14.01.2022
Henry kam zu Besuch und begleitete mich im Alltag. Allerdings sollten wir wohl oder übel keine einzige Minute Zweisamkeit genießen können. Ich war gerade dabei, meinen Sohn vorzeitig aus dem Kindergarten abzuholen und war leicht unter Stress. Ich erzählte den Erziehern, dass wir sehr wichtigen Besuch bekommen würden und wir uns ein bisschen beeilen müssten. Die Leiterin der Krippe war sehr neugierig und hakte nach Details. Ich verstand mich sehr gut mit ihr, weshalb ich ihr ein wenig erzählte und auch ein Foto vom Besuch zeigte. Vorher bat ich sie darum, falls sie ihn kannte, den Namen nicht laut auszusprechen, um neugierige Blicke zu vermeiden. Sie sah das Foto und machte große Augen. „Ist das nicht der S….man?“ Für andere war er Superman, doch für mich war er Geralt. The Witcher kannte sie vermutlich nicht. Ich antwortete: „Ja, pscht! Das ist er.“ Und strahlte über beide Ohren.
Kaum waren wir an unserer Haustür, kam Henry uns entgegen. Er sah einfach umwerfend aus! Selbst in diesem Holzfällerhemd, der dunkelblauen Jeans, der schwarzen Cap und dem Vollbart. Herr im Himmel, wie konnte dieser Kerl einfach immer so gut aussehen?
Die Begrüßung wurde übersprungen, und wir befanden uns direkt im Alltag. Es ging erst einkaufen und im Anschluss spazieren. Irgendwie war die ganze Situation angespannt und merkwürdig. Wir standen unter dauerhafter Beobachtung. Wir unterhielten uns in einem Mix aus Deutsch und Englisch. Doch wir sprachen nicht besonders viel. Ich war viel zu nervös, um große Gespräche anzufangen. Eigentlich wollte ich ihn nur fest umarmen, seinen Herzschlag hören und so verweilen. Beim Spazieren waren auch die Großeltern von Teddy dabei und natürlich Ean.
Henry und ich liefen weiter hinten, in der Hoffnung mal ein paar Sätze unter vier Augen wechseln zu können. Doch das reichte ihm offenbar nicht. Wir schlenderten durch die Straßen und plötzlich zog Henry mich um eine Ecke und stellte mich mit dem Rücken zur Wand. Er legte seine Hand auf meine Wange und beugte sich vorsichtig zu mir runter. Mein Herz schlug so stark, dass ich Angst bekam, es würde mir aus der Brust springen und mir wurde kochend heiß. Kurz vor meinem Mund hielt er inne. Die letzten Zentimeter übernahm ich und schoss auf seinen Mund zu. Liebevoll zärtlich, doch gleichzeitig voller Begierde küssten wir uns. Er presste sich so sehr an mich, dass sich zwischen meinen Beinen etwas regte. Gott, wie gern hätte ich ihn in diesem Moment die Kleider vom Leib gerissen.
Irgendwann ließ er von mir ab und deutete auf den Rest der Bande, die sich garantiert schon fragten, wo wir blieben. Er lächelte mir zu und ging ihnen hinterher. Ich stand noch einen kurzen Moment wie festgewurzelt da und versuchte zu realisieren, was gerade geschehen war. Meine Wangen glühten wie Feuer und waren bestimmt knallrot.
Wow, ich muss mich zusammenreißen!

Immer und immer wieder stellte ich mir verschiedene Szenarien vor, wie er meinen Brief empfing und sich anschließend auf dem Weg zu mir machte.
Eines meiner schönsten Szenarien:
Er bearbeitete gerade den Berg an Post, indem er überall ein Autogramm drauf gab. Wer ein Autogramm haben wollte, musste einen weiteren Umschlag mit passender Briefmarke beilegen. So konnte es zurückgesendet werden. Irgendwann hielt er meinen Brief in der Hand. Mein Brief war einer der dicksten von allen, schließlich waren das mal eben fast vierzig Seiten, von denen das meiste zu einem Manuskript gebunden war! Er öffnete ihn aufmerksam und blätterte grob durch. Die handgeschriebenen Seiten las er sich neugierig durch. Er wollte wissen, was in dem Manuskript stand, also kümmerte er sich um einen Dolmetscher. Dieser schmunzelte vor sich hin, als er sich einen Teil durchlas. Danach fing er an, für Henry zu übersetzen. Henry hörte gespannt zu, und es regte ihn zum Nachdenken an. Er kam zu dem Entschluss, einige Termine abzusagen, um Zeit für mich freizuhalten. Es dauerte nicht lange, da befand er sich schon auf dem Weg zu mir. Er ließ mir eine Nachricht zukommen, dass er an Tag X vor meiner Tür stehen würde, vielleicht hätte ich spontan Zeit für ein kleines Treffen. Selbstverständlich nahm ich mir die Zeit! Nichts war für mich wichtiger – abgesehen von Teddy natürlich – als ein Treffen mit Henry, bei dem ich ihm zeigen konnte, dass ich es wert war, mit ihm in Kontakt zu stehen. Vielleicht würde er sich tatsächlich in mich verlieben!
Allerdings hatte ich noch so viel vor, bevor ich wirklich bereit war, ihn zu treffen:

