Schon nach kurzer Zeit im neuen Jahr 2022 kam ich zu einem Entschluss, wie mein nächster Brief an Henry aussehen sollte. Wieder wollte ich den Großteil mit dem Laptop schreiben und einen anderen Teil von Hand. Doch der handgeschriebene Teil sollte deutlich länger werden als der vorherige. Gott, ich hatte mir wieder viel vorgenommen…

Der computergeschriebene Teil sollte, wie zuvor, einen weiteren Abschnitt meiner Geschichte enthalten. Wie es weiterging, nach dem letzten Brief. Der handgeschriebene sollte dieses Mal ganz anders sein. Ständig, wenn ich Radio hörte, liefen Songs, die genau das beschrieben, was ich dachte und fühlte. Irgendwann kam mir die Idee, einzelne Zeilen aus verschiedenen Songs aufzuschreiben und so zusammenzufügen, dass sie Sinn ergaben. So notierte ich mir über Wochen hinweg immer wieder Songs, die mir einfielen oder die ich gerade hörte. Wohl bemerkt, ich schrieb nicht einfach wahllos Songs auf! Ich liebte jeden Einzelnen von ihnen, und zu jedem hatte ich eine kleine Geschichte oder Bindung, warum ich sie mochte. Es war schon äußerst kurios, dass so viele ältere Songs, die für mich Bedeutung hatten, im Radio liefen.

Nach langem Hin und Her hatte ich endlich eine passende Reihenfolge gefunden und begann nach und nach, sie in eine Kladde zu schreiben. Glaubt mir, ich brauchte mindestens zwanzig Anläufe, bis die richtige Handschrift saß und auch das Layout stimmte.

Hier sind vorab ein paar Zeilen, wie der Brief aussehen sollte:

DEAR HENRY,

IF YOU HAD ONE SHOT, OR ONE OPPORTUNITY
TO SEIZE EVERYTHING YOU EVER WANTED
ONE MOMENT
WOULD YOU CAPTURE IT OR JUST LET IT SLIP?
THIS OPPORTUNITY COMES ONCE IN A LIFETIME

WHEN I SAY THEM OR SOMETHING I DO IT,
I DON’T GIVE A DAMN
                                                                      – EMINEM

IT’S NOT JUST A PHASE
NOW LET ME EXPLAIN
I’M WORKING THROUGH SOME SHIT
THE THOUGHTS IN MY BRAIN IT
NEVER GOES THE WAY THAT YOU PLANNED
SEARCHING FOR WORDS, AND PRAYING FOR SIGNS …..
                                                                      – THE SCORE

Nach einer Weile fiel mir auf, dass das Ganze ziemlich kitschig wurde. Eigentlich war das nicht wirklich beabsichtigt, aber ich ließ es so. Zusätzlich wurde es immer mehr zu einem Liebesbrief, was ich eigentlich auch nie so haben wollte. Doch auch das ließ ich so. Ganz ehrlich, Leute, ich hatte schon längst festgestellt, dass ich mich verliebt hatte… also warum sollte ich mir bei dem Brief etwas vormachen? Ich wollte bei meinen Briefen absolut ehrlich sein. Zu mir und zu ihm. Ich konnte doch nicht verbergen, dass ich in ihn verliebt war?

Letztendlich wurde es ein Mix aus vielen Künstlern: Eminem, The Score, Backstreet Boys, Michael Bublé, Calum Scott, Elvis Presley, Justin Bieber, Ed Sheeran, Justin Timberlake, Ellie Goulding, Bruno Mars, Beyoncé, Bill Medley & Jennifer Warnes, Simple Minds, Coldplay & BTS und Nickelback. Insgesamt wurden es elf Seiten.
Ein Song davon ergab endlich für mich Sinn – von Nickelback. Das mag jetzt vielleicht seltsam klingen, aber immer, wirklich immer, wenn ich Liebeskummer hatte, hörte ich diesen einen Song rauf und runter. Und das tat ich schon seitdem ich zwölf Jahre alt war. Doch nun ergab er zum ersten Mal wirklich Sinn, wenn ich den Text hörte! Als ich die Zeilen selbst nochmal durchlas, wurde mir bewusst, dass das Ganze doch schon ziemlich tiefgreifend war. Ich hatte furchtbare Angst, dass ich zu emotional wurde und mich in etwas hineinsteigerte, was vielleicht nicht der richtige Weg für mich war.

