Jetzt mal Truth Talk! Kommen wir zu einer ganz anderen Veränderung, seitdem ich von Henry geträumt habe – die sexuelle Veränderung.

Was das Sexuelle betrifft, war ich eigentlich nie besonders einfach, dachte ich zumindest. Bisher hat man mir immer das Gefühl gegeben, und ich hatte auch dieses Gefühl, dass ich einfach nur unnormal war, was Sex angeht.

Ich fing ziemlich früh damit an, mich selbst zu berühren, da will ich mal ehrlich sein. Ich glaube, ich war etwa vier oder vielleicht fünf Jahre alt. Natürlich wusste ich nicht genau, was das zu bedeuten hatte, aber es fühlte sich schön an.

Mein erstes Mal hatte ich erst mit achtzehn Jahren. Ich war also relativ brav und habe gewartet, bis ich volljährig war. Mein ersten Kuss hatte ich schon im Kindergarten. Der Junge war in mich verliebt und hat mich unter einer Brücke geküsst, als wir mit anderen Kindern Verstecken gespielt haben.
Mein ersten richtigen Kuss hatte ich mit ungefähr sechzehn Jahren. Den ersten Kuss mit Zunge hatte ich mit achtzehn Jahren. Ganz klassisch (zu meiner Zeit) in einem Club. Und mit diesem Typen hatte ich auch mein erstes Mal.

Ihr müsst wissen, einer meiner Grundsätze ist:
Ich habe nur mit einem Mann Sex, wenn ich auch in ihn verliebt bin! Diesen Grundsatz habe ich bis auf ein einziges Mal immer befolgt!

Das erste Mal… Ehrlich gesagt, für wen war es wirklich schön? Ich glaube, für sehr wenige Menschen. Zumindest habe ich bisher niemanden kennengelernt, bei dem es so romantisch ablief wie in einem Film.

Mein erstes Mal hatte ich also mit diesem einen Typen. Ich war total verknallt in ihn, keine Ahnung warum. Fast jeden Samstagabend haben wir im Club rumgeknutscht. Meine damalige beste Freundin war auch dabei und hat mit einem Kerl rumgemacht.

Irgendwann sind wir zu viert zu dem Typen nach Hause gefahren, zu dem Kerl, mit dem meine beste Freundin geknutscht hat. Es war ein Studentenwohnheim und das Zimmer hatte höchstens neun Quadratmeter. Ihr könnt euch vorstellen, wie kuschelig es war!

Meine beste Freundin lag auf dem Boden mit ihrem Typen, und ich war mit meinem auf dem Bett. Ihr müsst wissen, ich war nicht betrunken! Die anderen drei waren es jedoch schon.

In meinem ganzen Leben war ich noch nie betrunken. Während meiner wilden Partyzeit haben Leute ständig versucht, mich abzufüllen mit Trinkspielen oder Wetten. Aber niemand hat es jemals geschafft! Ich kannte immer meine Grenzen. Außerdem war ich immer diejenige, die auf die anderen aufgepasst hat, damit nichts Schlimmes passiert. Ich war schnell angeheitert, aber wirklich betrunken war ich noch nie. Zum Vorglühen habe ich eine ganze Flasche Sekt getrunken, im Club gab es dann ein paar Shots. Danach haben mir immer irgendwelche Typen Drinks ausgegeben, in der Hoffnung, mich betrunken genug zu bekommen, um mit mir ins Bett zu gehen. Aber ich bin nie mit einem Mann nach Hause gegangen oder auf die Toilette, um Sex zu haben. Es blieb immer nur beim Knutschen. Zum einen habe ich mich nicht getraut, zum anderen wollte ich es einfach nicht. Mal ehrlich, was hätte alles passieren können, wenn ich mitgegangen wäre? Man kann solchen Menschen nicht vertrauen, auch wenn sie noch so nett sind.

Den Typen, mit dem ich mein erstes Mal hatte, habe ich durch meinen damaligen Musikgeschmack kennengelernt – Kpop. Wir haben uns regelmäßig zum Feiern getroffen.

Meine Partyzeit dauerte nicht lange. Als ich von zuhause ausgezogen bin, habe ich damit angefangen, und kurz nach meinem achtzehnten Geburtstag war sie auch schon wieder vorbei. Ich hatte einfach keine Lust mehr darauf. Klar, manchmal denke ich zwischendurch, wie toll es wäre, jetzt im Club zu tanzen und etwas zu trinken. Aber dann erinnere ich mich wieder daran, wie widerlich betrunkene Menschen sein können. Außerdem stinkt es in Clubs und viele Menschen benehmen sich total daneben. Ich empfinde oft Fremdscham, wenn ich manche Leute beobachte. Ich habe auch eine starke Abneigung gegen Betrunkene entwickelt. Das hängt damit zusammen, dass jeder Mann grundsätzlich davon ausgeht, dass eine Frau mit ihm schläft, wenn er betrunken ist. Er belästigt sie solange, bis sie ausrastet, weil sie keinen Sex will, oder sie lässt es über sich ergehen und unterwirft sich.

So kenne ich es zumindest.

So waren wir also in dem Studentenzimmer. Weiterhin knutschten wir, und dann kam eins zum anderen. Puh, das tat weh, sage ich euch! Es war wirklich alles andere als schön. Danach hatte ich auch eine Woche lang Schmierblutungen. Keine Ahnung, ob das normal war oder nicht.

Ich hatte erst mit sechs verschiedenen Männern Sex, und kein einziges Mal davon war wirklich angenehm!