  • Eine Wunschfigur, in der ich mich zu hundert Prozent wohlfühlte.

  • Bei bester Gesundheit sein.

  • Einen ansehnlichen Job haben.

  • Die aktuelle Wohnung sollte neu renoviert und eingerichtet sein, so wie ich es mir wünschte.

  • Ausreichend Geld besitzen.

  • Meine Zähne richten lassen, da sie durch die vielen Medikamente, die schlechte Ernährung, die Schwangerschaft und meine gesundheitlichen Probleme gelitten haben.

  • Mit dem Rauchen aufhören.

  • Joggen als Frühstück, anstatt Kaffee.

Und noch vieles mehr. Es gab noch super viel zu tun! Doch selbst wenn all das erledigt wäre, wäre ich dann bereit, ihn zu treffen? Ich glaube, ich hatte bei dieser To-Do-Liste einfach nur Angst davor, ihm nicht gerecht zu werden. Schließlich ist er etwas ganz Anderes gewohnt. Wir lebten eher in der unteren Schicht, worauf ich nicht gerade stolz war.
Einer meiner Ticks: Wenn jemand zu Besuch kam, sollte die Person erstaunt sein, wie wunderschön meine Wohnung war. Sauber, ordentlich und perfekt eingerichtet. Genau aus diesem Grund veranstaltete ich vor angekündigtem Besuch grundsätzlich einen Großputz. Selbst wenn alles bereits sauber war, wischte ich dennoch noch einmal drüber, für mein Gewissen. Ich wollte vermeiden, dass irgendwo auch nur ein Hauch von Dreck zu sehen war, sei es unter der Spüle, im Badezimmerschrank, im Mülleimer, unter der Couch oder sogar an den Deckenlampen. Es musste alles perfekt sein!

Dann stand er mit Kal und einem Dolmetscher vor meiner Tür. Wir fühlten uns von der ersten Sekunde an wohl miteinander. Klar, die sprachliche Barriere war nicht leicht, aber das würde sich bald legen, sobald ich seine Sprache besser lernte. Wir tauschten die Handynummern aus und schrieben nach dem Treffen regelmäßig. Berichteten uns vom Alltag und lernten uns richtig kennen.

So in etwa waren meine Wunschvorstellungen…

Mein Geburtstag. Wieder konnte ich an einer Hand abzählen, wer aus meiner Familie an mich dachte. Dabei ist die Familie doch so riesig!

Kurz zuvor tat ich etwas, was ich noch nie wagte. Henry hatte es auf mein Handy geschafft, als Hintergrundbild. Nie, noch nie mochte ich jemanden so sehr, dass ich von der Person ein Hintergrundbild einrichtete. Das war ein bedeutender Schritt für mich, auch wenn es nicht jeder so sieht.
Keiner meiner Ex-Freunde, keiner aus meiner Familie, nicht einmal mein eigener Sohn. Es fühlte sich immer falsch an, diese Leute als Hintergrundbild zu haben. So sehr liebte ich sie dann doch wieder nicht!
Doch bei Henry war es eine ganz andere Sache. Ich war stolz darauf, wenn jemand sah, dass er mein Hintergrundbild war. Es war schön für mich, ihn jedes Mal zu sehen, wenn ich mein Handy in die Hand nahm.

