07.05.2022
Ich war in der Stadt unterwegs, um mir neue Unterw├Ąsche zu kaufen, als ich bemerkte, dass eine kleine Kirmes stattfand. Um mein Ziel zu erreichen, musste ich durch den Rummel gehen. Pl├Âtzlich kam mir eine Gestalt entgegen, die mir sehr bekannt vorkam. Auf den ersten Blick sah sie aus wie Henry.
Auf den zweiten Blick wusste ich, es war Henry! Verdammt!

Ich ging zu ihm und bat ihn, mir eine Minute seiner kostbaren Zeit zu schenken. Zuerst wandte er sich von mir ab. Nach kurzem Z├Âgern kam er dann doch mit mir mit. Er schob einen Kinderwagen vor sich her und machte einen etwas genervten Eindruck.
Ich schaute in den Kinderwagen und traute meinen Augen kaum. Mein Sohn Teddy sa├č darin! Aber das konnte nicht sein. Teddy war zu Hause, und zu dieser Zeit machte er seinen Mittagsschlaf. Aber dieses Kind im Wagen sah ihm bis ins kleinste Detail ├Ąhnlich, als w├Ąren sie Zwillinge.
Ich bot Henry an, mit mir nach Hause zu kommen, damit er sich ausruhen konnte und meinen Sohn sehen konnte, da sie sich verbl├╝ffend ├Ąhnlich sahen. Henry stimmte zu, glaubte mir jedoch nicht. Nat├╝rlich nicht. Das w├Ąre auch mehr als ein Zufall gewesen.
Kaum waren wir zu Hause angekommen, wachte Teddy aus seinem Schlaf auf. Wir gingen zu ihm, und Henry konnte einfach nicht aufh├Âren, ihn anzustarren. Er war sprachlos.
„Ich sagte doch, sie sehen sich sehr ├Ąhnlich!“ sagte ich l├Ąchelnd. Henry nickte.

Nach diesem Traum beschloss ich schlie├člich, einen Traumdeuter um Rat zu fragen. Alle meine Tr├Ąume mit Henry hatten mich verr├╝ckt gemacht. Es schien unm├Âglich, dass sie keine Bedeutung hatten! Ich konnte und wollte das nicht glauben. Alles, was ich je getr├Ąumt hatte, hatte immer einen Sinn oder eine Ursache. Meine Tr├Ąume waren auch immer ziemlich intensiv gewesen, aber nie so unglaublich real wie die mit Henry.
Deshalb suchte ich nach M├Âglichkeiten, jemanden ├╝ber Facebook um eine Traumdeutung zu bitten. Ich wusste, dass das Internet nicht unbedingt die beste Wahl war, aber verdammt, ich wollte einfach nur Best├Ątigung daf├╝r, dass ich nicht v├Âllig verr├╝ckt geworden war wegen meiner Tr├Ąume!
Die erste Antwort auf meinen Beitrag, in dem genau dieser Traum beschrieben war, lautete:
„Hast du jemals ├╝berpr├╝ft, ob es ihn wirklich gibt? Vielleicht bist du ihm schon einmal begegnet, und sein Bild hat sich in dein Unterbewusstsein eingepr├Ągt. Das klingt nach dem Wunsch, ihn an deiner Seite zu haben, mit Kindern und so.“
Nat├╝rlich antwortete ich der Dame.

Ich schrieb zur├╝ck:
„Ja, er existiert. Und ich versuche schon seit einer Weile, Kontakt zu ihm aufzunehmen. Leider spielt er in einer ganz anderen Liga als ich, und er ist ziemlich schwer zu erreichen. Aber hey, nichts ist unm├Âglich, und ich bleibe definitiv dran.“

Sie antwortete mir: „Aus deinen Worten lese ich, dass du dich in ihn verliebt hast. Letztendlich h├Ąngt es immer vom Charakter der Person ab, ob sie auf Klassenunterschiede achtet oder nicht.“

Hmmmm…

Eine weitere Dame antwortete mir auf meinen Beitrag.
Sie schrieb:
„Der Mann ist die Stimme der Vernunft und des Verstandes in dir. Diese Stimmen retten uns, wenn wir zu emotional sind. Wenn die Gef├╝hle, die die st├Ąrkste Macht in uns darstellen, uns zu stark ├╝berw├Ąltigen, so dass sie uns sogar schaden, ist es immer wichtig, die Stimmen in uns zu h├Âren, die uns warnen und uns ermutigen, nicht alles nur aus emotionaler Sicht zu betrachten. Die Kinder sind die Ergebnisse davon. Jegliche Vorstellungen von Zukunft und W├╝nsche sowie neue Entwicklungen h├Ąngen davon ab, dass Verstand und Vernunft im Gleichgewicht mit Gef├╝hl und Emotionen leben. Das ist ein klassischer Animustraum. Die Kombination beider Anteile verleiht dir Kraft und Energie und erm├Âglicht es dir, Pl├Ąne und Zukunftsvisionen ohne St├Ârungen anzugehen. Obwohl sein Kind und dein Kind im Traum verschiedene Aspekte symbolisieren, sind sie miteinander verbunden in der Seele.“

Interessant… Ich lasse das mal so stehen!

Es gibt Menschen, die an solche Deutungen glauben, und es gibt Menschen, die alles anders betrachten. Ich kann beide Seiten absolut nachvollziehen! Ehrlich gesagt, w├╝rde ich, wenn ich nicht selbst all das durchmachen w├╝rde, auf der Seite stehen, die alles f├╝r Unsinn h├Ąlt.

Jeder hat triftige Gr├╝nde, warum und wieso er an eine der beiden Varianten glaubt.

Variante eins:

1. Wissenschaftliche Weltanschauung: Viele Menschen st├╝tzen sich auf wissenschaftliche Erkl├Ąrungen und Beweise, um Ph├Ąnomene zu verstehen. Sie glauben, dass Naturgesetze und logische Argumente ausreichen, um die Welt zu erkl├Ąren, und sehen keine Notwendigkeit f├╝r mystische oder unerkl├Ąrliche Ph├Ąnomene.

2. Erfahrung: Einige Menschen haben m├Âglicherweise pers├Ânliche Erfahrungen gemacht, die sie dazu veranlassen, nicht an Tr├Ąume und Wunder zu glauben. Wenn sie keinen ├╝bernat├╝rlichen oder unerkl├Ąrlichen Vorfall erlebt haben, kann dies ihren Glauben beeinflussen.