Nummer eins: Der Typ aus dem Club. Ein einziges Mal und danach nie wieder.

Nummer zwei: Ein Typ aus Berlin (nennen wir ihn mal Justus). Während meiner Ausbildung musste ich einmalig für eine Woche nach Hannover fahren. Dort gab es eine Neueröffnung vom Betrieb, und es mussten möglichst viele aus den anderen Häusern helfen, darunter auch viele Azubis ab dem dritten Lehrjahr. Ich, die gerade mal im zweiten Lehrjahr war, sollte unbedingt mitfahren, weil mein Chef mit mir „prahlen“ wollte. Es gab noch meine Kollegin, ebenfalls im zweiten Lehrjahr. Jedoch wurde sie eher aus, nennen wir es mal Mitleid, mitgenommen, glaube ich zumindest… Denn wirklich was auf dem Kasten hatte sie eigentlich nicht. Jedenfalls lernte ich dort viele tolle Leute kennen. Mein Chef verlangte von mir zu glänzen und den anderen Auszubildenden zu zeigen, wie man vernünftig arbeitet. So gesehen konnte ich deutlich mehr vollbringen als die aus dem dritten Lehrjahr, obwohl sie eigentlich viel weiter sein mussten als ich. Ich fühlte mich natürlich ziemlich geehrt! Auch alle Chefs aus den anderen Häusern und der Bezirksleiter aus dem Norden waren sehr angetan von mir. Ich mochte es echt gerne, so in den Himmel gehoben zu werden, das gebe ich zu!

Unter den anderen Auszubildenden befand sich auch Justus. Er kam aus dem Haus in Berlin. Wir verstanden uns ziemlich gut miteinander und freundeten uns schnell an. Eine ganze Weile später lud er mich auch zu seinem Geburtstag ein, der natürlich in Berlin gefeiert wurde. Das war damals kein Problem, weil ich zu der Zeit kurz von Basti getrennt war. Erinnert ihr euch an die erste Trennung?

Kurz mal zwischen erzählt: Der ausschlaggebende Grund für die Trennung von Basti war, dass ich fremdgegangen bin. Das geschah in der Woche, als ich in Hannover arbeitete. Schon eine ganze Weile lang liebäugelte ich mit einem Küchenverkäufer aus meinem Verkaufshaus. Er shakerte auch zurück, und wir waren sehr entzückt voneinander. In der Woche, in der wir in Hannover waren, war er ebenfalls vor Ort. Eines Abends klopfte er dann an meine Hotelzimmertür. Weil ich so verknallt war, ließ ich ihn herein. Natürlich wusste ich, dass es absolut falsch war! Aber ich war so unglücklich mit Basti, dass ich diese Aufmerksamkeit genoss. Letztendlich hatten wir keinen Sex, aber knutschten und kuschelten einige Abende miteinander. Wir wurden nie ein Paar, weil ich nach dieser Woche durch seinen Arbeitskollegen herausfand, dass er eine feste Freundin hatte. Angeblich waren sie auch seit vielen Jahren sehr glücklich miteinander. Aber die Frage war, warum ging er ihr dann fremd? Na ja, er hatte bestimmt seine Gründe dafür.

Ich feierte den Geburtstag von Justus mit und ließ mich dann zum Sex „überreden“. Wie gesagt, ich vögelte niemals freiwild herum! Ich wurde bloß so lange belabert, dass ich irgendwann zustimmte, um meine Ruhe zu haben. Auch da wusste ich, es war absolut falsch! Denn Justus verliebte sich in mich, und ich konnte ihm nicht das geben, wonach er sich sehnte. So entschied ich mich am Ende dafür, den Kontakt abzubrechen. Er sprach ständig davon, dass ich zu ihm ziehen könnte, in seinem Betriebshaus arbeiten könnte und wir glücklich miteinander wären. Er verstand alles, was ich tat, völlig falsch. Nur weil ich mit ihm tanzte und „kuschelte“ auf freundschaftlicher Ebene, war es keine Einladung zum Sex. Den ganzen Abend über fiel von ihm immer wieder der Satz: „Du kannst mir doch nicht sagen, dass da nachher nichts läuft!“ Wow… Wenn ich den Satz aufschreibe, schaudert es mich heute noch. Wie gesagt, es war falsch, mich überreden zu lassen! Aber so bestätigte ich meinen Grundsatz. Zumal der Sex echt nicht schön war… Sorry an Justus, falls er es jemals lesen und sich darin erkennen sollte!