Ich war zwar überglücklich, wenn ich an ihn dachte, von ihm las oder auch hörte, doch das Ganze brachte auch ein wenig Schmerz mit sich. Immer wieder dachte ich daran, dass all das keinen Sinn hat, ihm Briefe zu schreiben. Er würde sie eh nie lesen und erst recht nicht darauf antworten. Ich hätte ihm auch noch so viel bei Instagram schreiben können, es hätte keinen Zweck. Er war, ist und wird vermutlich immer unerreichbar sein. Diese Gedanken quälten mich.

Aber verdammt, es musste doch einen Weg geben, ihn persönlich zu treffen! Warum konnte es nicht klappen? Vor allem, warum verlor ich immer wieder den Mut? Hatte ich wirklich so wenig Selbstvertrauen? Ich schrieb den Brief wie eine Möchtegern-Autorin. Ich tat so, als hätte ich die perfekte Handschrift. Ich tat anhand meiner beigelegten Fotos so, als wäre ich das schönste Mädchen, das er je sehen würde. Ich tat so, als wäre die Chance auf eine Antwort groß, weshalb ich alle möglichen Kontaktdaten beilegte. Wow… Ich bildete mir anscheinend wirklich etwas ein.

Aber! Ich liebte das Schreiben und viele liebten meine Art, wie ich schreibe! Ich gab mir nicht nur viel Mühe bei meiner Handschrift, sondern setzte auch mein ganzes Herz dahinter. Ich liebte die Kreativität, die ich dabei ausleben konnte. Ich war so stolz auf meine positive Veränderung in meinem Aussehen, dass ich es ihm unbedingt zeigen wollte. Ich legte meine Kontaktdaten bei, weil es definitiv nicht unmöglich war, dass er antworten würde.

Für nichts in meinem Brief musste ich mich schämen. Gar nichts! Es war genau das, was ich fühlte, preisgeben und mitteilen wollte. Diese Arbeit war ganz alleine mein Werk, worauf ich extrem stolz sein konnte. Gut, den einen oder anderen Tipp bekam ich von meinen besten Freunden, doch wie ich sie in die Tat umsetzte, war meine eigene Arbeit! Selbst wenn ich mit meinem ersten Brief keinen Kontakt herstellen konnte, habe ich es trotzdem versucht. Und ich werde es immer wieder versuchen, bis ich mein Ziel erreicht habe. Es hätte schließlich auch nach meinen Vorstellungen laufen können. Aber es war noch nicht die Zeit dafür, dass wir uns begegneten. Noch nicht! Doch ich war, bin und werde immer fest davon überzeugt sein, dass unsere Wege sich irgendwann einmal kreuzen werden. Zu viel ist geschehen, zu viele Träume habe ich. Das mag jetzt ziemlich egoistisch klingen, aber zu sehr hing mein Herz an ihm, als dass ich meine Bemühungen, ihn zu treffen, aufgeben könnte. Noch nie in meinem Leben habe ich etwas so sehr gewollt wie dieses eine Treffen. Also musste ich verdammt noch mal hart dafür arbeiten! Ich musste fest darauf vertrauen, dass jemand im Himmel bereits mein Schicksal für mich schrieb und mich nur noch auf diesen Weg leitete.

Und mal abgesehen von all diesen Punkten, wie romantisch war ich bitte mit meinem zweiten Brief?! Hätte mir jemand so etwas geschrieben, hätte ich diese Person sofort aufgesucht, ohne zu zögern!

Oft komme ich von meinem Weg ab. Ich frage mich, ob ich wirklich alles richtig mache und ob der Kontakt mit Henry wirklich mein Schicksal sein soll. Ich lasse mich sehr häufig von anderen beeinflussen und für verrückt erklären, wenn ich diese Geschichte erzähle. Ja, sie ist vollkommener Irrsinn, das gebe ich verdammt nochmal zu! Aber gibt es unter euch irgendeinen Wahrsager, einen, der in die Zukunft blicken kann und mir beweisen kann, dass ich niemals mit Henry persönlich sprechen werde? Dass er sich nicht in mich verlieben könnte? Dass wir niemals eine Chance auf eine Freundschaft haben werden? Wohl kaum! Das sind alles nur Spekulationen! Es kann schiefgehen, muss aber nicht. Ich kann mich auch irren, und nichts von alledem wird je geschehen. Aber es besteht dennoch eine kleine Chance, dass es doch passiert.