Eigentlich hatte ich mehrere Leute aus der Familie von Ean zu meinem Geburtstag eingeladen. Einfach nur beisammensitzen und Kaffee und Kuchen genießen.
Jedoch sagte kurz vorher einer nach dem anderen ab.
Wieder fühlte ich mich wertlos und alleine. Es brach mir das Herz, dass wirklich niemand Zeit für meinen Geburtstag hatte. Aber gut, da musste ich durch… Irgendwie ahnte ich es und kannte es schließlich auch nicht anders. Immerhin hatte ich noch Ean und Teddy. Gut, Teddy verstand das noch nicht so wirklich, aber er war anwesend! Ean war mehr oder weniger dazu gezwungen, mit mir zu feiern. Hätten wir nicht in einer gemeinsamen Wohnung gelebt, hätte es mit Sicherheit keine kleine Party gegeben.
Nur schönreden half mir, diesen Tag zu überstehen. Ich versuchte einfach immer wieder in diese kleine Blase zu springen, die ich beim Tudum-Event hatte und keinerlei Negatives an mich heranlassen. Gut, leichter gesagt als getan… Es war schwer, wirklich schwer. Aber ich gab die Hoffnung nicht auf, dass es im Jahr 2023 wieder ganz anders aussehen könnte! Vielleicht hatte ich bis dahin mein Ziel erreicht und würde ganz anders leben und lieben, wie ich es bisher tat. Vielleicht hatte ich bis dahin aber auch besseren Kontakt zu meiner Familie… Wer weiß!

Hinsichtlich meines Zwangs zur Ordnung und Sauberkeit hatte ich einen ganz bestimmten Traum:

04.02.2022
Ich träumte vom lang ersehnten Besuch von Henry. Entsprechend stand ich wieder unter Druck, dass alles perfekt sein musste, was Sauberkeit, Ordnung und die Einrichtung der Wohnung betraf. Ich wollte backen, teuren Kaffee servieren, in meiner Lieblingsfarbe gekleidet sein, die meine Augen betonte, und noch so vieles mehr.

Den Stress, den ich mir damit auflud, ließ ich an Ean und meiner ganzen Umgebung aus. Ich pöbelte alles und jeden durchgehend an. Nichts, rein gar nichts lief nach Plan. Ich fand immer wieder neue Baustellen, die ich beseitigen wollte, bevor Henry kam. Doch es nahm einfach kein Ende!

Immer kurz bevor ich vor Stress explodieren und das Treffen abbrechen wollte, wachte ich auf. Als ich erneut einschlief, begann der Traum wieder von vorne. An der gleichen Stelle wachte ich wieder auf und schlief danach wieder ein. Wieder begann der Traum von vorne. Das ganze ging die komplette Nacht durch, bis ich endlich verstand, was mir der Traum, oder wer auch immer, damit sagen wollte.

Henry musste mich verdammt noch mal so mögen, wie ich bin! Ich sollte mich nicht verstellen, nur um ihm zu gefallen! Wo würde es hinführen, wenn ich ihn gleich von Anfang an belog und mich als jemand ausgab, der ich nicht sein wollte?

Ja, reinlich bin ich von Natur aus und wünsche mir eine spezielle Ordnung, aber es ist doch vollkommen normal, wenn auch mal etwas herumliegt oder staubig ist! Wer zur Hölle achtet denn bitte auf die Deckenlampen, ob diese Staub tragen?! Richtig, keiner! Also warum machte ich mir Gedanken um Dinge, die vollkommen absurd waren? Richtig, aus Angst nicht akzeptiert zu werden. Mein Leben lang wurde mir eingeprägt, dass ich falsch bin, so wie ich mich verhalte. Also bemühte ich mich immer so zu sein, wie man es von mir erwartete.

Doch nach diesem Traum wurde mir bewusst, dass das nicht der Sinn des Lebens ist. Ich musste meine Ansichten ändern und mich so verhalten, wie ich von Natur aus bin.
Nachdem ich das verstand, durchlebte ich den Traum noch ein letztes Mal. Dieses Mal lief alles sehr harmonisch ab. Wir waren alle total aufgeregt auf den angekündigten Besuch, und als die Tür klingelte, machte mein Herz Luftsprünge. Selbst Ean war sichtbar aufgeregt, Henry gegenüberzutreten!

Es dauerte allerdings nicht lange, bis ich erneut den Drang verspürte, die Wohnung zu verändern und zu schrubben, was das Zeug hielt. Im Anschluss bekam ich wieder den passenden Traum.

23.02.2022
In diesem Traum ging alles schief, was schiefgehen konnte. Es war wieder einmal ein Szenario des „ersten Treffens“. Er war in der Nähe, weil er berufliche Angelegenheiten erledigen musste. Ich wirbelte zu Hause herum und putzte, als gäbe es kein Morgen, aber alles endete in einer Katastrophe. Mir fielen ständig Gegenstände aus der Hand. Im Badezimmer fiel mir der volle Mülleimer um, und sein Inhalt verteilte sich über den gesamten Boden. Wattestäbchen, Toilettenpapierrollen – alles lag verstreut. Der Anblick war mir unglaublich peinlich, obwohl diese Gegenstände völlig normal waren. Ich war wirklich tollpatschig unterwegs, so wie ich eben war, wenn ich versuchte, jemanden zu beeindrucken.