Nummer drei: Basti. Wie schon erwähnt, war das auch nicht gerade der Hit. Basti war unglaublich fixiert auf Sex, wie im Porno. Ist das normal? Also im Ernst, ist das wirklich normal? Ich rede nicht von Blümchensex-Porno, sondern von dem brutalen, Bondage, Hardcore-Sex. Zum Beispiel: Sie beim Blasen am Kopf packen und den Penis so tief und lange in den Mund drücken, dass sie beinahe kotzte und im Anschluss den Speichel vom Penis an ihrem kompletten Gesicht abschmieren, stark am Hals würgen und so weiter. Davon rede ich… Welcher Frau gefällt so etwas? Jedes Mal, wenn ich mit Basti Sex hatte, blutete ich eine ganze Weile danach. War er vielleicht wirklich zu brutal? Ich ließ es einfach über mich ergehen, in der leisen Hoffnung, dass es mir vielleicht irgendwann gefallen würde. Denn nach seiner Aussage hin, gefiel so etwas jeder Frau, und so gehörte sich Sex. Irgendwann dachte ich einfach nur, dass etwas mit mir nicht stimmte. Ich war einfach nur eine unnormale Frau, der Sex niemals gefiel. Aber warum hatte ich keinen Spaß daran? Ich sah mir auch Pornos an und berührte mich dabei, und da gefiel es mir. Also warum nicht beim Sex mit einem Mann? War ich wirklich so prüde? Ich sprach auch mit Bastis Mutter darüber, vielleicht hatte sie Rat für mich. Sie sagte mir, dass ich vielleicht ein Spätzünder war. So etwas käme häufig vor. Manche Frauen werden erst in ihren Zwanzigern oder später so richtig aktiv im Sex.
So gut wie immer fühlte es sich beim Sex so an, als würde der Mann mit seinem Penis gegen eine innere Wand donnern. Diese innere Wand war gefühlt nach zwei Zentimetern erreicht. Als ob mein Körper sich dagegen wehrte. Während der Beziehung mit Basti ging ich sogar einmal zum Arzt, um mögliche gesundheitliche Probleme auszuschließen. Tja, der Arzt fand keinerlei Ursachen für meine innere Wand und sagte zu mir, dass viele Frauen dieses Problem hätten. Frauen können sich oft nicht fallen lassen und genießen, wenn sie Sex hatten. Ja, da hatte der Arzt zwar recht, doch irgendwie glaubte ich ihm nicht. Wie sollte ich das ändern, wenn es mir einfach nur weh tat? Ehrlich, wie?! Also musste ich den Schmerz einfach runterschlucken… Vielleicht war ich einfach so, und es würde sich nicht ändern. Entweder war wirklich der Mann das Problem oder mein Kopf. Vielleicht würde ich es über die nächsten Jahre ja herausfinden.

Nummer vier: Nach der ersten Trennung von Basti ging ich mit dem Sohn einer Arbeitskollegin aus. Wir verliebten uns und hatten auch Sex. Wieder nicht besonders schön, und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich mit einem Kind vögelte, aber na ja… Er war zwar fast achtzehn, aber verhielt sich eher wie ein Zwölfjähriger. Er war niedlich, aber mehr auch nicht. Wir waren eigentlich keine zwei Wochen ein Paar, und dann beendete ich die Beziehung. Kurz darauf kam ich wieder mit Basti zusammen.

Nummer fünf: Ein Mann, den ich ebenfalls über World of Warcraft kennenlernte (nennen wir ihn mal Fabian). Er war zwar über zehn Jahre älter als ich, aber mein Gott, ich war so furchtbar verknallt in ihn! Bei meinem ersten Besuch bei Ean, zu seinem Geburtstag, war er ebenfalls vor Ort, und da hatten wir ganz romantisch am Feld, auf einer Sitzbank Sex unterm Sternenhimmel. Die beiden kannten sich auch schon einige Jahre über das Spiel. Aber mal ehrlich, auch dieses Mal gefiel es mir nicht, so sehr ich mich bemühte. Ich habe wirklich keine Ahnung, was mein Problem war. Er war wirklich vorsichtig und liebevoll. Was also hielt mich davon ab, Sex einfach mal zu genießen?! Nach dieser Aktion hatten wir aber immer weniger Kontakt. Und dann kamen die Gefühle für Ean.

Nummer sechs: Ean. Auch der Sex mit ihm war nicht so gut, wie er es gerne gehört hätte. Es war deutlich besser als mit den anderen zuvor, aber immer noch hatte ich häufig Schmerzen und war froh, wenn er fertig war. Es gab bisher nur einen einzigen Moment in meinem Leben, wo ich so richtig Lust auf Sex hatte und von mir aus damit ankam. Und genau an diesem Abend wurde unser Sohn Teddy gezeugt. Ja, ich habe zurückgerechnet… Es kann nur dieser eine Abend gewesen sein! Okay, zugegeben, dass ich richtig Lust hatte, kam deutlich häufiger vor. Doch nie ging ich einen Schritt weiter als in meinen Gedanken. Warum? Weil ich ganz einfach fürchtete, es würde wieder nur Schmerzen, anstatt mal angenehm sein. Ich kann’s euch einfach nicht besser erklären…

In meinen Gedanken sah alles ganz anders aus. Wie oft malte ich mir schon Sex mit den verschiedensten Männern aus. Auch träumte ich relativ häufig von so etwas. Ich hatte viele Vorstellungen und Wünsche, aber keine einzige konnte ich bisher ausleben. Nicht ohne den richtigen Mann an meiner Seite. Auch malte ich mir die schmutzigsten Dinge aus. Mhhhh… Manchmal hatte ich wirklich großen Bock auf Sex wie in Pornos. Aber wie gesagt, ich ging nie weiter als darüber nachzudenken. Auch sprach ich nie mit jemandem darüber. Mit Ean ging wohl kaum, dann würde er es am Ende noch genau so haben wollen. Eine Freundin hatte ich zu der Zeit nicht, mit der ich offen über dieses Thema sprechen konnte. Ja, es gab zwar Nicki, aber unsere Themen beinhalteten zu Anfang bloß alte Zeiten und die Schwangerschaft.