3. Religi├Âse ├ťberzeugungen: In einigen Religionen und Glaubenssystemen werden Tr├Ąume und Wunder als Teil des Glaubens betrachtet, w├Ąhrend in anderen Glaubensrichtungen eine n├╝chterne und rationale Weltanschauung gef├Ârdert wird. Der Glaube eines Menschen kann stark von seiner religi├Âsen Zugeh├Ârigkeit gepr├Ągt sein.

4. Bildung und Erziehung: Die Art und Weise, wie jemand erzogen und ausgebildet wurde, kann Einfluss darauf haben, ob er an Tr├Ąume und Wunder glaubt. In Umgebungen, in denen kritisches Denken und Skepsis gef├Ârdert werden, ist es wahrscheinlicher, dass Menschen weniger geneigt sind, an solche Konzepte zu glauben.

5. Mangel an Beweisen: Einige Menschen halten es f├╝r notwendig, konkrete Beweise f├╝r die Existenz von Tr├Ąumen und Wundern zu sehen, bevor sie daran glauben. Wenn sie keine ├╝berzeugenden Beweise finden, k├Ânnen sie skeptisch bleiben.

Variante zwei:

1. Spiritualit├Ąt und Religion: Viele Menschen finden ihren Glauben an Wunder und Tr├Ąume in ihrer spirituellen oder religi├Âsen Praxis. In verschiedenen Religionen gibt es Geschichten ├╝ber ├╝bernat├╝rliche Ereignisse und g├Âttliche Eingriffe, die den Glauben an solche Ph├Ąnomene f├Ârdern.

2. Hoffnung und Optimismus: Der Glaube an Wunder und Tr├Ąume kann eine Quelle der Hoffnung und des Optimismus sein. Menschen, die daran glauben, sehen oft das Potenzial f├╝r positive Ver├Ąnderungen und unerwartete Wendungen in ihrem Leben.

3. Pers├Ânliche Erfahrungen: Einige Menschen haben m├Âglicherweise pers├Ânliche Erfahrungen gemacht, die sie dazu veranlassen, an Tr├Ąume und Wunder zu glauben. Diese Erfahrungen k├Ânnten als Best├Ątigung f├╝r ihre ├ťberzeugungen dienen.

4. Kulturelle Einfl├╝sse: In einigen Kulturen und Gesellschaften sind Geschichten ├╝ber Wunder und Tr├Ąume tief verwurzelt. Diese kulturellen Einfl├╝sse k├Ânnen den Glauben an solche Ph├Ąnomene f├Ârdern.

5. Trost und spirituelle Erf├╝llung: Der Glaube an Wunder und Tr├Ąume kann f├╝r einige Menschen Trost und spirituelle Erf├╝llung bieten. Sie sehen diese Ph├Ąnomene als Zeichen von etwas Gr├Â├čerem und Bedeutsamerem in ihrem Leben.

6. Kreativit├Ąt und Fantasie: Menschen, die an Wunder und Tr├Ąume glauben, haben oft eine reiche Vorstellungskraft und sch├Ątzen die Kraft von Tr├Ąumen und Fantasie, um ihre Ziele und W├╝nsche zu verwirklichen.

7. Lebenskrise und Hoffnung: In Zeiten pers├Ânlicher Krisen oder Schwierigkeiten k├Ânnen Menschen verst├Ąrkt an Wunder und Tr├Ąume glauben, um Hoffnung und Trost zu finden. Der Glaube an unerwartete Wendungen zum Besseren kann in solchen Momenten besonders stark sein.

8. Gemeinschaft und soziale Bindungen: Der Glaube an Wunder und Tr├Ąume kann in Gemeinschaften oder sozialen Gruppen gef├Ârdert werden, in denen solche Vorstellungen geteilt werden. Der gemeinsame Glaube kann soziale Bindungen st├Ąrken.

9. K├╝nstlerische und kreative Ausdrucksformen: K├╝nstler, Schriftsteller und Kreative finden oft Inspiration in der Idee von Wundern und Tr├Ąumen. Diese Vorstellungen k├Ânnen dazu beitragen, Kunstwerke und kreative Werke zu schaffen.

10. Motivation und Zielsetzung: Der Glaube an Wunder und Tr├Ąume kann Menschen motivieren, ihre Ziele zu verfolgen und Hindernisse zu ├╝berwinden. Wenn sie glauben, dass unerkl├Ąrliche Erfolge m├Âglich sind, sind sie eher bereit, Herausforderungen anzunehmen.

11. Geschichtenerz├Ąhlung und Folklore: In vielen Kulturen gibt es reiche Geschichtenerz├Ąhlungen und Folkloren ├╝ber Wunder und ├╝bernat├╝rliche Ereignisse. Diese Geschichten k├Ânnen den Glauben an solche Ph├Ąnomene f├Ârdern.

12. Psychologischer Trost: Der Glaube an Wunder und Tr├Ąume kann psychologischen Trost bieten, indem er Menschen das Gef├╝hl gibt, dass sie Teil von etwas Gr├Â├čerem sind und dass das Universum einen Plan f├╝r sie hat.

Puh… Ich bin eindeutig zur zweiten Variante mutiert. Aber ich kann die erste Variante auch sehr gut nachvollziehen. Ich habe noch nie wirklich an einen Gott geglaubt. Selbst w├Ąhrend meiner Konfirmation, die ich hinter mich gebracht habe, hat mich das ├╝berhaupt nicht interessiert! W├Ąhrend des Unterrichts war ich eher damit besch├Ąftigt, alles zu veralbern, was der Pastor von sich gab. Klar, mein Verhalten war nicht gerade vorbildlich, aber so war ich eben, wenn mich etwas ├╝berhaupt nicht interessierte!

Im Laufe der Zeit wurde mir jedoch klar, dass es definitiv eine h├Âhere Macht da oben geben musste. Aber ob es ein Gott war, daran zweifelte ich noch eine ganze Weile. Doch seit dem, was mit Henry passiert ist, war ich mir nicht mehr so sicher, dass es keinen speziellen Gott gab. Ich war nie der Typ, der zu einer bestimmten Person betete, aber oft genug bat ich jemanden da oben um Hilfe. Wer genau mir half, kann ich immer noch nicht beantworten. Irgendjemand da oben wusste von meinem Schicksal und w├╝rde mich auf den richtigen Weg f├╝hren.

Seit Henry dachte ich auch hin und wieder, dass irgendjemand da oben mich besonders lieb hat. Manchmal erf├╝llten sich sogar die kleinsten W├╝nsche unmittelbar nach dem Gebet. Keine Ahnung, wie ihr alle das seht, aber jeder hat seine Gr├╝nde, warum er Dinge auf seine eigene Weise betrachtet!