Viel zu oft lasse ich mich von anderen davon abhalten, meinen Traum zu verwirklichen. Viel zu oft lasse ich mir einreden, dass ich verrückt bin. Okay, ja, vielleicht bin ich ein bisschen verrückt. Aber mal ganz ehrlich, jeder, der einen Traum hat, wirkt verrückt! Er wird nur dann nicht mehr als verrückt bezeichnet, wenn dieser Traum wahr geworden ist!
Lasst euch von anderen niemals einreden, dass ihr etwas nicht erreichen könnt, weil es unmöglich wäre. Nichts, absolut gar nichts, ist unmöglich! Man muss es nur wirklich wollen, und es gibt immer einen Weg!

Ich will nach den Sternen greifen und das Unmögliche möglich machen. Selbst wenn sich meine Gefühle gegenüber Henry ändern sollten, möchte ich ihn dennoch treffen und ihm danken! Er hat es verdient, von dieser Geschichte zu erfahren, egal was passiert.

All das, was im letzten Jahr, in diesen wenigen Monaten, geschehen ist, ist unglaublich. Ich fühlte mich so gut wie noch nie zuvor. Diese Gefühle wünsche ich jedem Menschen auf diesem Planeten, sie waren wunderschön. Egal, was genau diese Gefühle bedeuteten, sie waren das Schönste überhaupt. Ich kann sie euch nach wie vor nicht genau beschreiben, aber ich versuche es immer so gut wie möglich.

Ich war oft verwirrt, weil ich nicht wusste, was mit mir passierte. Um klare Gedanken zu fassen, ging ich hin und wieder abends spazieren und wollte so oft wie möglich alleine sein. Einmal im Leben musste ich auf mein Herz hören und mich nicht von anderen beeinflussen lassen. Das Schreiben dieses Briefes war ein mutiger Schritt.

Wenn man immer nur auf die Ratschläge anderer hört, wird man nie seinen eigenen Weg finden. Tief im Inneren weiß jeder, was für einen selbst das Richtige ist. Jeder! Es ist nie verkehrt, einen Rat einzuholen, aber letztendlich sollte man selbst entscheiden, wie man weitermacht. Wenn man zu sehr auf andere hört, verliert man oft seinen eigenen Weg.

Hier ist ein kurzes Beispiel mit Henry:

Henry wurde in der Schule gemobbt, und „Fatcavill“ war sein Spitzname. Henry hatte schon immer seine eigenen Träume, die er verwirklichen wollte. Er arbeitete hart für seine Ziele und überwand viele Hindernisse. Am Ende wurden seine Träume wahr! Damals hatte wohl niemand gedacht, dass er einmal so berühmt werden würde. Wer hätte gedacht, dass er von einem kleinen, fetten Jungen zu einem großen, stattlichen Mann werden würde?
Niemand kann die Zukunft vorhersagen. Heute beneiden ihn viele.

Erkennt ihr die Moral?

Ein weiteres Beispiel, diesmal über mich:

Als ich mich in der Ausbildung in der Gastronomie befand, glaubte niemand daran, dass ich die Prüfung bestehen würde. Mein Gott, ich hatte durchgehend schlechte Noten in der Schule, wie sollte ich also die Prüfung bestehen? Kein einziges Fach interessierte mich. Ich war damit beschäftigt zu plaudern, zu malen, am Handy zu spielen, usw. Das, was ich halt so mache, wenn mich etwas nicht interessiert.

Doch im letzten Schulblock gab ich alles. Ich wollte und konnte es nicht mit mir vereinbaren, ein halbes Schuljahr zurückzuhängen und die Prüfung zu wiederholen, nur weil ich sie nicht bestanden hatte.
Ich war keineswegs dumm, nur äußerst desinteressiert.
Tja, ich bestand die Prüfung! Kein Mensch glaubte an mich, außer mir selbst. Ich dachte: „F**kt euch alle! Ihr werdet schon sehen!“ Alle waren ziemlich baff über die Leistung, die ich erbracht hatte.

Was ich damit sagen will: Ihr seid immer genau das, was ihr selbst von euch glaubt zu sein. Lasst euch verdammt noch mal nicht von anderen einreden, dass ihr etwas nicht könnt! Ihr könnt! Ihr müsst es nur wirklich wollen. Habt keine Angst vor großen Herausforderungen. Selbst wenn ihr scheitert, könnt ihr immer wieder aufstehen, und danach seid ihr stärker als zuvor.

Ehrlich gesagt, Träume können noch so verrückt sein, aber niemals sind sie unmöglich zu erreichen. Alle, die behaupten, es sei unmöglich, hatten wohl nie große Träume. Schaut euch nur um, wie viele Menschen ihre Träume verwirklicht haben, und fragt sie, wie oft sie zu hören bekamen: „Du bist verrückt, das schaffst du nie!“
Ich glaube, sehr viele Menschen könnten Bücher über die Sprüche schreiben, die sie zu hören bekamen, wenn sie von ihren Träumen erzählten.

