Irgendwie, nachdem ich noch hundertmal neu angefangen hatte zu schreiben, fand ich etwas Passendes, womit ich mich auch wohl fühlte. Nennen wir es einen Blog, ein Tagebuch, eine Biographie oder so weiter. Es wurde eine Mischung aus allem, würde ich sagen. Glaube ich. Keine Ahnung!
Nebenbei erstellte ich mir natürlich auch einen neuen Instagram Account. Denn irgendwie musste ich es ja „vermarkten“. Aber ganz ehrlich, diesen Schritt zu gehen und dort irgendetwas zu posten, das kostete mich wahnsinnig viel Überwindung. Um so etwas zu veröffentlichen, wie ich es tat, braucht man wirklich eine ordentliche Portion Mut, die ich eigentlich gar nicht hatte.

An einem Tag, nachdem ich das erste Kapitel fertig geschrieben hatte, war ich ein wenig wütend auf mich selbst. Ich war wütend, dass ich mich verdammt noch mal nicht traute, irgendetwas zu posten. Unglaublich viele Ängste und negative Gedanken gingen mir durch den Kopf. Am meisten fürchtete ich, dass all das irgendwie nach hinten losgeht und ich mich vielleicht komplett blamiere. Aber um herauszufinden, ob ich damit irgendetwas bewirke oder näher an mein Ziel komme, musste ich mutig sein. Von nichts kommt nichts!
Ich überarbeitete den Inhalt des ersten Kapitels noch einige Male, und dann war ich nur noch einen Klick von der Veröffentlichung entfernt. Noch ein paar weitere Klicks, und schon war es auf Instagram in meiner Story gepostet. Allein ein Design für die Story zu finden, war schon eine Herausforderung! Es dauerte auch nicht lange, da sahen die ersten aus meiner Follower Liste meine Story. Und glaubt mir, ich hatte fürchterliches Herzklopfen deswegen! Ehrlich! Gott, ich hatte so krasse Angst vor den Reaktionen anderer… Wow! Dabei war das erste Kapitel noch total harmlos… Das nächste war dann schon ein wenig intimer, mit ein wenig Vergangenheit… Im dritten erzählte ich davon, dass ich mich wohl oder übel komplett verknallt hatte. Und genau ab da bekam ich noch mehr Angst. Ich meine, es ist schon echt wahnsinnig verrückt… Das weiß ich selbst besser als jeder andere! Aber genau so ist es passiert, genau so fühlte ich, genau das dachte ich. Und da ich auf meiner Website, so wie in meinen Briefen, komplett ehrlich sein wollte, durfte ich diese Details nicht verbergen. Immerhin muss man ja auch irgendwie nachvollziehen können, warum ich mich verliebte. Warum ich so fühlte. Warum ich an einem Punkt war, wo ich dem Tod freundlich begrüßt hätte.

Das Allerwichtigste beim ganzen Schreiben war, dass es mir sehr guttat.
Erneut war ich arbeitslos und wusste nichts mit mir anzufangen. Durch diese Website bekam mein Leben ein klein wenig mehr Sinn, weil alles andere einfach nicht gut lief. Und durch das Schreiben verarbeitete ich manche Dinge noch einmal neu, beziehungsweise anders.
Weil ich den Lesern die Chance geben wollte, ihre eigene Meinung zu bilden, schrieb ich vieles ziemlich neutral auf (meiner Meinung nach), aber versuchte dennoch meine Trauer, Wut, Verletzlichkeit und noch viel mehr irgendwie zum Ausdruck zu bringen. Rein theoretisch hätte ich all die Menschen aus meiner Vergangenheit ordentlich beleidigen können. Viele böse Sätze spielten mir im Kopf, während ich über bestimmte Personen schrieb, aber ich behielt sie alle für mich. Das wäre auch einfach nur verkehrt gewesen, und im Nachhinein hätte ich ein schlechtes Gewissen bekommen. Oder man hätte mich dafür belangt…
Meine Geschichte zu veröffentlichen, trägt auch ein wahnsinnig hohes Risiko mit sich. Das wusste ich. Aber dennoch entschied ich mich dafür. Immerhin hatte ich ja auch ein großes Ziel, welches ich mir damit näher bringen wollte! Ob es klappt, sehen wir dann!

Nach und nach schrieb ich, und ungeplant wurde es weitaus mehr, als ich erwartet hatte. Ich bin anscheinend nicht nur persönlich eine Plaudertasche, sondern wohl oder übel auch beim Schreiben. Ich hatte so verdammt viel zu erzählen! Ich musste in super vielen Themen auch eine Menge in der Vergangenheit herumwühlen, was eigentlich nicht so der Plan war. Aber es war gut, dass ich über einiges noch einmal nachdachte, denn so kam ich zu vielen neuen Ergebnissen, die ich vorher nie in Betracht zog.