Auf jeden Fall f├╝hlte ich mich nach der Deutung ├╝ber Facebook ein wenig sicherer, dass Henry und ich irgendwie verbunden sind. Aber ich wusste beim besten Willen einfach nicht, wie! Ich konnte mir noch so viele Szenarien ausmalen, sowohl positive als auch negative, aber diese Frage blieb unbeantwortet. Aber gut, wie sollte sie auch beantwortet werden, wenn ich ihn immer noch nicht pers├Ânlich getroffen habe!

Meine Zeit wird kommen…

Jetzt mal zum neuen Job im amerikanischen Lebensmittel- und Non-Food-Laden!
Die ersten Wochen im neuen Job waren anstrengend, aber wirklich sch├Ân. Ihr habt keine Ahnung, wie gl├╝cklich und stolz ich war, endlich wieder richtig zu arbeiten. Okay, zwar nur halbtags, aber das reichte mir f├╝r den Anfang. Ich wollte und konnte noch nicht Vollzeit arbeiten, aufgrund meiner immer noch fragilen Psyche.

Fr├╝her war ich ein totaler Workaholic. An freien Tagen suchte ich mir allerlei Aufgaben, nur damit ich nicht stillsitzen musste. Ich hatte st├Ąndig Hummeln im Po! Selbst w├Ąhrend meiner Pausen auf der Arbeit versuchte ich, nicht zu lange zu sitzen. Ehrlich gesagt, wurde ich dann einfach nur m├╝de. Und wenn ich m├╝de wurde, war ich danach nur noch halb so engagiert bei meiner Arbeit. Ich liebte es, in Bewegung zu sein.

Aber nachdem ich krank wurde, ├Ąnderte sich das. Ich schwor mir, in Zukunft auf meinen K├Ârper zu h├Âren und ihm Pausen zu g├Ânnen, wenn n├Âtig, anstatt mich zum Arbeiten zu zwingen. Denn genau das hatte ich viele Jahre lang falsch gemacht, genauso wie viele andere auch.

Es gibt zwei Arten von Arbeitnehmern.
Es gibt die eine Art Arbeitnehmer, die niemals fehlt, sei es aus Scham, Angst oder aus anderen Gr├╝nden. Und dann gibt es diejenigen, die permanent krankgeschrieben sind, egal ob sie tats├Ąchlich krank sind oder nur ein paar freie Tage haben wollen.

Ich geh├Ârte zu dem Ersten. Ganz ehrlich… Ich hatte keine Ahnung, warum. War es die Furcht vor beruflichen Konsequenzen? Die Angst vor fehlender Vertretung? Die Sorge vor Stigmatisierung? Ich wei├č es nicht, aber vermutlich lagen diese Dinge genau daran. Doch liebe Leute, niemand wird es euch danken, wenn ihr krank zur Arbeit geht. Niemand wird sich daran erinnern, wie viele Arbeitstage ihr anwesend wart und wie viele ihr gefehlt habt. Merkt euch das!
Dennoch ging ich oft zur Arbeit, obwohl mein K├Ârper dringend Erholung ben├Âtigte. Letztendlich zwang mich mein K├Ârper irgendwann zur Erholung.
Mit der Zeit begann ich also mehr auf meinen K├Ârper zu h├Âren. Allerdings musste ich lernen, zwischen Symptomen zu unterscheiden, die von meiner Psyche kamen, und solchen, die es nicht taten.
Alle, die stark unter ihrer Psyche leiden, wissen genau, wovon ich spreche. Die Psyche kann einen Menschen auf furchtbare Weise austricksen. Viele, wirklich sehr viele, haben dann psychosomatische Beschwerden.
Zur Info: Psychische Krankheiten k├Ânnen sich in Form von k├Ârperlichen Symptomen manifestieren, die oft als psychosomatische Beschwerden bezeichnet werden. Dazu geh├Âren Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Schlafst├Ârungen und andere k├Ârperliche Probleme, die auf psychische Ursachen zur├╝ckzuf├╝hren sind.

Bis ich mir das eingestehen konnte, hat es eine Ewigkeit gedauert. Meistens litt ich also unter psychosomatischen Beschwerden. St├Ąndig und andauernd hatte ich Magen- und Darmprobleme, die mir extrem zu schaffen machten. Sobald ich auch nur ein kleines, merkw├╝rdiges Zwicken im Bauchbereich versp├╝rte, bildete ich mir sofort ein, ich h├Ątte einen Virus und m├╝sste mich ├╝bergeben. Ich steigerte mich ungewollt sofort in diese Situation hinein und brauchte zwischen zwanzig Minuten bis zu einem halben Tag, bis ich wieder klar im Kopf wurde. Es ist wirklich nicht einfach, damit umzugehen, da stimmen mir viele zu. Nat├╝rlich gibt es professionelle Hilfe f├╝r so etwas, die jeder in Anspruch nehmen kann. Man muss nur Kontakt aufnehmen!

Doch seit einer Weile bekam ich meine Probleme ziemlich gut im Griff, ihr wisst ja warum… So dachte ich also, ich k├Ąme wunderbar alleine damit zurecht und br├Ąuchte keine Therapie.

Durch den neuen Job gab es auch neue Herausforderungen. Neue k├Ârperliche T├Ątigkeiten, an die ich mich erst einmal gew├Âhnen musste. Pl├Âtzlich wieder mehr zu arbeiten, war eine riesige Umstellung. Aber auch das meisterte ich mit W├╝rde! Selbst wenn ich mittlerweile sehr regelm├Ą├čig Sport trieb, war die Arbeit eine ganz andere Art von Anstrengung.

In der ersten Zeit explodierte mein Kopf, weil ich sehr viele Dinge schnell lernen musste. Das w├Ąre eigentlich v├Âllig unn├Âtig gewesen, h├Ątte mein Arbeitgeber ein wenig mehr Geld und Gehirn in das Kassensystem sowie das ganze Ladensystem gesteckt. Manchmal kann man es sich deutlich komplizierter machen, als n├Âtig! Aber gut, ich musste da durch. Ich lernte alles Notwendige, denn dumm war ich ja nicht!
Dieser tolle Laden befand sich bisher erst am Anfang seiner Karriere. Kaum war ich eingestellt, hatte ich massig Ideen, wie man einige Dinge verbessern k├Ânnte, um es f├╝r alle Seiten einfacher zu gestalten. Doch meine Ideen mussten vorerst warten, da es in der Probezeit ratsam war, sich nicht zu sehr in den Vordergrund zu dr├Ąngen. Es war besser, die ersten sechs Monate abzuwarten, bevor ich mit all meinen Verbesserungsvorschl├Ągen herausr├╝ckte. Schlie├člich wollte ich nicht, dass sie denken, ich halte sie f├╝r inkompetent, weil sie nicht selbst auf solche Ideen gekommen sind.