Als ich im April allen alten Bekannten und der Familie von der Schwangerschaft erzählte, stellte sich heraus, dass zwei andere Mädels aus meiner alten Schulclique ebenfalls schwanger waren. Gott, ich musste echt lachen! Was für ein Zufall war es bitte, dass wir alle zeitgleich schwanger waren! Unsere Clique bestand aus vier Mädels. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl richtige Freundinnen zu haben. Sie stärkten mir immer wieder den Rücken, was ich so noch nie von einer Freundin hatte. Und erst recht nicht von drei gleichzeitig! Zum ersten Mal war ich nicht das fünfte Rad am Wagen! Wir waren ein Team und die Zeit war sehr schön.

Mit der Zeit wurden Nicki und ich immer dicker miteinander. Als die Kinder auf der Welt waren, konnten wir über Dinge sprechen, wofür andere uns sofort verurteilt hätten. Zum Beispiel regten wir uns gemeinsam über einen beschissenen Wachstumsschub vom Baby auf, wo das Kind einfach durchgehend am Brüllen war. Man war so sehr mit den Nerven am Ende, dass man Sprüche brachte wie: „Ehrlich… Ich bereue die Schwangerschaft und am liebsten würde ich es in die Babyklappe bringen!“ In so einem Moment war man einfach völlig überfordert mit allem, und man wollte am liebsten dem Kind den Hals umdrehen. Natürlich fallen dann solche Sätze. Doch selbstverständlich zog man so ein Vorhaben nicht durch! Ich verurteile niemanden für Sprüche derart! Ein Kind zu bekommen und es großzuziehen, ist echt wahnsinnig anstrengend und kann einem alle Kraft kosten. Alle Mamas, die das Gegenteil behaupten, haben entweder tierisches Glück oder lügen! Ein Kind ist ein Segen und Fluch zugleich. Manchmal hat man eben das Verlangen danach wegzulaufen und das Kind hinter sich zu lassen… Das ist völlig normal! Wichtig für jeden ist nur, einen Ausgleich zu haben. Sei es durch Arbeit, ein Hobby oder Freunde. Man darf und muss nicht Vollzeitmama sein. Das gilt natürlich ebenso für Väter!

Ausgleich zu haben, ist so unglaublich wichtig für alle Elternteile! Man wird sonst wahnsinnig und vor allem ziemlich streitlustig. Viele, wirklich viele Beziehungen oder Ehen gehen in die Brüche, weil ein Elternteil absolut überfordert ist und dringend Auszeit benötigt. In meinen Augen sehe ich zu neunzig Prozent Facebook-Beiträge, die Trennungen aufgrund fehlendem Ausgleichs entstehen. Doch manchmal gibt es Fälle, da ist eine Auszeit nicht möglich. Das kann die verschiedensten Gründe haben. Es gibt auch genug Menschen, die keinerlei Unterstützung haben, weder von der Familie, noch von irgendeinem Amt oder Freunden.

Ean und ich zum Beispiel waren auch auf uns alleine gestellt. Er arbeitete damals zwölf Stunden täglich und war etwa dreizehn bis vierzehn Stunden aus dem Haus. Sobald er nach Hause kam, drückte ich ihm das Kind in den Arm, damit ich endlich mal Ruhe hatte. Oder ich flehte ihn an, dass wir gemeinsam spazieren gingen oder einkaufen, damit ich endlich mal aus dem Haus kam. Natürlich war seine Laune auch nicht gerade die beste, und dann kam ich abends noch an und überreichte das Kind und hatte Wünsche, die er erfüllen sollte. Ihr könnt euch vorstellen, wie oft wir stritten, weil wir beide einfach nur erschöpft waren! Das war auch einer der Gründe, warum es mit uns einfach nicht hinhaute. Wir arbeiteten nicht miteinander, sondern gegeneinander. Jeder wollte seine Ruhe und brauchte Ausgleich, doch keiner bekam es so wirklich. Wie gesagt, wir hatten von niemandem Hilfe.

Aber irgendwie lag unser schlecht gelauntes Gemüt auch an unserer damaligen Wohnung. Fünfundzwanzig Quadratmeter, dank der Dachschrägen vielleicht vierzig, zwei Zimmer, Schimmel an jedem Fenster, alle Fenster waren undicht, ein winziges Bad und eine genauso kleine Küche, in der man nicht zu zweit stehen konnte, und keiner hatte mal einen Rückzugsort. Ich schlief seit der Schwangerschaft auf der Couch im Wohnzimmer, weil ich oft bis spät in die Nacht wach war und immer häufiger nur im Sitzen schlafen konnte. Das lag zum einen an der Schwangerschaft selbst und an meinem kaputten Zwerchfell. Sobald ich normal gelegen habe, stieg die Magensäure hoch, und ich bekam höllische Schmerzen und Sodbrennen.

Okay, gut, mal ehrlich, das hätte auch an meiner Ernährung während der Schwangerschaft liegen können. Keine Ahnung, was tatsächlich der Grund war. Hätte ich mein Kind nach meinen Gelüsten in der Schwangerschaft benennen müssen, hätte es Gummibärchen geheißen. Ungelogen, ich habe täglich etwa fünf bis sieben Packungen Gummibärchen verdrückt. Dazu haufenweise Traubenzuckerlollis! Ich lebte quasi nur von Zucker. Hin und wieder überkam mich aber auch die Lust nach mexikanischer Bohnensuppe… Mhhhhhh lecker! Mein Darm fand das alles allerdings nicht so toll. Ha ha. Und es war ein Wunder, dass ich keine Schwangerschaftsdiabetes hatte! Oh Leute, ich hatte bei dem Zuckertest unglaubliche Angst, dass ich Diabetes bekam. Mich hätte es bei dem Zuckerkonsum auch nicht gewundert! Aber Gott sei Dank, lief alles gut. Ich hatte danach zwar drei Tage lang Übelkeit, Krämpfe und Durchfall, aber Hauptsache negativ!