Nun zu einer Situation, die mich total überforderte, weil sie ziemlich ernst war.

Am 13.03.2022 bekam ich eine Meldung auf mein Handy, die viele verschiedene Gefühle in mir auslöste. Freya Allan, auch bekannt als Cirilla aus the Witcher, befand sich in diesem Moment in unmittelbarer Nähe. Sie postete auf Instagram in ihrer Story ein Foto von einem Freund, den sie gerade besuchte, und benannte ebenfalls den Ort. Mein Herz fühlte sich an, als wollte es durch meinen Hals hinausspringen, und mein Magen drehte sich. Ich konnte mich plötzlich überhaupt nicht mehr auf meinen Alltag konzentrieren. Verdammt, das war eine unglaubliche Möglichkeit für mich! Sie war gerade mal dreißig Kilometer entfernt!
Aber Moment… Wie verrückt käme ich rüber, wenn ich einfach dorthin fahren würde, um sie um etwas zu bitten?! Millionen verschiedener Gedanken und Szenarien sprudelten durch meinen Kopf. Wäre das eine echte Chance, Henry näher zu kommen? Würde sie sich auf meine Bitte einlassen und meinen Brief an Henry weitergeben, sobald sie ihn sah? War sie vertrauenswürdig genug für so eine Aufgabe? Außerdem hatte ich gar keinen ausgedruckten Brief mehr zuhause liegen. Ich hätte ihr bloß die Datei senden können. Höchstwahrscheinlich, wenn ich überhaupt an sie herankäme, würde sie sich über mich lustig machen. Verständlich! Diese ganze Sache war völlig absurd. Abgesehen von diesen Gedanken, fragte ich mich auch, wie ich zu ihr fahren könnte, ohne auch nur einen Cent in der Tasche zu haben. Es war zwar erst Mitte des Monats, aber wir steckten zu der Zeit in leichten finanziellen Schwierigkeiten, wie so oft, und ich hatte kein Geld für eine Fahrkarte. Ean unter einem Vorwand dazu zu bringen, mit mir dorthin zu fahren, war ebenfalls unmöglich. Was zur Hölle hätte ich ihm sagen können? Gott… so viele Gedanken und Szenarien schwirrten durch meinen Kopf!
Letztendlich entschied ich mich dagegen, diese Chance zu nutzen. Ich hatte einfach nicht den Mut dazu. Hätte ich es wirklich gewollt, hätte ich auch einen Weg gefunden. Aber warum traute ich mich einfach nicht? Ich glaube, aus Angst vor Zurückweisung. Vielleicht auch Unsicherheit über mögliche Konsequenzen, Angst vor einem großen Fehler oder mangelndes Selbstvertrauen. Ich dachte, wenn ich sie sehen würde, hätte ich nicht den Mut, sie überhaupt anzusprechen. Meine Güte… Sie war doch ein Mensch wie ich! Warum zur Hölle hatte ich solche Angst vor ihr? Eventuell war es eine Mischung aus all diesen Gründen, warum ich mich nicht traute. Im Nachhinein ärgere ich mich furchtbar darüber, mich nicht getraut zu haben. Es wäre eine so große Chance gewesen… Ich war wirklich wütend auf mich selbst. Ich bereute es sehr. Was hätte alles passieren können, wenn ich mich doch getraut hätte? Ich stand unter so großem Druck, der dazu führte, dass ich mich nicht traute.

Ich war wohl einfach noch nicht bereit dazu.

Ehrlich Leute, änhliche Gelegenheiten hatte ich öfter, doch ich habe mich nie getraut. Wie oft war Henry in Madrid oder London… Oft genug habe ich erst einen Tag nach seinem Aufenthalt davon erfahren, oder aber wusste schon Tage zuvor, dass er kommen würde. Aber verdammt, ich habe es einfach nicht geschafft. Ich hatte noch so viel an mir zu arbeiten, was mich jedes Mal von einer solchen Gelegenheit abhielt. Jedes Mal, wenn ich über diesen Moment nachdenke, ärgere ich mich erneut. Vielleicht schämte ich mich auch einfach noch zu sehr für mich selbst…
Aber gut, shit happens! Wenn das Universum es will, werde ich wieder neue Chancen bekommen.

An jeder Niederlage wachse ich und werde stärker, selbst wenn es anfangs nicht so erscheint.
Es gab schon einige Tage, an denen ich meine Angst überwunden habe, und danach hat sich alles zum Positiven verändert, obwohl ich diese Veränderung nie für möglich gehalten hätte.