Schon nach wenigen Wochen hatte ich mein erstes richtiges Kundengespr├Ąch. Ihr m├╝sst wissen, dass in diesem Laden Kundengespr├Ąche ganz anders gef├╝hrt werden als in den Gesch├Ąften, die ihr kennt! Normalerweise wird von Anfang an geduzt, was die Atmosph├Ąre oft, meiner Meinung nach, sympathischer macht. Daf├╝r muss man einfach ein gewisses Gesp├╝r daf├╝r haben, mit wem man duzen kann und wen man besser siezt. Ich kann euch diese Art von Kundengespr├Ąchen nicht genau erkl├Ąren. Es f├╝hlte sich meistens an, als w├╝rde man sich mit einem Freund unterhalten. Dieses spezielle Verh├Ąltnis zu den Kunden ist eines der Dinge, die den Laden so einzigartig machen. Ich habe es geliebt!

Wenn man den Laden betritt, hat man das Gef├╝hl, in eine andere Welt einzutauchen. Bunter, lauter, fr├Âhlicher! Ich pflegte zu sagen: „Hier ist es nicht so deprimierend wie im Supermarkt nebenan!“ Und genau das meinte ich auch. Allein die Musik, die wir abspielen durften. Am liebsten lie├č ich die Musik der 90er Hip-Hop-Szene laufen. Ja, grunds├Ątzlich konnten wir selbst entscheiden, welche Musik gespielt wurde.

Die Kunden, mit denen ich mein erstes richtiges Gespr├Ąch f├╝hrte, waren zum ersten Mal in diesem Gesch├Ąft. Sie hatten immer wieder von anderen geh├Ârt, wie gro├čartig der Laden sei, und wollten sich endlich selbst davon ├╝berzeugen.
Nach ihrem Gespr├Ąch mit mir waren sie so begeistert, dass sie sogar dachten, dass mir der Laden geh├Ârte. Sie dachten tats├Ąchlich, ich sei die Inhaberin!! Habt ihr eine Ahnung, wie viel mir das bedeutete? Ich dachte, endlich hatte ich richtig Erfolg und mein Flei├č wurde anerkannt! Nat├╝rlich kl├Ąrte ich sie auf, aber sie wollten es mir nicht so recht glauben. Ich war so unfassbar stolz auf mich, dass ich danach st├Ąndig ein L├Ącheln im Gesicht hatte!
Zu meiner ├ťberraschung waren sie nicht die einzigen, die dachten, dass mir alles geh├Ârte. Tats├Ąchlich waren viele Kunden fest davon ├╝berzeugt und hielten mich f├╝r ver├Ąppelnd, als ich es abstritt! Jedes Mal, wenn so etwas passierte, war es eine wahre Wohltat f├╝r meine Seele.
Und ganz ehrlich, Leute, ich habe keinen einzigen Kunden oder Kundin erlebt, die schlecht gelaunt in diesen Laden kam oder ihn mit schlechter Laune verlie├č. Manchmal hatte ich das Gef├╝hl, es lag an mir. Eigentlich konnte ich jeden Einzelnen gl├╝cklich machen. Gut zu verkaufen lag schon immer in meiner Natur!

Fr├╝her, etwa in der achten oder neunten Klasse, hatten wir einen kleinen Stand auf dem Weihnachtsmarkt. Dort verkauften wir gebrannte Mandeln und Punsch. Meine Lehrerin war begeistert von meinem Verkaufstalent. Es bereitete mir einfach sehr viel Spa├č, und ich habe nie jemandem etwas verkauft, von dem ich nicht selbst ├╝berzeugt war. Das kann jedoch auch eine Schw├Ąche sein. Bei mir merkt man deutlich, wenn ich ein Produkt nicht gut finde, aber es weiterempfehlen soll.
So lief es auch in meiner abgebrochenen Ausbildung im Schuhladen. Ich wurde dazu gedr├Ąngt, Schuhsohlen zu verkaufen, von denen meiner Meinung nach totaler M├╝ll waren. Nat├╝rlich habe ich sie alle zuerst selbst getestet! Es gab nur wenige, von denen ich selbst ├╝berzeugt war, also habe ich diese am meisten verkauft. Das gefiel meiner damaligen Chefin jedoch nicht besonders, weil meine ausgew├Ąhlten Sohlen nicht genug Gewinn abwarfen.
Manchmal sind g├╝nstige Dinge eben besser als teure… Das ist meine Meinung! Aber niemand konnte meine Einstellung ├Ąndern. Ich machte weiterhin, wie ich es f├╝r richtig hielt, und bisher bin ich damit deutlich besser zurechtgekommen, als mich zu verstellen.

Wie dem auch sei, es war erstaunlich, wie sehr ich mich entwickelte, nachdem ich im amerikanischen Laden angefangen hatte zu arbeiten. Nat├╝rlich verlor ich mein urspr├╝ngliches Ziel nicht aus den Augen, aber manchmal r├╝ckte es etwas in den Hintergrund, denn es kam mir immer noch ziemlich absurd vor. Zwischendurch hegte ich die leise Hoffnung, diesen ganzen Wirrwarr vergessen und verdr├Ąngen zu k├Ânnen und einfach nach echter Ablenkung zu suchen. Schlie├člich konnte ich meine Gef├╝hle f├╝r Henry immer noch als Einbildung abtun! Solange ich ihm nicht pers├Ânlich begegnete und meine Gef├╝hle sich anders entwickelten als erwartet, war noch nichts in Stein gemei├čelt.