Das ist aber ehrlich gesagt auch ein Grund, warum ich nicht nochmal schwanger werden wollte… Dieser Zuckertest. Einfach nur schrecklich! Jede Mama weiß, wovon ich rede!

Jedenfalls hatte ich im Laufe der Jahre immer mehr sexuelle Unlust. Ich redete mir weiterhin ein, dass ich einfach unnormal war.

Doch, ob ihr es glaubt oder nicht, es kam zu einer krassen Wende. Und wie ihr es ahnt, lag es an Henry. Ehrlich, keine Ahnung, wie der es geschafft hat, aber mein Gott, ich war quasi dauerhaft notgeil. Ich hätte sogar unseren Nachbarn gevögelt, so eine Lust hatte ich!
Dieser Nachbar… Er war nicht besonders attraktiv, aber er glotzte immer gierig auf unseren Balkon, wenn ich dort saß. Außerdem hatte er regelmäßigen und sehr lauten Sex mit seiner Freundin. Ob ich in dem Moment auch Lust bekam, als ich die beiden hörte? Oh ja! Huiuiui! Aber vorerst musste ich mich selbst befriedigen. Mit Ean konnte ich es einfach nicht. Je länger und weiter es mit Henry ging, desto angeekelter war ich von Ean. Was mir auch sehr leid tat! Und später trennten wir uns, wie ihr wisst. Es lag wirklich nicht an Ean!

Die meisten von euch denken sich unter Garantie, dass ich auf Henry abfahre, weil er so aussieht, wie er aussieht. Falsch! Ganz ehrlich, sein Aussehen ist bloß ein netter Bonus. Auch wenn mir das keiner von euch glauben wird!

Coby, mein bester Freund, riet mir mal dazu, aufzuschreiben, was genau ich an Henry so bewundernswert finde. Nun, diese Liste könnte sehr lang werden.

Henry’s Charakter! Seinen Humor, seine Empathie und sein Verständnis. Klar, das, was ich sehe, ist nur aus den sozialen Medien, und diese können auch vorgetäuscht sein oder einstudiert. Aber ich glaube wirklich nicht, dass dieser Mann zu hundert Prozent, immer und dauerhaft schauspielert, damit die Leute eine Seite sehen, die sie toll finden würden. Ich glaube wirklich nicht, dass all das, was man sieht, nicht wahr ist. Egal wann oder wo ich ihn in den Medien sehe, er verhält sich stets sehr höflich, auch wenn er noch so genervt ist. Er ist auch noch ein richtiger Gentleman! Oft sehe ich ihm an, dass er total genervt war, aber er ist einfach ein sehr höflicher Mensch und versucht niemanden anzugehen, so gern er es auch wollte. Das ist ziemlich beeindruckend! Ich selbst verliere viel zu oft die Kontrolle und bin weit weg von jeder Art Höflichkeit. Da kann man sich also eine dicke Scheibe von abschneiden. Klar wird es auch Ausnahmen geben bei ihm, so wie bei jedem.

Er kocht gerne! Zu gerne würde ich seine Köstlichkeiten mal probieren… Ich koche zwar auch gerne, aber ich glaube meine Kochkünste würden an seine nicht heranreichen.

Er zockt gerne! Und ein schöner Zufall ist, er spielt ebenfalls World of Warcraft! Kennt ihr die Geschichte von ihm, als er den Anruf für die Superman-Rolle erhielt? Das Telefon klingelte, und er ging nicht ran, weil er gerade dabei war, seine Ingame-Gruppe am Leben zu halten. Er spielte also Heiler! Ich spiele fast ausschließlich Heiler in diesem Spiel. Für was anderes bin ich einfach nicht geschaffen. Jedenfalls rief er dann zurück, als er sah, wer anrief, und bekam die Rolle. Er entschuldigte sich auch mit diesem Satz, dass er gerade seine Freunde am Leben halten musste und deshalb nicht ans Telefon ging. Prioritäten setzen? Kann er! Genau mein Humor!

Kurz mal zwischendrin: Als ich das erfuhr, fing ich an auf englischen Servern zu spielen. In der Hoffnung, ihm zufällig mal zu begegnen! Aber auch aus dem Grund, um mein Englisch noch weiter zu verbessern.

Er ist ein totaler Nerd, was man ihm so nicht ansieht! Ich finde es unglaublich faszinierend, wie er sich bestimmten Aufgaben widmet. Auch wie künstlerisch begabt und kreativ er sein kann, was das Spiel Warhammer betrifft. Ehrlich, dieser Mann kann einfach alles!

Er ist unfassbar liebevoll! Egal ob zu Mensch oder Tier! Er setzt sich auch für Tierorganisationen ein!

Er ist sehr hygienisch, meiner Meinung nach! So gepflegte Hände sieht man wirklich selten! Schaut euch doch mal um, wie die Hände anderer aussehen. Ich kenne wirklich nur wenige, wo kein Schmutz unter den Nägeln, oder kein Stück abgeknabberte Hornhaut hängt. Alter… Diese Hände! Außerdem sehen sie so unglaublich weich aus!