Ich sah im Fenster, dass Henry sich auf die Abreise vorbereitete. Verdammte Scheiße! Ich hatte noch kein einziges Wort mit ihm gewechselt, weil ich zu beschäftigt war. Verzweifelt suchte ich nach dem Brief für ihn, fand aber nur die dazugehörigen Fotos.
Als ich den Motor seines Autos hörte, lief ich schnell hinaus. Kurz überlegte ich, ob ich ihm stattdessen den falsch gedruckten Brief in die Hand drücken sollte. Ich hatte mal versucht, den Brief bei der Post ausdrucken zu lassen, doch das Layout war krumm und schief. Warum, konnte sich keiner erklären. Das wäre immerhin besser als gar nichts.

Als ich draußen ankam, stieg er gerade in das schwarze Auto ein und schloss die Tür. Ein Stich ins Herz trieb mich dazu, zu ihm zu rennen. Ich war den Tränen nahe und flehte ihn an, noch eine Minute zu warten, weil ich ihm noch etwas sehr Wichtiges überreichen musste. Er lächelte gespielt, weil er unter Zeitdruck stand, und sagte: „Dann aber schnell. Beeil dich!“
Schließlich entschied ich mich doch dafür, ihm den falsch gedruckten Brief zu überreichen.

Vor lauter Putzwahn hatte ich beinahe die Gelegenheit verpasst, ihn zu sehen. Zu sehr war ich darauf konzentriert, ihn mit oberflächlichen Dingen zu beeindrucken.
Ich musste meine Ansichten wirklich dringend verändern. Wenn ihm nicht gefallen würde, was er sieht, dann sollte es so sein. Mal angenommen, ich hätte alles von meiner To-Do-Liste erledigt und genau das würde ihm nicht gefallen. Damit hätte ich mir selbst einen Schuss ins Bein verpasst, weil ich mich so verstellte, nur um ihm zu gefallen. Ich dachte, Henry würde nur perfektes Material akzeptieren, obwohl ich wusste, dass für ihn das Äußerliche nicht zählte. Er hatte schon viele Beziehungen, und alle Frauen waren wahnsinnig unterschiedlich, sei es in ihrer Figur oder ihrem Lebensstil.

Was wäre also, wenn er genau dieses „normal sein“ gut fand? Wenn nicht alles auf Hochglanz poliert wäre, der Mülleimer nicht nach Blumen roch, die Schubladen nicht wie im Möbelhaus sortiert waren? Ich sollte mich wirklich mehr auf das Wesentliche konzentrieren und nicht darauf, was ich denke, was andere von mir erwarten. Manchmal sollte man halt seine Maske einfach ablegen und sich selbst treu bleiben.

Ich liebe Sauberkeit und Ordnung wahnsinnig, doch auch ich lasse mal etwas liegen. Lampen staube ich vielleicht einmal im Jahr ab, Schubladen sortiere ich bloß, wenn es wirklich nötig ist, Schränke wische ich nur aus, wenn sie wirklich schmutzig sind. Gerade, wenn man ein Kind hat, muss man sich auf gelegentliche Unordnung einstellen. Dreck hat man dann auch deutlich häufiger, auch wenn man Haustiere besitzt. Das ist vollkommen normal, doch hin und wieder schwer für mich zu akzeptieren. Zu sehr versuche ich, allen zu gefallen. Zu sehr sehne ich mich nach dem Titel: „die perfekte Hausfrau“, was ganz einfach an meiner Vergangenheit lag.

Durch Henry fand ich immer mehr zu meinem wahren Ich. Und wisst ihr was? Ich liebte mein wahres Ich! Und es war höchste Zeit, dieses Ich der Welt zu zeigen.

Bei meinen ganzen Tagträumereien stellte ich mir insgeheim auch häufig vor, dass ich irgendwann meine Vergangenheit, alles, was Henry betraf, sowie auch die Gegenwart oder mögliche Zukunft wie ein Buch aufschrieb. Ich dachte daran, dass es großes Potenzial hätte, verfilmt zu werden. Im besten Fall würden natürlich Henry und ich unsere Rollen selbst spielen. Ich meine, ganz ehrlich, wie romantisch wäre es bitte, wenn Henry sich ebenfalls in mich verliebte und wir ein tolles Happy End hätten?! Ich, ein Niemand, verliebt in einen Superstar, schreibe ungewöhnliche Briefe an ihn, er liest sie, wir kommen in Kontakt, er verliebt sich ebenfalls, und wir leben glücklich bis an unser Lebensende zusammen. Hach… So eine schöne Vorstellung! Hihihihi.