Bevor ich mich f├╝r die Verkaufsposition bewarb, hatte ich dieses dr├Ąngende Gef├╝hl in mir, dass ich unbedingt dort arbeiten musste. Es f├╝hlte sich an, als h├Ątte ich eine wichtige Aufgabe zu erf├╝llen – das beschreibt das Gef├╝hl am besten, denke ich. Aber ich hatte keine Ahnung, um welche Aufgabe es sich handelte. Ab und zu gab es Momente, in denen ich dachte: „Aha, also das ist es, was ich tun soll!“ Aber dieses Zeichen verschwand schnell wieder. Einmal war ich der Meinung, dass meine Aufgabe darin bestand, meine Kollegin zu sch├╝tzen und ihr den Weg zu weisen.
Wir waren drei Mitarbeiterinnen: eine Vollzeitkraft und zwei Teilzeitkr├Ąfte. Mit der Vollzeitkraft, die seit der Er├Âffnung angestellt war, kam ich nicht sonderlich gut zurecht. Ich mochte sie einfach nicht, und es gab keinen einzigen Aspekt, den ich sympathisch fand. F├╝r mich war sie die Verk├Ârperung von Heuchelei, und nichts konnte mich vom Gegenteil ├╝berzeugen.
Daneben gab es noch die andere Teilzeitkraft neben mir, eine h├╝bsche, zierliche Frau, die nicht perfekt Deutsch sprach (nennen wir sie Lisa). Ich mochte sie von der ersten Sekunde an sehr gern und half ihr, wo immer es m├Âglich war. Sie war die Art Frau, die oft den Mund nicht aufbekam, um Dinge anzusprechen, die sie belasteten oder ver├Ąrgerten, insbesondere was die Arbeit betraf. Sie hatte st├Ąndig Angst vor Konsequenzen, wenn sie Kl├Ąrungsbedarf hatte. Sie war das absolute Gegenteil von mir.
Wie fr├╝her in meiner abgebrochenen Ausbildung setzte ich mich f├╝r die Schw├Ącheren ein. Ich f├╝hlte mich irgendwie verantwortlich f├╝r sie. Lisa war so unbeholfen, und ich verstand sie, da ich auch einmal so war. Damals h├Ątte ich mir auch jemanden gew├╝nscht, der mir in allem zur Seite stand. Eines verband uns beide zus├Ątzlich: Wir konnten beide die Vollzeitkraft nicht ausstehen. Also ├╝berzeugte ich sie davon, dass wir beide eine viel bessere Arbeit leisteten als die, die von Anfang an dabei war. Ich wies ihr Aufgaben zu, wof├╝r sie Lob bekam, und ich gab ihr Tipps und Tricks, die mir selbst oft geholfen hatten.
Nach einer Weile erhielt sie endlich die Anerkennung, die sie verdiente, genauso wie ich. Ich hatte wirklich viele Ideen, wie man Dinge umbauen oder umgestalten konnte, um sie ansprechender zu gestalten. Ich konnte viele meiner Talente einbringen, was mich gl├╝cklich machte. Alles, was das Design betraf, wurde sp├Ąter immer meine Aufgabe. Ich wusste genau, wie man etwas in Szene setzte!

Durch diesen Job fand ich einen Ausgleich, den ich schon lange nicht mehr hatte. Ich steckte mein ganzes Herzblut in meine Arbeit und bem├╝hte mich immer, sie zur vollen Zufriedenheit zu erledigen. Auch mit dem Chef kam ich sehr gut klar. Der gesamte Laden schien zu sch├Ân, um wahr zu sein.
Es war zudem bemerkenswert, dass alle Angestellten M├╝tter waren. Oft genug wurde ich bei Jobs abgelehnt, weil ich Mutter war. Aber was niemand verstand, war, dass ich gezielt nach einem Job suchte, den ich nachmittags aus├╝ben konnte. Zu dieser Zeit war Ean zuhause und ├╝bernahm die Kinderbetreuung, was bedeutete, dass ich aufgrund von Krankheit des Kindes niemals ausfallen w├╝rde.
Es war eine Einstellung, die schwer abzulegen war, diese Idee, dass man immer auf der Arbeit sein musste. Aber es war nicht so einfach, diese Einstellung loszuwerden.

Dieser Job gab mir auch Hoffnung darauf, in ihm gl├╝cklich zu werden. Schlie├člich waren alle M├╝tter, und jeder verstand, wie es war, wenn das Kind krank wurde oder die Kita geschlossen hatte. Versteht ihr, was ich meine? Niemand stempelte mich aufgrund meines Kindes ab, und das war sch├Ân zu h├Âren.
Zus├Ątzlich beeindruckte mich die Menge an Ware, von der ich nicht einmal wusste, dass sie existierte. Meine G├╝te, habt ihr euch jemals amerikanische S├╝├čigkeiten angesehen oder probiert? Ihr solltet es unbedingt versuchen!
Nat├╝rlich konnte ich mein Verlangen nach solchen Leckereien nicht z├╝geln und kaufte hin und wieder Kleinigkeiten. Alle Produkte waren so wunderbar s├╝├č und ungesund! Deutsche S├╝├čigkeiten waren mittlerweile so ver├Ąndert worden, dass kaum noch etwas ungesundes drin war. Aber ehrlich gesagt, genau das macht S├╝├čigkeiten aus. Sie m├╝ssen absolut ungesund sein, sonst schmecken sie nicht richtig! Ich probierte auch Cornflakes. Es waren kleine s├╝├če Bl├╝mchen, die unglaublich s├╝├č schmeckten. Sie erinnerten mich stark an Froot Loops, als sie damals auf den Markt kamen. Ich kann sie also nur empfehlen, genauso wie viele andere Produkte aus dem Laden.

Von all den neuen Erfahrungen nahm ich deutlich weniger Tabletten ein. Ich war zu sehr mit meinem neuen Job besch├Ąftigt, um mich in ├ängsten und Panik zu verlieren. Aber wenn die Panikattacken kamen, dann waren sie heftig. Es gab vereinzelte Tage, an denen ich mich krankmeldete, weil ich kaum von der Toilette herunterkam. Das war wirklich belastend. Ich hatte doch so viel Fortschritt gemacht, warum hatte ich trotzdem noch solche Aussetzer?

Immer wenn ich einen R├╝ckschlag erlebte, versuchte ich, mich mit positiven Gedanken abzulenken. Meistens half das auch. Ich erlebte so viele sch├Âne Dinge im vergangenen Jahr, und ein ganz besonderer Mann stand an meiner Seite.
Zwischendurch erinnerte ich mich an die Premiere der zweiten Staffel von the Witcher zur├╝ck. Als ich ihn sah, sp├╝rte ich, dass es ihm nicht so gut ging, wie er es zeigte. Irgendwie l├Âste das bei mir wochenlang anhaltende Gedanken aus, die ich nicht abstellen konnte.