Hier mal ein bedeutsames Ereignis aus meiner Jugend, das ich nie vergessen werde:

Bis zur achten Klasse war ich immer das absolute Mobbingopfer. Ich war überall die Ausgestoßene, das Mädchen, das mit zu vielen Geschwistern und Haustieren aufwuchs und aussah, als wäre sie auf einem Bauernhof großgeworden.
Am 28. Oktober 2010 kam eine Gruppe Amerikaner, genannt „The Young Americans“, an unsere Schule, um mit uns ein kleines Musical zu proben und aufzuführen.

Während dieser Zeit, als sie an unserer Schule waren, änderte sich alles für mich. Ich ging vom Mobbingopfer zur geschätzten Person über! Wie? Dass ich bei diesem Projekt mitmachen konnte, war nicht ganz einfach. Ich, Harlunke, musste meine Eltern hintergehen, um dabei sein zu können. Ehrlich gesagt, am Anfang wusste ich nicht, dass dieser Spaß Geld kosten würde. Das erfuhr ich erst am zweiten Tag, und somit mussten meine Eltern wohl oder übel dem Gruppenzwang nachgeben und das Geld dafür opfern. Dafür bin ich ihnen tatsächlich sehr dankbar!

Während dieser Zeit konnten meine Mitschüler sehen, was ich alles drauf hatte. Mein Selbstbewusstsein wurde durch einen der amerikanischen Jungs enorm gestärkt – Jannis (nennen wir ihn mal so). Vom ersten Moment an verliebte ich mich Hals über Kopf in ihn. Damals war er der schönste Mann, den ich je gesehen hatte. Während wir für den Song „Circle of Life“ aus „König der Löwen“ probten, standen wir in Gruppen in kleinen und größeren Kreisen. Jannis befand sich rechts von mir, und links von mir stand ein anderer Schüler. Wir sollten uns merken, neben wem wir standen. Ich sah absichtlich nicht nach rechts, weil ich fürchtete, rot anzulaufen. Da tippte Jannis mir auf die Schulter und sprach in liebevollem Ton: „Don’t forget me, okay?“ Es war mir unheimlich peinlich, weil ich so in ihn verknallt war.

Jedenfalls haben Jannis und einige andere der Amerikaner mir unglaublich viel Selbstvertrauen gegeben, meine Talente zu präsentieren. Singen musste ich auch, obwohl ich ehrlich gesagt lieber zu Hause mit meinem Gesang bleibe. Ich weiß nicht, ob mein Gesang wirklich so gut klang, wie sie behaupteten.
Ach ja, als wir in kleinen Gruppen zeigen sollten, ob wir eine gute Gesangsstimme haben, sollten wir einen beliebigen Song nachsingen. Wer war damals mein Lieblingssänger? Justin Bieber! Ich sang „Baby“… Total peinlich, ich weiß! Aber mir fiel in diesem Moment nichts Besseres ein. Außerdem war ich zu der Zeit ein großer Fan von Justin Bieber!

Tanzen hingegen war schon immer eine Leidenschaft von mir, die ich dort voll ausleben konnte.
Das war das erste große Erfolgserlebnis für mich. Diese Tage werde ich nie vergessen. Ich möchte gerne noch erwähnen, was mich auch noch stolz machte. Jannis besaß natürlich auch Facebook. Doch Anfragen nahm er grundsätzlich nur wenige, auserwählte an. Von unserer Schule nahm er damals nur zwei Schüler an. Woher ich das wusste? Die Schüler tuschelten untereinander! Ein Mädchen, welches sehr talentiert war, und mich! Mich!! Damit punktete ich noch mehr auf meiner Schule. Und wisst ihr was? Ich habe heute noch zwischenzeitlich Kontakt mit ihm! Zwar eher auf sexueller Ebene, auf die ich nie eingehe, aber egal. Wir machen uns einen Spaß daraus. Wenn ich Fragen bezüglich Amerika, Gesang, Tanz, oder Schauspiel habe, beantwortet er sie immer. Mittlerweile gehört er nicht mehr zu den Young Americans, sondern macht sein eigenes Ding und bereist weiterhin die Welt.
Kontakte pflegen? Kann ich!
Gleichwohl, man sollte niemals jemanden unterschätzen. Oft genug überrasche ich meinen Gegenüber.