Auch nahm ich mir häufig vor, sobald er das nächste Mal in der „Nähe“ wäre, würde ich meine Groschen zusammenkratzen und zu ihm fahren, um ihm noch einmal persönlich den Brief in die Hände zu reichen. Sei es auf einer Convention, bei einer Premiere oder etwas Derartigem. Er befand sich so oft in Madrid, was nicht allzu weit weg war. Ebenso in London, was ebenfalls nicht besonders weit entfernt ist. Doch letztendlich hielt mich immer irgendetwas davon ab, es wirklich zu tun. Ich hatte einfach zu große Angst und nicht den Mut, einen solchen Schritt zu wagen. Ich wollte auch wirklich nicht als verrückte rüberkommen.
Dennoch träumte ich von solchen Möglichkeiten.

Mitte Februar 2022 befand Henry sich in Großbritannien bei Warhammer World. Gott, er war so nah und doch so fern…

22.02.2022
Ich arbeitete beim Catering in der Warhammer World, und Henry war ebenfalls dort. Warhammer war eine seiner Leidenschaften. Er liebte es, und ich liebte es, dass er es liebte. Ihn glücklich zu sehen, machte mich selbst unglaublich glücklich.

Von der Theke aus bewunderte ich ihn, wagte es jedoch nicht, auf ihn zuzugehen. Also war ich gezwungen, aus der Ferne zu starren. Irgendwann musste ich dringend zur Toilette, fand jedoch weit und breit keine. Ich ging nach draußen in der Hoffnung, dort eine Toilette zu finden, wurde aber schnell enttäuscht. Dann sah ich eine riesige Treppe und lief bis zur Mitte hinauf, zog meine Hose herunter und erleichterte mich dort. Passanten starrten mich an. Natürlich war das nicht normal, aber es war wirklich dringend.
Ich ignorierte sie.

Was das mit dem Pinkeln auf sich hatte, keine Ahnung! Vielleicht, weil ich eine sehr schwache Blase habe und ständig pinkeln muss! Doch was der Traum mir damit sagen wollte, hatte ich eine leichte Vermutung. Zum einen machte es mich unheimlich glücklich, wenn er glücklich war und sich in einem seiner Elemente befand. Zum anderen wäre es genauso abgelaufen, selbst wenn ich tatsächlich dort gearbeitet oder mich vor Ort befunden hätte. Ich hätte mich einfach nicht getraut, ihn anzusprechen.

Wann nur würde ich den Mut finden, solch einen Schritt tatsächlich zu gehen? Es gab durchaus Momente, in denen ich voll und ganz bereit war, ihm zu begegnen. Und dann bekam ich absolutes Kopfkino und spielte Szenarien durch, in denen ich den größten Schritt bereits auf ihn zuging.

Oft, sehr oft stellte ich mir vor, an Henry’s Seite zu stehen. Nicht als Bekannte, sondern als seine feste Freundin oder vielleicht sogar seine Ehefrau. Warum als seine Ehefrau? Ich sah einst ein Reel, wo er gefragt wurde, was sein größter Traum wäre. Er antwortete damit, dass er sich eine eigene Familie wünscht. Das löste in mir irgendwie Hoffnung aus. Und das, obwohl ich mir bei der Geburt von Teddy schwor, nicht noch ein Kind zu bekommen. Zu sehr schmerzte die Geburt. Alle Mütter behaupten, dass man diese Schmerzen vergessen würde. Sorry, aber nein! Sie brannten sich in mein Hirn ein, und bei Periodenschmerzen denke ich oft an die Geburt.