20.05.2022
Ich stand an einem Bahnhof und war auf dem Weg zu Henry. W├Ąhrend ich auf den Zug wartete, kamen lauter verr├╝ckte Leute auf mich zu. Es schien, als w├Ąren sie meine Freunde oder zumindest kannten sie mich und ich kannte sie auch. Im Zug brabbelten sie wirres Zeug und machten Bl├Âdsinn. Ich hielt mich etwas abseits, hob dauerhaft eine Augenbraue und fragte mich, wie man so dumm sein konnte, aber ich l├Ąchelte trotzdem.
Nach einer Weile kam ich am Ziel an und suchte nach Henry. Als ich ihn fand, fiel ich in seine Arme und sp├╝rte, dass es ihm nicht gut ging. Wir gingen in einen Park, wo wir ein wenig Ruhe f├╝r uns hatten. Ich kuschelte mich an seine Schulter. Irgendwann fiel mir auf, dass er mit seiner rechten Hand eine kleine Packung Tabletten spielte.
Ich nahm ihm die Tabletten weg und fragte, was das war, ob er sie einnahm, und versuchte die Buchstaben darauf zu entziffern. Ich las sie mit etwas Witz vor, um ihm ein L├Ącheln zu entlocken, aber eigentlich machte ich mir Sorgen. Er lachte, aber beantwortete meine Fragen nicht. Die Packung sah aus wie Schmerzmittel, doch sicher war ich mir nicht. Ich gab sie ihm zur├╝ck und schmiegte mich wieder an ihn. Ein sehr ungutes Gef├╝hl beschlich mich. Etwas stimmte nicht, aber er wollte nicht dar├╝ber sprechen.

Ich tr├Ąumte sogar davon, dass er ein Leiden hatte, das er nicht preisgab. Gott, ich wollte ihm so unbedingt helfen! Aber wie? Und vor allem, stimmte mein Gef├╝hl ├╝berhaupt?

Eins m├╝sst ihr wissen, selbst wenn ich eine Person auf den Tod nicht ausstehen kann, wenn es ihr sehr schlecht geht, helfe ich! Ich will nicht behaupten, dass ich ein gutes Herz habe, aber ich habe ein gutes Herz! Ich liebe es zu helfen, egal in welchem Anliegen, vorausgesetzt, die Person verdient es!
Es gibt Situationen, in denen ich nicht einsehe, auch nur einen Hauch Hilfe zu leisten. In solchen Momenten m├Âchte meine b├Âse Seite einfach, dass die betreffende Person alleine klarkommen muss und leidet. Aber manchmal gibt es Ausnahmen, in denen ich sofort zur Seite stehe, sei es bei einem Verlust in der Familie, einem ungerechten Chef, falschen Freunden, unf├Ąhigen ├ärzten oder einem aktuellen Schwarm. Egal bei was.
Normalerweise gebe ich gerne Ratschl├Ąge und teile Dinge, die mir geholfen haben, um anderen zu helfen. Manchmal erweisen sich meine Weisheiten als hilfreich, ob man es glaubt oder nicht!
Ich selbst aber nehme Hilfe nur sehr selten an. Ich m├Âchte euch einige Beispiele nennen, warum ich oder auch andere nur ungern Hilfe annehmen:

1. Stolz und Unabh├Ąngigkeit: Einige Menschen sind sehr stolz und unabh├Ąngig und bevorzugen es, ihre Probleme alleine zu bew├Ąltigen, anstatt auf Hilfe angewiesen zu sein. Sie k├Ânnten die Vorstellung ablehnen, dass sie Unterst├╝tzung ben├Âtigen.

2. Angst vor Abh├Ąngigkeit: Manche Menschen haben Angst davor, abh├Ąngig von anderen zu werden, wenn sie Hilfe annehmen. Sie m├Âchten ihre Selbstst├Ąndigkeit und Unabh├Ąngigkeit bewahren und bef├╝rchten, dass Hilfe sie schw├Ącht.

3. Scham und Stigma: In einigen F├Ąllen k├Ânnten Menschen sich sch├Ąmen, wenn sie Hilfe in Anspruch nehmen m├╝ssen. Sie k├Ânnten bef├╝rchten, von anderen beurteilt oder gestigmatisiert zu werden.

4. Mangelnde Einsicht: Es gibt Situationen, in denen Menschen m├Âglicherweise nicht erkennen, dass sie Hilfe ben├Âtigen. Sie k├Ânnten ihre eigenen Bed├╝rfnisse oder Herausforderungen minimieren oder leugnen.

5. Misstrauen: Ein Mangel an Vertrauen in die Angebote von Hilfe oder die Personen, die Hilfe anbieten, kann dazu f├╝hren, dass Menschen Hilfe ablehnen. Sie k├Ânnten bef├╝rchten, dass Hilfe mit Bedingungen oder Erwartungen verbunden ist.

6. Sorge um die Unannehmlichkeiten f├╝r andere: Einige Menschen wollen keine Hilfe annehmen, weil sie bef├╝rchten, dass dies zu Unannehmlichkeiten f├╝r die Helfenden f├╝hren k├Ânnte. Sie m├Âchten andere nicht belasten.

6. Wunsch nach Autonomie: Menschen k├Ânnten einen starken Wunsch nach Autonomie und Kontrolle ├╝ber ihr Leben haben, und die Annahme von Hilfe k├Ânnte diesem Wunsch entgegenstehen.

7. Glaube an die Selbstl├Âsung: Einige Menschen sind der Meinung, dass sie ihre eigenen Probleme besser l├Âsen k├Ânnen als andere. Sie k├Ânnten der Ansicht sein, dass sie die n├Âtigen F├Ąhigkeiten und Ressourcen haben, um Herausforderungen zu bew├Ąltigen.

8. Fehlende Kenntnis von verf├╝gbaren Hilfsangeboten: Manchmal sind Menschen nicht ausreichend informiert ├╝ber die verf├╝gbaren Unterst├╝tzungs- und Hilfsangebote, was dazu f├╝hren kann, dass sie keine Hilfe in Anspruch nehmen.

9. Psychologische Barrieren: In einigen F├Ąllen k├Ânnten psychologische Faktoren wie Angst, Depression oder Misstrauen gegen├╝ber anderen die Bereitschaft zur Annahme von Hilfe beeinflussen.

Zu den meisten Punkten kann ich euch sagen, dass ich grunds├Ątzlich einfach schlechte Erfahrungen gemacht habe, wenn mir jemand geholfen hat. Bisher erwarteten fr├╝her oder sp├Ąter viele von mir, dass ich ihnen einen gro├čen Gefallen erweise oder die F├╝├če k├╝sse, nur weil ich ihre Hilfe angenommen habe oder darum gebeten habe. Ich hasse so etwas! Ich bin ein Mensch, der ohne Gegenleistung Hilfe leistet und verstehe nicht, wie man aus anderen Gr├╝nden hilft oder Dinge daf├╝r erwartet!
Wenn ich jemanden um Hilfe bitte, komme ich mir oft vor wie ein kleines L├Ąmmchen, das keine Ahnung von Tuten und Blasen hat. Aber so will ich nicht r├╝berkommen! Ich musste bisher so gut wie alles irgendwie alleine schaffen, wegen all dieser Punkte. Es war und ist f├╝r mich immer sehr schwer, um Hilfe zu bitten oder sie anzunehmen. Ich habe keine Ahnung, wann ich diese Einstellung ├Ąndern werde.

