser. Ein massiver Käfig erhob sich in der Mitte, sein Metallgitter ein Gefängnis für die Seelen der Gefallenen, die sich gegenseitig Schläge versetzten, als würden sie den Zorn der Götter selbst erwecken.
Ein erneuter Schlag von Sam ließ Ray zu Boden fallen, sein Körper ein verwundetes Tier im Ring aus Stahl und Blut, und Alyssa schrie laut auf.
Colt fing sie auf, doch sie stieß ihn mit aller Kraft weg, ihre Augen wild vor Verzweiflung, und versuchte sich aufzurichten, ihre Muskeln brennend vor Anstrengung, ihr Geist ein Wirbelsturm aus Angst und Entschlossenheit.
So schnell es ihr Körper erlaubte, eilte sie die Treppen hinunter, ihre Schritte ein Tanz auf dem schmalen Grat zwischen Leben und Tod, und lief zum Eingang des Käfigs, ihr Herz schlug wild, als würde es jeden Moment zerspringen.
Als sie an der Tür rüttelte und brüllte, schnellte Sams Kopf zu ihr, seine Augen ein wildes Feuer in der Dunkelheit. Der Schock über ihre Anwesenheit war ihm deutlich ins Gesicht geschrieben, seine Züge erstarrt vor Überraschung und Angst. Sein Blick fiel erneut auf Ray, und dann wieder zu Alyssa, die vor ihm kniete, ihre Augen voller Tränen.
Er eilte zur Tür und hob den Riegel, um sie zu öffnen, sein Herz tobte wie ein Ozean in seiner Brust, sein Verstand balancierte auf Liebe und Verrat, als würde er sich in einem undurchdringlichen Nebel aus Emotionen verlieren.
Er kniete sich vor ihr hin, sein Blick voller Ernst und Besorgnis.
„Was machst du hier?!“, flüsterte er atemlos.
Doch Alyssa stieß ihn voller Wut von sich weg, ihre Augen voller Schmerz und Verzweiflung, und kroch zu Ray, ihrem Fels in der Brandung, ihrem Licht in der Dunkelheit, der wild nach Luft schnappte, während sein Blick langsam zu Leere verwandelte, wie ein Stern, der am Himmel erlischt.
Sie umschloss sein Gesicht mit ihren Händen, während die Menge um sie herum verstummte, als würden selbst die Götter innehalten, um diesem Drama beizuwohnen.
„Bitte… Bitte bleib bei mir…“, flehte sie mit einer Stimme, die vom Zittern ihrer Seele erfüllt war, und senkte den Blick an ihm hinab.
Als sie seine Verletzungen sah, schrie sie kurz auf.
Schluchzend legte sie sanft ihren Kopf auf seine Brust, während sie das schwindende Leben unter ihrer Berührung spürte, wie Sand, der ihr durch die Finger rinnt.
„Küss mich“, flüsterte eine Stimme in ihrem Kopf, ein Echo aus längst vergessenen Träumen, und als sie ihren Blick hob, traf sie den leeren Blick von Ray.
Es war, als würde sie ein kleines Licht in seinen Augen sehen, ein Funken Hoffnung inmitten der Dunkelheit, der sie magisch anzog, und zögernd nährte sie sich seinem Mund.
Noch einmal nahm sie sein Gesicht in ihre Hände, ihre Finger ein verzweifelter Versuch, das Unvermeidliche aufzuhalten, und flüsterte.
„Komm zurück“
Dann legte sie ihre Lippen auf seine, und ein lautes Entsetzen hallte durch die Arena, als die Anwesenden diesen letzten Akt der Verzweiflung sahen.
Kurz darauf folgte Getuschel, das wie ein giftiger Wind durch die Menge wehte, und Colt griff energisch ein, um die neugierigen Augen und die aufkeimenden Gerüchte zu ersticken.
Sam stand regungslos da, sein Herz trommelte wild, was ihn beinahe zu Boden zwang, während er Alyssa dabei beobachtete, wie sie versuchte, Ray zurück ins Leben zu holen. In diesem Moment, in dem Alyssa und Ray sich in ihrer eigenen Welt verloren hatten, fühlte er sich wie ein Fremder, ein einsamer Wanderer in einem Land, das ihm einst vertraut war, doch das nun von Schatten und Geheimnissen umhüllt war. Und während er dort stand, regungslos wie eine Statue, spürte er, wie sein Herz in tausend Stücke zerbrach, seine Liebe und sein Schmerz ein endloses Geflecht aus Hoffnung und Verzweiflung, das ihn in die Dunkelheit zu ziehen drohte.
Colt griff nach seinem Arm und schob ihn leicht beiseite, als er sich durch die Tür drängte und auf Alyssa und Ray zuging. Die Berührung von Colts Hand fühlte sich an wie ein eisiger Hauch der Ablehnung auf Sams Haut.
Alyssa ließ von Ray ab und beobachtete Colt, wie er Rays Puls checkte.
„Er lebt“, flüsterte Colt, seine Worte ein Hauch der Erleichterung in der Dunkelheit, und versuchte Ray hochzuheben, seine Bewegungen ein Akt der Gnade inmitten des Chaos.
Bevor sie den Käfig verließen, warf Colt Sam noch einen finsteren Blick zu, seine Augen ein Feuersturm aus Verachtung und Missbilligung, der Sams Inneres zum Kochen brachte.
Langsam lief Alyssa Colt hinterher. Schluchzend hielt sie die Arme vor der Brust, während sie versuchte, ihre Sorge um Ray unter Kontrolle zu bekommen, ihr Inneres ein wildes Meer aus Emotionen, das sie zu verschlingen drohte.