Nun, da stand ich in meinem Kopf bereits im Kontakt mit ihm. Doch diese Freundschaft oder auch Beziehung würde große Risiken mit sich bringen. Zum einen würde ich plötzlich unheimlich viel Aufmerksamkeit bekommen, die nicht nur positiv sein würde. Eine Berühmtheit steht stets unter Beobachtung, ebenso der dazugehörige Partner oder die Familie. Paparazzi könnten mich ständig belagern oder abfangen und mich unter Druck setzen, damit ich ihre Fragen beantwortete. Die meisten Medien würden mich so darstellen, als wäre ich nur auf seinen Ruhm und Reichtum aus. Unendlich viele Leute würden mir aus Eifersucht den Tod wünschen. Andere wiederum würden versuchen, mit mir eine Freundschaft aufzubauen, um ebenfalls in Kontakt mit Henry zu kommen, oder einfach nur, um mehr Präsenz in den Medien zu erhalten. Vielleicht würde ich aber auch nicht die gewünschte Aufmerksamkeit von Henry bekommen, nur weil er mich damit schützen wollte. So wäre ich also vergeben, aber einsam, aufgrund seiner Berühmtheit. Er würde mich nur heimlich treffen, somit könnte ich nicht voller Glück in die Welt hinausschreien, dass wir zusammen wären. Versteht ihr, was ich meine?

Würde ich solchem Druck standhalten? Wie oft liest oder hört man, dass manchen der Ruhm nicht gut bekommt und sie einen absoluten Absturz durchlebten. Ich bin hochsensibel, aber gleichzeitig auch ziemlich taff. Ich liebe die Aufmerksamkeit, aber stehe auch gerne abseits. Nachdem ich mir über all das Gedanken gemacht hatte, träumte ich häufig davon, was passieren könnte, sollte es jemals so weit kommen.

06.04.2022
Ich war mit Henry in der Öffentlichkeit unterwegs, und es schien, als hätten wir eine Diskussion geführt. Wir machten einen kurzen Halt, und ich lehnte mich schmollend mit dem Rücken gegen eine Wand, um auf seine Reaktion zu warten. Diese ließ nicht lange auf sich warten. Er stützte seinen linken Arm neben mir ab und beugte sich zu mir hinunter. Selbst wenn ich eigentlich sauer auf ihn war, war und blieb er der unwiderstehlichste Mann auf der Welt…

Willst du DAS wirklich?“ fragte er mich mit einem ernsten Blick, womit er den ganzen Tumult um uns herum meinte. Er sprach vom Mangel an Privatsphäre, von der ständigen Beobachtung, der Kritik und den Anfeindungen sowie den Einschränkungen der Freiheit – all den Nachteilen des Berühmtseins. Wirkliche Ruhe schien es nie zu geben, außer er versteckte sich in den Bergen, mitten im Wald, weit weg von der Zivilisation.

Ob ich das wirklich wollte? Ja! Verdammt noch mal, JA! „Das alles ist mir egal!“ fauchte ich ihn an, den Tränen nahe. Solange ich an seiner Seite sein durfte, würde ich alles auf mich nehmen. Es würde nie einfach sein, aber es war mir egal. Hitze stieg in mir auf. Ich verschränkte die Arme und versuchte, seinem durchdringenden Blick auszuweichen. Dann küsste er mich.
Im nächsten Moment war ich auf dem Weg irgendwohin, und plötzlich vibrierte mein Handy unaufhörlich. Fluchend holte ich es aus der Jackentasche und fragte mich, wer zur Hölle mich mit Nachrichten überflutete. Das, was mir auf dem Sperrbildschirm angezeigt wurde, raubte mir den Atem. Henry hatte mich in einem Beitrag markiert, und daraufhin erhielt ich haufenweise Nachrichten. Nette Glückwünsche ebenso wie Hasskommentare und böse Unterstellungen. Die ganze Welt schien völlig aus dem Häuschen. In diesem Moment fühlte ich mich überfordert. Was sollte ich jetzt tun?

Nun, damit musste ich wohl leben. Schließlich hatte ich gesagt, es sei mir egal.

Was ich glaubte, was der Traum mir damit sagen wollte: Berühmt zu sein hat viele Nachteile. So eine Situation war bloß ein kleiner Vorgeschmack dessen, was mich erwarten würde. Doch ganz ehrlich, ich war bereit all das auf mich zu nehmen, solange ich an seiner Seite sein konnte. Ich könnte ihn bei diesem ganzen Druck unterstützen, so wie er mich immer unterstützte in schlechten Zeiten. Zusammen würden wir das schon irgendwie schaffen. Die Liebe schafft alles!

Es gibt eine Sache, die ich noch gar nicht erwähnte. Ean und ich trennten uns offiziell im November 2021. Das Ganze lief natürlich ziemlich unschön ab, mit viel Streit, Wutausbrüchen und Tränen, allem, was eben dazu gehört, wenn man jemanden betrog und ihn damit bis aufs Mark verletzte. Na ja, also so richtig betrog ich ihn ja nicht. Eigentlich nur in meinen Gedanken, zählt das dann auch? Okay, die Lügen und Zurückweisungen haben natürlich ihren Teil dazu beigetragen, das ist richtig. Sex hatten wir schon länger nicht, weil ich nicht wollte. Als Ausgleich bot ich zwar an, ihn zu befriedigen, doch löste das unglaublichen Ekel in mir aus. Ich wünschte mir so sehr, Henry wäre an seiner Stelle gewesen.