Apropos HilfeÔÇŽ Insgeheim versuchte ich Pl├Ąne zu schmieden, wie ich mit Hilfe des amerikanischen Ladens n├Ąher an Henry herankommen k├Ânnte. Dieser Laden wurde oft genug im Fernsehen erw├Ąhnt, und der Inhaber wurde immer wieder zu Galas und Events eingeladen. Ich stellte mir also vor, mich so gut anzustellen, dass ich irgendwann dabei sein k├Ânnte. Nat├╝rlich interessierte es mich immer brennend, wenn wieder ein neues Event anstand, und dementsprechend fragte ich den Chef mit allerlei Fragen aus. Ich wollte wissen, wie es in der h├Âheren Gesellschaft abl├Ąuft.

Letztendlich musste ich solche Dinge einfach in Erfahrung bringen, da mir so etwas auch bevorstehen w├╝rde, wenn ich Henry begegnen sollte. Ich musste mich schlie├člich ein wenig auskennen, wie man sich bei solchen Anl├Ąssen verh├Ąlt, was man anzieht, wie man spricht und so weiter. Ja, ich habe mir viele Gedanken ├╝ber solche Dinge gemacht. Aber versteht ihr mich, warum?

Irgendwann kam mir eine Idee, die ich dann aber recht schnell wieder verbannte. Ich dachte daran, dass Henry mit der Firma ÔÇ×No 1 BotanicalsÔÇť zusammenarbeitete, die pflanzliche Getr├Ąnke anbot, die gut f├╝r den K├Ârper waren. Er selbst trank diese Getr├Ąnke auch gerne. Allerdings konnte ich mir bisher keine dieser angebotenen Getr├Ąnke leisten. Aber wenn ich bald mit meinem neuen Gehalt mehr Geld zur Verf├╝gung hatte, w├╝rde ich mir mit Sicherheit eine Flasche kaufen!

In meiner Fantasie entwickelte ich die Idee, meinen Chef im neuen Job dazu zu ├╝berreden, einige Produkte von No 1 Botanicals zu bestellen und in unserem Laden anzubieten. Falls mein Chef mit der Firma in Kontakt treten w├╝rde, k├Ânnte ich vielleicht die Vermittlerin spielen und so auf irgendeine Weise Kontakt zu Henry herstellen.
Aber dieser Plan schien mir schlie├člich zu unrealistisch. Warum sollte mein Chef auf so etwas anspringen? Also verbannte ich diese merkw├╝rdige Idee schnell wieder.

21.06.2022
Zusammen mit Ean und Teddy war ich im Wald spazieren. Pl├Âtzlich kamen uns zwei ├Ąu├čerst merkw├╝rdige Katzen entgegen. Sie waren beinahe so gro├č wie ich, pechschwarz, sehr schlank und elegant, mit leuchtend gelben Augen. Offensichtlich geh├Ârten sie jemandem, da sie Halsb├Ąnder trugen, aber es waren keine Besitzer weit und breit zu sehen. Wir gingen einfach weiter, in der Annahme, dass sie bald zur├╝ckgehen w├╝rden.

Als wir den Wald verlie├čen, sahen wir alle zwanzig Meter Baustellen. An den Z├Ąunen der Baustellen hingen riesige Plakate. Auf diesen Plakaten war ein Bild von Henry und Informationen ├╝ber No1 Botanicals, das Unternehmen, mit dem er zusammenarbeitete. Offenbar wurden an jeder Baustelle Felder oder Gesch├Ąfte gebaut, die Henry in Auftrag gegeben hatte.

Mein stolzes Grinsen konnte ich kaum verbergen. Heimlich wollte ich ein Foto f├╝r meine Freundin Nicki machen, um es ihr zu zeigen, aber Ean beobachtete mich. Henry hatte es geschafft, er konnte endlich einen Beitrag zur Welt leisten, und ich war unglaublich stolz auf ihn.

Die Firma No 1 Botanicals war in Deutschland noch nicht wirklich bekannt. Aber die Vorstellung, dass dieser Hype hier beginnen w├╝rde, und dass ich vielleicht mit meiner verr├╝ckten Idee daran beteiligt war! GottÔÇŽ Mein Kopfkino!

26.06.2022
Ein Traum, 3 Szenarien.

Szenario 1:
Ich stand wieder am Bahnhof, auf dem Weg zu Henry. Der Bahnhof sah aus wie einer aus New York, so wie er in Filmen zu sehen war – brechend voll und sehr laut. Ich sah mich st├Ąndig um, weil ich von jemandem verfolgt wurde und nicht gesehen werden wollte.
Ein kleiner Junge, etwa 10 Jahre alt, kam auf mich zu gerannt und bat um Hilfe. Ohne gro├č nachzudenken, reagierte ich sofort. Ich gab ihm meinen Mantel und nahm ihn in den Arm. Er schien sehr zu frieren, schlie├člich hatten wir Minusgrade, und er trug blo├č einen Pullover. Suchend sah ich mich nach jemandem um, der m├Âglicherweise zu ihm geh├Ârte, doch fand niemanden. Was war mit dem Jungen passiert, dass er ohne Jacke und alleine an einem Bahnhof herumlief?
Der Zug fuhr ein, und alle dr├Ąngten sich hinein. Panisch sah ich mich um. Ich hasse Gedr├Ąnge. Dann sah ich einen Mann in der Menschenmenge, der mir sehr bekannt vorkam. Er stand einfach nur da und r├╝hrte sich kein St├╝ck. Es war Henry. Er schien jemanden zu suchen. Unsere Blicke trafen sich, und pl├Âtzlich stand die Welt still. Ich blendete alles um mich herum aus und sah nur noch ihn. Ich versuchte zu ihm zu laufen, doch kam nicht durch die Masse. Tr├Ąnen stiegen mir in die Augen, Tr├Ąnen der Angst und der Freude. Angst, ihn nicht rechtzeitig zu erreichen, und Freude, weil ich ihn endlich gefunden hatte. Henry l├Ąchelte mich liebevoll an, sah dann zu jemandem r├╝ber, der ihn rief, und ging fort. Mein Herz brach in tausend Teile.