In der Schule wurde ich auch oft nicht für mein vorlautes Mundwerk gemocht. Oder auch für meine Taten. Für vieles wurde ich einfach nur ausgelacht.
Wie ich bereits erwähnte, spiele ich das Spiel World of Warcraft sehr gerne. Mit etwa zwölf Jahren fing ich damit an und lernte darüber auch viele nette Menschen kennen. In einen verliebte ich mich. Natürlich war mir bewusst, dass Internetbekanntschaften eher anonym sind und jeder sich als das ausgeben konnte, was er bevorzugte. Doch oft vertraute ich den Leuten sehr schnell, was mir hin und wieder zum Verhängnis wurde. Jedenfalls, ich lernte online einen Luki (nennen wir ihn mal so) kennen, der nur wenige Jahre älter als ich war. Wir zockten Tag und Nacht miteinander, plauderten bei Teamspeak, schrieben über Facebook und sendeten uns natürlich gegenseitig Fotos. Keine Sorge, meine waren nie sehr anzüglich! Irgendwann sollten wir im Englischunterricht eine Präsentation gestalten, mit PowerPoint. Das Thema konnten wir frei wählen, soweit ich mich erinnere. So nahm ich also ein Thema, was ich liebte. Keine Ahnung, was da in mich geriet! Im Nachhinein hätte ich mich auch ausgelacht, aber dennoch tat es mir sehr weh. Ich hielt eine Präsentation über Luki und World of Warcraft und am Ende zeigte ich auch ein Bild von ihm, mit lauter Herzchen drum herum. Uiuiui, ihr könnt euch nicht vorstellen, was für ein Gelächter entstand! Ich schämte mich in Grund und Boden!
Heute lache ich darüber, weil es wirklich total peinlich war. Aber egal, in diesem Moment war ich so stolz, dass ich ihn zeigen wollte.

Ich habe schon wirklich vieles mitgemacht, was mich bis heute noch sehr prägt. Doch nach wie vor lerne ich aus allen Dingen.
Hier noch ein peinlicher Moment: Die erste Periode… Ich glaube mit vierzehn bekam ich sie und so wie beinahe jedes Mädchen, hatte ich keine Ahnung, was genau ich tun musste. Mir war es auch zu unangenehm, meine Mutter um Rat zu bitten. Ich dachte aber, ich hatte genug Ahnung, wie ich vorgehen muss, und nahm Slipeinlagen von meiner Mutter. Ich dachte wirklich, das wären Binden, die man für die Periode verwendete. Aber trotzdem kam es mir sehr merkwürdig vor, alle paar Minuten diese wechseln zu müssen. Puh… Es fühlte sich dauerhaft so an, als würde es an den Seiten herauslaufen und man würde alles am Po sehen! Ich wollte mich kaum bewegen, weil es bei jeder Bewegung so war, als würde untenrum ein Wasserfall laufen. Zuhause fragte meine Mutter natürlich, ob ich alles dafür habe und ob ich weiß, wie ich handeln muss. Da es mir nach wie vor peinlich war, mit ihr darüber zu reden, behauptete ich natürlich, dass ich bestens ausgestattet wäre.

Irgendwann sprach ich eine Mitschülerin aus meiner Klasse an, mit der ich zeitgleich auf die Toilette ging. Ich fragte sie, ob es normal sei, dass man die Binde so oft wechseln müsse. Sie lachte herzlich und klärte mich auf. Sie war in der Entwicklung schon deutlich weiter als ich, was ich in dem Moment sehr hilfreich fand. So reichte sie mir also eine von ihren Binden. Leute, was waren das für monströse Dinger! Alter Falter! So eine fette, mit Watte befüllte Binde kam mir noch nie unter die Augen. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gab! Gott sei Dank half sie mir, denn mit diesem Teil fühlte ich mich schon deutlich wohler.
Im Nachgang sprach ich dann mit meinen Eltern, dass ich solche Binden brauchte, und sie besorgten sie auch.

Aiaiai, so etwas Peinliches! Aber auch darüber lache ich heute. Ich bin mir ziemlich sicher, dass jeder mal so unbeholfene Situationen hatte. Also ehrlich, selbst das beliebteste Mädchen der Schule hatte garantiert mal so einen Moment.

Es gab auch zwei ziemlich unschöne, peinliche Situationen.
Man sagt ja, wenn man dem Tode nah ist, zieht das ganze Leben an einem vorbei. Meiner Erfahrung nach stimmt es sogar.