Es war definitiv nicht in Ordnung von mir, so ein falsches Spiel zu spielen. Doch ich sah nicht wirklich eine Möglichkeit, das Ganze zu beenden, ohne einen Rosenkrieg zu entfachen. Egal was ich sagen würde, es hätte Ean sehr verletzt. Und wenn er nicht bei Sinnen gewesen wäre, hätte er mich auf die Straße gesetzt, oder noch viel schlimmer, mir mein Kind entzogen.

Er hatte schon länger eine Ahnung. Je häufiger ich den Satz „Ich will einfach nur meine Ruhe.“ nutzte, desto höher war die Wahrscheinlichkeit, dass irgendetwas nicht stimmte. Je stiller, desto ernster war die Lage. Demnach machte er sich irgendwann auf die Suche nach Beweisen, während ich am Arbeiten war. Schließlich fand er den Brief an Henry und fasste es direkt als Liebesbrief auf. Die Version, die er fand, war aber keineswegs ein Liebesbrief!
Er bezeichnete mich als psychisch kranke Person. Was mir einfallen würde, einen Liebesbrief an einen Schauspieler zu schreiben, wo ich eh niemals eine Chance hätte und für so eine Dummheit die Familie aufs Spiel setzte.
Es schien, als hätte er keine Ahnung, dass ich bereits viele Konsequenzen dieser Sache durchspielte. Doch in keiner dieser Konsequenzen hätte er oder Teddy leiden müssen. Ean liebte mich eigentlich auch nicht so wirklich. Nicht so, wie es sein sollte. Demnach war es bloß sein Stolz, den ich kränkte. Wir haben uns übrigens nicht wegen Henry getrennt! Es gab allerlei gewichtige Gründe, diese Beziehung zu beenden.

Auf der einen Seite hatte er natürlich recht. Aber war ich wirklich psychisch krank, weil ich einen Dankesbrief schrieb und in keinster Weise dort erwähnte, dass ich mich verliebte? Ich denke nicht! Auf der anderen Seite sprach er voller Wut solche Worte aus. Verständlich! Ich hatte ihn extrem verletzt. Weil ich um Verständnis kämpfen wollte, erzählte ich ihm alles, was er wissen musste.

Ich stand kurz davor, mir selbst das Leben zu nehmen, doch dann kam ein Engel und wies mir einen Weg, wie ich Frieden und Glück finden konnte.
Von Liebe sprach ich dort noch nicht, weil ich mir selbst nicht sicher war, was genau ich fühlte. Beziehungsweise wollte ich es mir selbst einfach noch nicht gestehen, weil das eigentlich unmöglich war.

Erst mit der Zeit stellte sich ja heraus, dass ich tatsächlich schwer verliebt war.

Ach und für alle, die sich immer wieder denken, dass ich mich in diese Situation extrem rein steigere: Nein! Oh Leute, glaubt mir, ich habe so viel versucht, nicht an Henry zu denken, keine Videos oder Fotos von ihm zu sehen und habe versucht, so gut es ging, alles abzulehnen. Ich versuchte mir wirklich einzureden, dass alles bloß eine Phase ist!

Doch immer und immer wieder gab es „Zeichen“, die für diese Gedanken und Gefühle sprachen. Immer wieder träumte ich von ihm, was ich nicht beeinflussen konnte. In der Welt draußen erinnerte mich einfach jedes Detail an ihn oder an meine Träume. Er war einfach überall!

Ich sagte mir selbst immer wieder, dass auch ich irgendwann die große Liebe treffen würde, und es nicht Henry war. Auch sagte ich mir, mich nie wieder in etwas zu stürzen, wenn mein Herz mich mit meiner Sirene warnte. Ich wäre viel besser als Single dran, so hätte ich deutlich weniger Dramen! Ich hatte es satt immer wieder verletzt zu werden, nur weil ich mir einredete, den richtigen Partner gefunden zu haben. Ich hatte die Gewalt satt, die früher oder später in jeder meiner Beziehungen herrschte. Ich wollte keinen Mann mehr an meiner Seite, außer meinen Sohn!
Aber verdammt noch mal, es kam eben anders, als geplant!