Seine Haarpracht… Am ganzen Körper! Es ist kein Witz, wenn ich euch erzähle, dass ich so etwas eigentlich immer ziemlich abstoßend fand. Für mich sollte ein Mann nicht zu viel Haar besitzen, vor allem nicht im Intimbereich, da musste alles glatt sein! Doch merkwürdigerweise finde ich Henry’s Körperbehaarung unglaublich sexy! Von Kopf bis Fuß!
Seine Ausdauer in Sachen Fitness. Klar, durch seine Jobs muss er immer in Topform sein, aber ich glaube, ihm liegt Fitness auch sehr am Herzen. Zumindest versucht er via Instagram Stories einen zwischendurch zu motivieren, dass selbst zwanzig Minuten am Tag schon ausreichen. Okay, das bezieht sich beides doch auf sein Aussehen… Sorry.

Er ist ein totaler Spaßvogel! Gott, ich liebe es so sehr, wenn ich Videos sehe, in denen er herumalbert!

So… Genug geschwärmt!

Ich träumte unglaublich viel von Henry. Immer öfter knutschten und liebkosten wir uns darin, doch kein einziges verdammtes Mal hatten wir Sex! Es machte mich so furchtbar wahnsinnig! Warum zur Hölle hatten wir keinen Sex in meinen Träumen? Von jeder Sau träumte ich Sex, doch ausgerechnet von ihm nicht?! Was zur Hölle war der Grund, dass mir dieses Ereignis erspart wurde? Gott, ich drehte manchmal total am Rad, weil viele Träume kurz vorher endeten.

Irgendwann versuchte ich mir einzureden, dass der Sex mit ihm vielleicht einfach nicht sein sollte, oder es so besonders sein würde, dass ich es mir nicht einmal erträumen konnte.
Aber ich wünschte es mir so sehr…

Henry veränderte auch manche Prinzipien von mir.

Das erste Prinzip war ja, dass ich ihn eigentlich nicht ausstehen konnte. Meine Mutter zeigte mir damals das Spiel the Witcher. Und sie zeigte mir auch den Superman-Film, um mir zu zeigen, was für ein heißer Typ Henry war. Alter… Ich fing lieber einen Streit mit ihr an, als mir Henry anzusehen! Ich wollte einfach nicht den Film gut finden, so wie sie! Das Gleiche irgendwie auch mit dem Game… Als hätte ich es damals geahnt, dass Henry Geralt spielen wird. Ich kann einfach nicht jemanden hypen, den die ganze Welt toll findet! Ich wollte nicht eine von vielen sein!

Dann das Prinzip, dass ich starke Körperbehaarung nicht gerne sehe, bei ihm jedoch schon.

Dann das Prinzip, niemals eine Person als Handy-Hintergrund zu haben. Auch das warf er über den Haufen! Gott Leute, noch nie schaffte es irgendjemand jemals auf mein Handydisplay. Noch nie! Doch dieser Mann… Ich dachte lange darüber nach und am Ende tat ich es und war unglaublich stolz, ihn so häufig zu sehen auf meinem Handy.

Noch ein Prinzip, was eigentlich total dumm ist: Ich bin ein unglaublicher Geizhals, wenn ich etwas kaufen muss. Zumindest in Themen wie Stifte. Ich selbst konnte und wollte mir nie teure Stifte leisten, weil sie meistens nicht viel besser waren als die billigsten Versionen davon. Doch für meinen Brief an Henry mussten es perfekte Stifte sein! Also besorgte ich mir welche für fünfzehn Euro… Das tat echt weh im Geldbeutel! Zumal Ean damals davon nichts mitbekommen durfte.

Auch ein Prinzip: Ich unterstütze niemanden in den sozialen Medien. Das ist eigentlich einfach nicht mein Ding. Die Leute kommen auch ohne meinen Support zurecht! Doch bei Henry, da repostete ich alles, was er teilte. Es überkommt mich dann einfach… Schwer zu beschreiben!

Gleiches Prinzip mit meinem Brief. Mein Gott, ich habe nie und wollte niemals so einen Brief an irgendjemanden schreiben und erst recht nicht abschicken!

Noch ein Prinzip, das über den Haufen geschmissen wurde, ist Gefühle zu zeigen. Ehrlich, ich will nicht behaupten, dass ich vorher immer gefühlskalt war, aber es könnte dennoch zutreffen. Es gab nur sehr, sehr wenige Momente, in denen ich überrumpelt wurde von meinen Gefühlen.

TRIGGERWARNUNG – TOT
Eine Begebenheit, die mich tief erschütterte, war der Tod eines ehemaligen Arbeitskollegen. Ich sah ihn stürzen, zucken, blau und blass werden und schließlich aufblähen.

Wir befanden uns gerade im Feierabendmodus. Jeder hatte seine Aufgaben zu erledigen und seine Arbeitsbereiche zu säubern. Ich stand am Kuchenbüffet, und besagter Kollege war an den warmen Speisen. Wir unterhielten uns nebenbei, wie immer. Er war ein außerordentlich liebevoller Mensch, der bereit war, alles für andere zu geben. Allerdings war er bereits sehr alt und auch schwer krank – etwas, von dem bis dahin niemand wusste. Er hatte keine Familie, nur seine Arbeitskollegen. Ich versuchte stets, ihm so viel Arbeit wie möglich abzunehmen. Es fiel mir schwer zu verstehen, warum er in seinem Alter noch so einen anstrengenden Job machte, aber er wollte es so. Dennoch half ich ihm und schickte ihn häufig in kurze Pausen, sobald der Chef nicht mehr da war. Er sollte die Ruhe genießen, die jedem in seinem Alter zusteht! Er wünschte sich immer: „Wenn ich sterbe, dann auf der Arbeit.“ Nun, sein Wunsch wurde auf tragische Weise erfüllt.