Das eine Mal, da trug ich zum ersten Mal Stiefel mit Absätzen. Eigentlich fühlte ich mich sehr wohl damit, auch wenn ich das Laufen darin noch üben musste.
Jedenfalls stand ich einmal im Klassenzimmer damit angelehnt an der Wand und kippelte mit den Absätzen. Unter mir befanden sich Heizungsrohre. Eine Sekunde lang hielt ich nicht das Gleichgewicht und rutschte mit den Hacken nach vorne hin ab. Leute, kein Scherz, es fehlten nur wenige Millimeter zu den Heizungsrohren, und ich hätte mir das Genick gebrochen. In diesen Sekunden blitzte mein ganzes bisheriges Leben vor meinen Augen. Ich hatte wirklich unglaubliches Glück. Das hätte sehr böse enden können.

Das andere Mal war ich gerade auf der Abschluss-Klassenreise in der neunten Klasse. Wir fuhren in die Berge nach Österreich zum Skifahren. Natürlich hatte ich absolut keinen Plan davon, wie man Ski fährt. Völlig ungeschickt versuchte ich mit den anderen Mitschülern mitzuhalten, damit man mich nicht auslachte.

Ganz ehrlich, ich hatte einfach nur panische Angst vor dem Bremsen. Auch mit Rollerskates konnte ich noch nie bremsen, so ähnlich ging es mir also mit den Skiern.

Die Klasse trennte sich in Gruppen auf. Eine Gruppe, in der jeder sehr sicher fahren konnte, und eine Gruppe, die noch nicht so gut darin waren. Ich befand mich natürlich in der Anfängergruppe. Mit einem der beiden Lehrer fuhren wir die langgezogene, nicht wirklich steile Piste genüsslich hinunter. Doch eine Kurve konnte ich einfach nicht richtig mitnehmen, weshalb ich geradewegs dabei war, den Abhang hinunterzufahren. Ich habe so laut geschrien, es war ein Wunder, dass ich damit keine Lawine auslöste. Schon wieder sah ich mein kurzes Leben an mir vorbeiziehen. Glücklicherweise stürmte mein Lehrer auf mich zu und fing mich wenige Schritte, bevor ich den Berg hinunterrasen konnte. Alter, ich sag’s euch, das war heftig!

Später lachten meine Mitschüler mich natürlich wegen meines Nichtkönnens aus.

Beide Momente belasten mich noch heute. Es ist schon wirklich krass, was die Reaktion anderer in solchen Momenten mit einem Menschen anrichten können. Ich kann nur jedem mit auf den Weg geben, immer erst nachzudenken, bevor man jemanden auslacht. So etwas erlebt mit Sicherheit jeder Mensch, und die meisten nehmen es bis ins hohe Alter mit, was ziemlich traurig ist.

Bisher bin ich nie wieder Ski gefahren. Auch war ich sehr vorsichtig bei der Auswahl von Schuhen mit Absätzen. Nach diesem „Sturz“ achtete ich extrem darauf, dass mir so etwas nie wieder passierte. Auch achtete ich stets auf meine Gangart, weil man mich einst auslachte und nachäffte, wie ich angeblich mit diesen Schuhen laufen würde. Aber ich kann euch sagen, ich glaube, später lief ich wie ein Model in solchen Schuhen. Ganz egal, wie hoch der Absatz war. Zu meiner Party-Zeit trug ich immer sehr hohe Schuhe. Je höher, desto besser. Und nie knickte ich auch nur ein einziges Mal mit ihnen um. Ich lief langsam, aber verführerisch mit ihnen. Nach den Behauptungen mancher Männer sah es auch sehr sexy aus.

Heute allerdings, ich glaube, ich würde sofort im Stehen umknicken. Schon sehr lange habe ich keine hohen Schuhe mehr getragen. Keine Ahnung, wie ich damals diesen Schmerz darin ausgehalten habe! Vielleicht wird meine Zeit dafür auch noch einmal kommen, wer weiß.

So, nun zurück zu Henry!

Ich fing zwischendurch an, mich mehr über seine Geschwister zu erkundigen. Auch er hatte mehrere. Manchmal stellte ich mir vor, wie es wäre, die Feiertage mit ihnen zu verbringen. Sie würden natürlich völlig anders ablaufen, als ich es bisher kannte. Ihre Art zu Feiern war ganz anders als die herkömmlichen Feiern in Deutschland. Viele Tagträume begleiteten mich weiterhin, und auch dazu gab es wieder einen passenden Traum.