Ab dem Tudum-Event gab ich schließlich den Versuch ganz auf, gegen meine Gefühle anzukämpfen. Diesbezüglich gab es immer wieder Höhen und Tiefen. Mal schwebte ich auf Wolke sieben und mal zweifelte ich an jeder Sekunde.

Doch ich wusste ganz genau, scheiß egal wie es enden würde, es war so vorherbestimmt!

Irgendetwas verband mich mit Henry. Was genau es war, würde ich bestimmt herausfinden.
Wenn ich von Henry träumte, versuchte ich immer zu ermitteln, was mir der Traum damit sagen wollte. Natürlich haben Träume nicht immer eine klare Bedeutung, aber sie fühlten sich manchmal so real an! Viele meiner Träume bezogen sich auf bestimmte Situationen, die ich kurz zuvor erlebt hatte, oder auf Dinge, über die ich tagsüber nachdachte.

Ich war oft verzweifelt deswegen. Es war beängstigend, wie realistisch meine Träume waren, und es schien, als müssten sie eine Bedeutung haben. Jeder einzelne Traum konnte sich in der Realität bewahrheiten, so echt waren die Handlungen. Natürlich verlor ich mich manchmal in meinen Träumen. Aber sie halfen mir, den Alltag zu bewältigen, selbst wenn er noch so beschissen lief.

In meiner Verzweiflung begann ich später, mich an Traumdeuter zu wenden. Ich wollte einfach nur Bestätigung hören, dass ich mir nichts einbildete, wenn ich selbst versuchte, die Bedeutung aus einem Traum herauszulesen. Ich meine, ganz ehrlich, das Universum schien mir doch etwas mitteilen zu wollen, oder?! Diese Träume konnten doch nicht nur Wunschvorstellungen sein!

Was genau die Traumdeuter mir sagten, werde ich euch bald erzählen. Ich wusste, dass es eine besondere Verbindung gab, aber ich wusste nicht auf welche Art und Weise. Vielleicht würden wir tatsächlich irgendwann zueinander finden. Vielleicht als Freunde, aber vielleicht auch als Paar.
Vielleicht aber auch auf eine ganz andere Weise, die ich mir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht vorstellen konnte.

Häufig hatte ich auch Träume, in denen ich andere Szenarien erlebte, aber ich hatte das deutliche Gefühl, dass Henry stets an meiner Seite war und mir Rückhalt gab. Obwohl ich ihn nicht sah, konnte ich seine Anwesenheit spüren. Dieses Gefühl seiner Nähe war unverwechselbar, wenn er bei mir war.

Und für all diejenigen, die denken, dass ich einfach zu viele Träume habe und von ihnen besessen bin: Nein! Ich versuche, so gut es geht, in der Realität zu bleiben. Doch wer sagt, dass meine Träume nicht irgendwann in Erfüllung gehen? Von heute auf morgen wird es nicht klappen, das ist klar. Es wird eine ganze Weile dauern… Geduld ist oberstes Gebot. Natürlich auch Vertrauen und Durchhaltevermögen.

Da fällt mir spontan ein Song von Selena Gomez ein:


You made me insecure

Told me I wasn’t good enough
But who are you to judge?
When you’re a diamond in the rough
I’m sure you got some things
You’d like to chance about yourself
But when it comes to me
I woudn’t want to be anybody else

You′ve got every right To a beautiful life
Come on
Who says, who says you’re not perfect? ‚
Who says you′re not worth it?
Who says you’re the only one that′s hurting?
Trust me, that’s the price of beauty
Who says you’re not pretty?
Who says you′re not beautiful?
Who says?

Who says you′re not star potential?
Who says you’re not presidential?
Who says you can’t be in movies?
Listen to me, listen to me

Who says you don′t pass the test?
Who says you can′t be the best?
Who said, who said?
Won’t you tell me who said that?
Yeah, who said?
Und so weiter…

Also, wer sagt bitte, dass ich all meine Ziele nicht erreichen kann, nur weil sie unmöglich erscheinen?
Wer sagt, dass ich nicht das Potenzial hätte, einmal an Henry’s Seite zu stehen?
Es gibt auch Geschichten darüber, wie Superstars sich in Fans verliebten, heirateten und immer noch ein Paar sind. Also… meine Chance ist nicht so gering!

Und wer weiß, vielleicht fühle ich bei einer persönlichen Begegnung dann doch anders als gedacht.
Keine Sorge, ich halte euch auf dem Laufenden!

 

 

– Änderungen vorbehalten