Nachdem ich mich mit manchen meiner Leser ein wenig austauschte, überkam mich ein ziemlich übles Bedürfnis, meiner Familie einmal ordentlich Leid zuzufügen. Einfach nur so, weil sie mit mir mein ganzes Leben das Gleiche machten.
Eine meiner Leserinnen, die ich aus meiner Schulzeit kenne, brachte mich auf den Gedanken, aus der Familien WhatsApp Gruppe auszutreten. Sie fragte mich auch, warum ich überhaupt noch drin war, wenn es doch eh niemanden interessierte, was in meinem Leben so vor sich ging, wie es meinem Sohn oder auch, wie es mir ging.
Nach dem Drama mit meinem ehemaligen Arbeitgeber, als ich um Hilfe bat, war niemand bereit dazu, wie so oft. Wenn ich kurz erwähnte, wie beschissen es mir gesundheitlich eigentlich ging, interessierte es auch niemanden. Dass alles immer mehr an meiner Psyche kratzte, war ebenso uninteressant für alle. Also… Was erhoffte ich mir, wenn ich weiterhin in der Gruppe blieb?
Ich glaube, ich erwähnte es schon einmal. Ich sehnte mich nach Liebe und Anerkennung, die mir aber immer verwehrt blieb.
Bis heute verstehe ich nicht, warum ich nichts dergleichen bekam, so wie es eigentlich jedes Kind verdiente. All ihre Reaktionen könnten allerdings auch an meinem Verhalten liegen. Immerhin war ich sehr geübt darin, meine wahren Gefühle zu verstecken, und lächelte stets oder behauptete immer, dass es mir gut ging und alles in Ordnung sei. Niemals wollte ich zeigen, dass ich gerade sehr verletzlich war und dringend Hilfe brauchte, denn es interessierte einfach niemanden. Und wenn, dann wurde ich immer als die Falsche hingestellt. Als die Lügnerin, das falsche Miststück, die sich alles so zusammenreimt, wie sie es gerade braucht. In der Öffentlichkeit zeigte ich auch nie, dass ich eigentlich ein totaler Penner war. Niemand sollte je erfahren, wie es mir in Wirklichkeit ging, denn es hätte eh nichts geändert, außer, dass es noch mehr dumme Sprüche mir gegenüber gehagelt hätte.
Wenn ich damals jemandem die Geschichten mit Basti anvertraute, hieß es immer, dass es normal wäre, und ich solle mich nicht so anstellen. Wenn ich über meine Familie sprach, wie ich alles aufnahm oder empfand, hieß es auch, dass das alles ganz normal wäre. Wenn ich über sonst irgendetwas klagte, beispielsweise meine Gesundheit, hieß es auch oft genug, dass ich mich nicht so anstellen solle. Also, wenn ich so etwas immer wieder hörte, wie konnte ich dann meine wahren Gefühle und Gedanken nicht verbergen?

Na ja… Jedenfalls überkam mich dann das Bedürfnis, allen aus meiner Familie mal ordentlich die Meinung zu geigen, ohne mich irgendwie auch nur ansatzweise zurückzuhalten. Es ging auf die Feiertage zu und wenigstens ein einziges Mal wollte ich nicht auf Nachrichten hoffen.
Es gab viele Dinge, die endlich mal ausgesprochen werden mussten. Also schrieb ich einen Brief, der an alle in der WhatsApp Gruppe gerichtet war. Ich schrieb und schrieb und schrieb und wurde immer böser. Aber es tat gut. Ich lachte dabei viel! Aber auf die dreckigste Art.
Selbst wenn ich diesen Brief dann nicht an meine Familie weitergeleitet hätte, war das Aufschreiben schon sehr befriedigend. Während des Schreibens fiel mir auch immer mehr ein, was ich aber nicht alles hinzufügte. Dann wäre es einfach zu lang geworden. Vom Prinzip sollte es ein Weckruf sein und ein Bye Bye.

Die ersten Zeilen waren eigentlich noch sehr harmlos.
Weiter ging es mit meinem ältesten Bruder. Zu ihm hatte ich eigentlich noch nie ein besonders gutes Verhältnis. Wir waren eher Geschwister auf dem Papier als mit Leib und Seele. Und mein Bild von ihm war immer das gleiche. In meinen Augen war er ein absolutes Muttersöhnchen, das immer erst den Rat der Mutter einholte, egal in welchen Themen, bevor er selbst etwas entschied oder tat. An meinen zweitältesten Bruder fühlte ich mich mehr verbunden als mit allen anderen. Man sieht auch ganz deutlich, dass wir Geschwister sind. Ich fand immer, dass er viel zu große Angst vor dem Unbekannten hatte und dadurch bisher keine wirklichen Ziele hatte, beziehungsweise an irgendein Ziel gelangte. Ich versuchte ihm ein wenig Mut zuzusprechen, denn Böses hatte ich für ihn nicht übrig.