16.02.2022
Die Mutter von Henry und ich bereiteten die Wohnung für Henry’s Ankunft vor. Er war längere Zeit fort, weshalb wir ihn überraschen wollten. Auch Henrys Geschwister, samt Anhängsel kamen dazu, also mussten wir in meiner kleinen Küche ein wenig improvisieren und umbauen, damit jeder einen Platz bekam.
Plötzlich zog Henrys Mutter einen Teil der Küche, zusammen mit dem Waschbecken nach vorne, als wäre sie auf Rollen und schob stattdessen den Esstisch dorthin. So wie der Tisch nun stand, fing ich an zu lachen und sagte: „Jetzt kann uns jeder auf der Toilette pupsen hören, weil wir so nah dran sitzen.“ Sie lachte ebenfalls und nickte. Dann klingelte es an der Tür, Henrys Geschwister waren da. Mit Herzrasen ging ich zur Tür, um sie hereinzulassen. Ich machte mir wahnsinnige Sorgen, dass sie mich nicht hübsch finden würden. Meine Hormone drehten momentan durch, weil ich meine Periode hatte, und dementsprechend sah mein Gesicht auch aus. Mehrere Pickel waren quer über mein Gesicht verteilt, so wie ich es beinahe immer in dieser Woche hatte. Lag vermutlich daran, dass ich während meiner Periode so viel ungesundes Zeug aß.
Dann wechselte der Traum weiter.
Die Überraschung für Henry war gelungen, und wir hatten viel Spaß.
Wir spielten eine Art „Game Night“. Jedes Pärchen hatte verschiedene Aufgaben zu erledigen. Meine Aufgabe war es, Henry zu finden. Nach einer gefühlten Ewigkeit fand ich ihn, stürmte auf ihn zu und sprang in seine Arme. Einen kurzen Moment küssten wir uns so wild, als gäbe es kein Morgen mehr. Plötzlich kam Jaskier um die Ecke –
der Barde aus the Witcher, einer meiner Lieblinge. Ohne ihn wäre die Serie nur halb so cool!
Jaskier hatte die nächste Aufgabe für mich. Er führte mich quer durch die Stadt, wir kletterten an vielen Wänden und Gittern hoch und lachten uns dabei schlapp. Es machte wahnsinnigen Spaß. Im Anschluss musste ich erneut Henry suchen.

Selten habe ich so gelacht wie in diesem Traum. Es war wirklich Ewigkeiten her, dass ich so viel Spaß hatte und Tränen lachte. Genau so stellte ich mir zukünftige Treffen mit Henry’s Freunden und seiner Familie vor. Soweit ich erkennen konnte, konnte man mit ihnen eine Menge erleben und fürchterlichen Spaß haben.

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Insgesamt kann ich aus all meinen Zeilen viele Botschaften ziehen, die ich euch gerne mitgeben möchte.
In meinem Leben habe ich oft Selbstreflexion angewandt, um meine Gedanken und Erfahrungen festzuhalten. Diese Reflexion hat mir geholfen, mich ständig weiterzuentwickeln und meine Persönlichkeit zu formen.
Ich habe immer wieder Herausforderungen und peinliche Momente erlebt, die mich auf die Probe gestellt haben. Doch ich habe gelernt, diese Hindernisse zu überwinden und bin daran gewachsen.
Es ist mir wichtig, an meine Träume und Ziele zu glauben, selbst wenn Zweifel und Unsicherheiten auftauchen. Ich habe gelernt, mich nicht von den Meinungen anderer abhalten zu lassen und an die Möglichkeit zu glauben, meine Träume zu verwirklichen.
Die Beziehungen zu meinen Eltern, zu Henry und anderen Menschen haben eine große Rolle in meinem Leben gespielt. Diese Beziehungen haben meine Entwicklung beeinflusst und haben dazu beigetragen, wer ich heute bin.
Ich teile auch einige humorvolle Erzählungen über peinliche Momente aus meinem Leben. Diese Momente zeigen, dass solche Erfahrungen ein natürlicher Teil des Lebens sind und sich oft im Nachhinein als amüsant erweisen.

Ich bin mir auch bewusst, dass ich oft Sätze wiederhole, aber das kommt daher, dass ich mir diese Dinge selbst immer wieder sagen muss, um nicht daran zu zerbrechen.

Übrigens, nehmt mir Fehler im Text bitte nicht übel. Ich gebe immer mein Bestes, alles korrekt zu schreiben. Ebenso nehmt es mir nicht übel, wenn die Übergänge nicht die besten sind. Auch hier lerne ich stets dazu! Natürlich könnte ich mir Hilfe holen, jemanden, der meine Texte auf Fehler korrigiert. Aber ganz ehrlich, ich möchte es einfach alleine schaffen und nicht auf Hilfe angewiesen sein!

 

 

– Änderungen vorbehalten