Während ich gerade eine Fläche reinigte, hörte ich rechts von mir einen lauten Knall, gefolgt von einem Stöhnen. Ich sah zu ihm hin und stand unter Schock. Ich rief nach meiner Kollegin, die Ersthelferin war, aber jede Hilfe kam zu spät. Ich stand eine ganze Weile wie erstarrt da. Sein Gesicht war nach oben gerichtet, zu mir. Er zuckte im Millisekundentakt, seine Augen wurden trüb und glasig. Kurz darauf regte er sich nicht mehr und lief blau an. Der Blick, den er mir zuwarf, wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Die anderen Kolleginnen versuchten, ihm zu helfen, doch es war zu spät. Unser Chef und ein Notarzt wurden benachrichtigt, und danach sollten wir alle nach Hause gehen.

Ehrlich gesagt verdient niemand einen solchen Tod. Es handelte sich um einen Herzinfarkt. Er hatte bereits drei Stents am Herzen, von denen niemand etwas wusste. Unser Chef kontaktierte seinen Bruder, den einzigen noch lebenden Verwandten. Obwohl sie wenig Kontakt hatten, wurde durch ihn der Gesundheitszustand bekannt.

Der Abend war äußerst traumatisch. Ich sah dem Tod ins Auge und werde diesen Anblick nie vergessen. Es hat mich so stark aus der Bahn geworfen, dass ich für einige Tage nicht ich selbst war. Immer wieder musste ich an diese Sekunden denken, ebenso wie alle anderen, die an jenem Abend Dienst hatten.
TRIGGERWARNUNG ENDE

Ein weiteres Prinzip im Bezug auf das Zeigen von Gefühlen war, dass ich nie bei Filmen oder Serien geweint habe – außer bei Herr der Ringe! Ansonsten, wirklich nie! Doch seit Henry Teil meines Lebens ist, weinte ich fast bei jedem Film und jeder Serie, sobald sie auch nur annähernd kitschig, traurig oder liebevoll sind. Ehrlich gesagt, geht mir das manchmal ziemlich auf die Nerven! Ich bin zu einer totale Heulsuse geworden. Das nervt! Aber irgendwie ist es auch schön, solche Gefühle zu spüren. Bei Filmen oder Serien wie Titanic, the Sandman, Vikings, Kissing Booth, Jane the Virgin, Bridgerton, Supernatural… Ich kann mittlerweile eine Menge nennen, bei denen ich weine. Genauso bei Songs! Aber ich muss betonen, dass bei keinem dieser Filme, Serien oder Songs meine Tränen auf die Art fließen wie bei Dingen, die Henry betreffen. Ich weine zwar, bis mein Kopf dröhnt, aber das Gefühl in der Brust ist ein anderes.

Auch mein Prinzip bezüglich meines Kleidungsstils hat sich geändert. Früher achtete ich immer darauf, mich dem Zeitgeist entsprechend zu kleiden. Doch seit Henry lebe ich meinen eigenen Stil. Ich fühlte mich super, mega, ultra cool, als ich mir mal einen weißen Daunenmantel zulegte. Die meisten würden so etwas nie anziehen, weil er Schmutz wie ein Magnet anzieht und schwer zu reinigen ist. Aber das war mir egal! Ich liebte diesen Mantel, und es ist kein Witz, wenn ich euch sage, dass mich jeder deswegen anstarrte. Das war irgendwie unangenehm, aber auch schön. Ich fühlte mich sehr attraktiv! Okay… Keine Ahnung, ob die Leute wirklich starrten oder ob ich mir diese Blicke nur einbildete.

Und mein Prinzip bezüglich des Älterwerdens. Ursprünglich war mein Ziel, mit sechzig Sterbehilfe zu bekommen. Mal ehrlich, ab diesem Alter geht es mit der Gesundheit schnell bergab, es sei denn, man hat Glück. Und ich kann eigentlich nicht mit dem Gedanken leben, auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein, weil ich zu krank sein könnte, um mich um mich selbst zu kümmern. In Deutschland ist Sterbehilfe zwar verboten, aber in anderen Ländern nicht. Doch je öfter ich diesen Gedanken durchspiele, desto mehr denke ich daran, dass ich mit sechzig vielleicht doch noch nicht sterben will – vor allem, wenn ich einen Mann an meiner Seite habe, dem ich so verfallen bin wie Henry.

Außerdem muss ich gestehen, dass ich seit Henry oft so handle, wie ich mich fühle. Leider nehme ich manchmal wenig Rücksicht auf andere, nur um meine Gefühle zu zeigen. Versteht ihr, was ich meine? Wenn ich mit dem falschen Fuß aufgestanden bin, zeige ich es den ganzen Tag über deutlich. Wenn ich wieder einen schönen Traum hatte, zeige ich mein Glück ebenfalls sehr deutlich den restlichen Tag über. Wenn mich etwas verärgert, lasse ich es jemanden in meiner Nähe spüren, genauso wie bei Fröhlichkeit. So habe ich es damals nie gehandhabt! Ehrlich… Dieser Mann verändert mich bis auf den letzten Knochen! Das kann Gutes, aber auch Schlechtes mit sich bringen.