Szenario 2:
Ich befand mich im Freizeitpark, zusammen mit Teddy und Ean. Pl├Âtzlich sah ich eine kleine Gruppe Kinder im Alter zwischen 9 und 12 Jahren, die auf ein einzelnes Kind eintraten, es beschimpften und dabei lachten. Sofort eilte ich ihm zur Hilfe. Die anderen Kinder schubsten ihn in einen kleinen Teich und rannten weg. Im Teich waren nicht nur Fische, sondern auch kleinere Haie, weshalb der Junge sofort herausmusste.
Mit Hilfe anderer gelang es uns, ihn aus dem Teich zu ziehen. Der Junge zitterte am ganzen K├Ârper und hatte furchtbare Angst. Ich nahm ihn fest in meine Arme und versuchte, ihn zu beruhigen. Ich sah mich um, ob seine Eltern irgendwo zu sehen waren. Schlie├člich konnte er in dem Alter nicht alleine in einem Freizeitpark unterwegs sein.
Einige Meter weiter sah ich einen Mann, der mir sehr bekannt vorkam. Ich sah mit verengten Augen genauer hin. Es war Henry. Unsere Blicke trafen sich. Die Welt stand erneut still, und alles um mich herum blendete ich aus. Wieder ├╝berkam mich der Drang, zu ihm zu laufen. Doch je n├Ąher ich ihm kam, desto weiter schien er entfernt zu sein. Er l├Ąchelte mir liebevoll zu, sah dann zu jemandem r├╝ber, der ihn rief, und ging fort. Angst ├╝berkam mich, und ich war den Tr├Ąnen nahe. Wieder zerbrach mein Herz in tausend Teile.

Szenario 3:
Ich stand auf dem Balkon meiner Wohnung und sah ├╝ber die Stadt hinweg. Eigentlich war eine Gro├čstadt nicht so mein Ding, aber irgendetwas hatte diese Stadt, das mich anzog und so verbrachte ich gerne Zeit hier.
Im Hintergrund unterhielt sich mein Besuch, und nebenbei liefen die Nachrichten im Fernseher. Pl├Âtzlich wurde ich hellh├Ârig, als es in den Nachrichten hie├č, dass jeder sofort Schutz suchen sollte, da sich ein m├Ąchtiger Sturm schnell auf uns zubewegte. Ich sah wieder ├╝ber die Stadt, und mein Herz schien einen Moment stillzustehen. Eine riesige, dunkle Wolke mit st├Ąndigen Blitzen n├Ąherte sich uns. Irgendwie schien sie auch r├Âtlich zu sein, was darauf hindeutete, dass viel Sand in der Luft war. Das w├╝rde definitiv ungem├╝tlich werden.

Die Angst ├╝berkam mich, und ich wusste, dass ich sofort handeln musste. Wenn ich mich beeilte, k├Ânnte ich vielleicht noch rechtzeitig Henry finden. Ich befahl meinem Besuch, hier zu bleiben und nicht nach drau├čen zu gehen, dann schwang ich mich auf mein Fahrrad.
So schnell ich konnte, radelte ich durch die immer d├╝sterer werdenden Stra├čen. Eine seltsame Stille herrschte, und es waren kaum noch Menschen zu sehen. Mein Herz raste, und Tr├Ąnen traten in meine Augen.
Die Stra├čen wurden immer enger, und die Sichtweite betrug kaum mehr als drei Meter. Endlich erreichte ich mein Ziel, das Haus, in dem Henry derzeit wohnte. Am Eingang gab es wie immer eine Sicherheitskontrolle. Ich musste einen Daumenabdruck abgeben, um durch die Schranke zu gelangen, und das tat ich auch. Doch dieses Mal leuchtete das System rot auf. Die Dame hinter der Glasscheibe sah mich an und zog eine Augenbraue hoch. ÔÇ×Wer ist Ean und warum verbringen Sie so viel Zeit mit ihm?ÔÇť fragte sie mich.

Panisch blickte ich ihr in die Augen. Warum stellte sie solche Fragen? ‚ÔÇťEan ist der Vater meines Sohnes, nat├╝rlich verbringe ich Zeit mit ihm!ÔÇť
Ihrem Blick nach zu urteilen, glaubte sie mir nicht. ÔÇ×Mein Herz geh├Ârt Henry und nur Henry!ÔÇť f├╝gte ich mit Tr├Ąnen in den Augen hinzu.

Aus dem Augenwinkel sah ich, dass sich links von mir, hinter der Schranke, jemand bewegte. Henry stand dort. Unsere Blicke trafen sich, und die Welt schien f├╝r einen Augenblick stillzustehen.

Gerade als ich ihn rufen wollte, l├Ąchelte er mich liebevoll an, sah zu jemandem r├╝ber, der ihn rief, und ging fort. Ich fiel auf die Knie und weinte bitterlich. Mein Herz zerbrach ein drittes Mal in tausend Teile.

Das erste, was ich nach diesem Traum dachte, war, dass es unm├Âglich war, an Henry heranzukommen. Er nahm mich definitiv wahr, aber ich konnte ihn einfach nicht erreichen. Das war wohl die bittere Realit├Ąt. Er ist halt einfach zu ber├╝hmt, um an ihn heranzukommen.
Hatte er vielleicht meinen Brief doch schon gelesen, aber konnte einfach nicht zu mir?
Was zur H├Âlle bedeutete dieser Traum? War das ein Zeichen, endlich aufzugeben und alles sein zu lassen?
Nach diesem Traum f├╝hlte ich mich ├Ąu├čerst merkw├╝rdig und wusste einfach nicht, wie ich weiter vorgehen sollte. Es machte mir eine Heidenangst!
Nat├╝rlich postete ich den Traum auch wieder in einer Traumdeuter-Gruppe. Die Antworten darauf bezogen sich allerdings nicht wirklich auf Henry, sondern eher auf etwas anderes.
Zwei Damen sagten mir:
ÔÇ×Grob gesehen w├╝rde ich sagen, du hast einen Besch├╝tzerinstinkt und Angst, geliebte Menschen zu verlieren.ÔÇť

Und:
ÔÇ×Du hast einen nat├╝rlichen Besch├╝tzerinstinkt. Mir scheint, dieser Mann ist ein Wunsch von dir, mit dem du deine Verantwortung teilen kannst.ÔÇť

HmmmmÔÇŽ Damit k├Ânnten sie recht haben.

 

 

– ├änderungen vorbehalten