Noch ein letztes Prinzip für euch: Ich verweigerte K-Pop-Musik, weil ich mich beeinflussen ließ, dass sie ja so furchtbar kindisch sei. Das änderte sich, wie ihr wisst! Ja, dummes Prinzip…

Und noch einmal zum Thema Gefühle zeigen. Oft, wirklich oft hatte ich kleine Aussetzer und musste einfach mal heulen. Immer wenn mir die Welt so vorkam, als würde man mich einfach loswerden wollen, schaltete ich bei der nächsten Gelegenheit the Witcher, die letzte Folge der ersten Staffel, ein, um einfach mal zu weinen. Einfach mal alles rauslassen.

Auch fing ich immer mehr an, Dinge anzusprechen, die mich belasteten, und machte mich somit angreifbar. Ich bemühte mich bis dahin immer, niemals für jemanden Angriffsfläche zu bieten, in keinem Thema. Ich war zwar schon immer offen und gesprächig, behielt jedoch stets gewisse Dinge für mich, um mich zu schützen.

Ebenso wurde ich immer ehrlicher zu mir selbst, womit ich lange Zeit brauchte, um darauf klar zu kommen. Ich musste mir so viel eingestehen, das war echt krass.

Dass ich mich in Henry verliebt hatte, verneinte ich schon gar nicht mehr. Nach wie vor konnte ich mich immer noch hineinsteigern, doch eine ganze Weile später fand ich heraus, dass all meine Gefühle ihm gegenüber echt waren. Ich musste auch lernen, mit der Veränderung meiner sexuellen Triebe zu leben. Ich kann euch die genauen Details meiner Träumerei gar nicht nennen, zu versaut sind sie. Doch die Angst, dass ich mich drücken würde, sollte es jemals so weit kommen, war dennoch da.

15.09.2022
Wild knutschend lagen Henry und ich auf einem großen Bett. Da er um einiges größer war als ich, bedeckte er meinen ganzen Körper mit seinem. Ich war hungrig nach ihm und wollte ihn überall berühren und schmecken, herausfinden, was ihm guttat. Und allem Anschein nach ging es ihm genauso. Er sah einfach unglaublich aus, in seinem grauen Shirt und der hellblauen Jeans.

Irgendwann übernahm ich jedoch die Kontrolle und rollte ihn unter mich. Langsam fuhr ich mit meiner Hand in seine Hose und zögerte einen Moment, als ich seine Mitte berührte. Ich sah ihn an und fragte, ob das okay wäre. Im selben Moment warf er den Kopf zurück und stöhnte laut. Ich lächelte. Das schien mein grünes Licht zu sein.

Also zog ich seine Hose noch ein Stück weiter runter, damit ich besser an ihn herankam. Dieser Penis war definitiv der schönste, den ich je gesehen hatte. Es ging mir nicht einmal um die Größe, so wie bei vielen anderen. Nein, für mich musste das Geschlechtsteil einfach nur gepflegt und sauber sein. Und das war er, definitiv. Dass er so viel Haar am ganzen Körper hatte, war mir auch egal. Was heißt egal, ich liebte es, es machte mich an!

Glaub mir, ich habe Freudensprünge gemacht, als ich aufwachte. Nach über einem Jahr träumte ich endlich von mehr als nur Knutscherei. Das war für mich ein absolutes Highlight! Ich kann mich noch ganz genau an die Bilder vor Augen erinnern, als ich diesen Traum träumte. Ich denke auch häufig daran, wenn ich mich selbst berühre. Und mal so unter uns… All die Orgasmen, die ich hatte, seit ich von Henry träume, waren mehr als überragend. Jeder einzelne war besser als der vorherige. Ich hätte nie gedacht, solche Orgasmen zu haben, und wünsche es jedem!

Die Gründe für einen Orgasmus können vielfältig sein. Mal reichte ein Bild vor Augen, mal ein Video von ihm, mal seine Stimme, mal ein Traum, manchmal auch nur eine Tagträumerei.

Es stellt sich nur die Frage:
Würde ich solche Gedanken oder Träume auch im realen Leben durchziehen, wenn er mir gegenüberstünde?

Ich arbeite täglich hart daran, euch diese Frage irgendwann einmal beantworten zu können. So etwas tatsächlich zu tun, erfordert auch wieder unglaublich viel Mut. Ich weiß nicht, ob ich diesen Mut je aufbringen könnte, sollte es zu so einem Moment kommen. Vielleicht würde ich aber all meine sexuellen Wünsche auch mit jemand ganz anderen erfüllen.
Coby erinnert mich auch stets gerne daran, meine Augen nicht zu verschließen, sollte mein Seelenverwandter schon vor mir stehen. Ich sollte dennoch offen sein für andere Männer. Leichter gesagt, als getan. Es gab durchaus ein paar Kunden im neuen Job, die mit mir flirteten und auch ausgehen wollten. Allerdings bemerkte ich es erst, als sie mich direkt darauf ansprachen und mich darauf hinwiesen, dass sie versuchten, mit mir zu flirten. Hmmm… War ich wirklich schon so geblendet von Henry, dass ich andere Männer gar nicht wahrnahm? Kann sein… Ich versuchte es zu ändern, fühlte mich aber irgendwie nicht wohl dabei. Ich kam mir vor, als würde ich Henry betrügen. Klingt jetzt total dumm, aber es kam mir wirklich so vor, obwohl wir uns nicht persönlich kannten oder je miteinander sprachen.

Ist es falsch, offen für andere Männer zu sein? Oder habe ich mit meinem Gefühl, dieser inneren Sirene, vielleicht recht?

 

 

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