Danach richtete ich mich an meine kleine Schwester, in die ich eigentlich viel Hoffnung setzte, dass sie einen Absprung schafft, bevor es zu spät war. Nach wie vor vertraute ich auch darauf, dass sie ein starkes Mädchen ist, das irgendwann ihren eigenen Weg gehen wird, fernab von der Familie.

Weiter ging es mit meinem kleinen Bruder, der meiner Meinung nach völlig verhätschelt wurde, weil bei ihm so manches diagnostiziert wurde, was ich persönlich als Modekrankheit empfinde. Eigentlich habe ich furchtbares Mitleid mit ihm. Er wird niemals alleine oder selbstständig zurechtkommen, weil er bei jedem Pups zu sehr unterstützt wird. Früher oder später wird er die Person sein, die sich ausschließlich mit Online Games in die Außenwelt traut. Meine Meinung…

Dann zu meinem Papa, den ich von allen eigentlich immer am liebsten hatte. Doch egal wie, ich bekam nie das, was ich brauchte. Ich war immer der Meinung, dass er zu sehr im Bann meiner Mutter stand und sich deshalb so verhielt, wie er sich verhielt. Dazu kommt natürlich noch die Dummheit. Es tut mir leid, so etwas sagen zu müssen, aber wenn man sich so verhält aufgrund einer anderen Person, ist man einfach nur dumm… Ich bin fest davon überzeugt, dass sein Leben viel schöner verlaufen wäre, hätte er sich rechtzeitig von meiner Mutter getrennt. Natürlich behaupten alle Seiten das Gegenteil, was auch sonst. Aber ich weiß, dass er durch diesen Stress nicht mehr lange leben wird.

Und dann meine Mutter… Puh! Ich hatte kein einziges nettes Wort für sie übrig. Mir kam nicht mal eins in den Sinn, so sehr verachtete ich sie. Keine einzige schöne Erinnerung kann ich mitnehmen, was unglaublich traurig ist. Es kann sein, dass es welche gab, aber ich erinnerte mich nicht daran, egal wie sehr ich mich anstrengte. Gott… Ich konnte mich einfach überhaupt nicht zurückhalten!

Danach folgte noch Kurzes über meinen Onkel und seine Frau sowie die Eltern meiner Mutter. Zu meinem Onkel konnte ich nicht viel sagen, nur wenige Kindheitserinnerungen fallen mir ein, als er uns Kids babysitten musste. Ich riet ihm noch kurz, dass er seine Frau verlassen sollte, weil sie in meinen Augen genauso hinterhältig und krank war wie meine Mutter, die sie natürlich dabei auch noch bestärkte.

Zum Abschluss erklärte ich noch einmal kurz, warum genau ich diesen Brief schrieb, warum ich so ekelhafte Worte verwendete und wie es mir all die Jahre ging. Ein einziges Mal wollte ich von ihnen gehört werden, was offensichtlich mit Hilfe dieses Briefes funktionierte!
Okay, eigentlich wollte ich sie damit endlich aus meinem Leben streichen, aber tief im Innern wusste ich, dass ich es einfach nicht konnte. Es war immer noch meine Familie, bei der ich sechzehn Jahre lebte, auch wenn ich nie ein richtiger Teil von ihnen war.
Es dauerte ein wenig, jedoch erhielt ich unerwartete Antworten. Mein zweitältester Bruder meldete sich, mit dem ich höchstens zweimal im Jahr schrieb!
Richtung Ende des Briefs bat ich die, die mit mir in Kontakt bleiben wollen, ein Herz via WhatsApp zu senden. So wollte ich herausfinden, wer bis zum Ende gelesen hatte. Tja, einer von allen las tatsächlich bis zum Ende.

Und für alle, die sich fragen, wie ich den Brief in die Gruppe schicken konnte, wenn ich sie doch verlassen hatte – ich war mit meinem alten Handy und meiner alten Nummer noch drin. Das fiel mir erst später auf!

Es war schön, mich mit ihm zu unterhalten, keine Frage! Aber irgendwie graute es mich auch vor dem Telefonat, um das er mich bat. Als es dann so weit war, versuchte ich irgendwie cool zu wirken, was hoffentlich auch klappte. Aber gleichzeitig versuchte ich ihm noch mal zu erklären, warum ich so denke, wie ich denke. Zum Teil konnte er es nachvollziehen. Andere Dinge verstand ich dann durch manche seiner Aussagen auch besser.
Grundsätzlich sagt man ja, dass man nicht urteilen sollte, wenn man nicht beide Sichtweisen kennt. Und ich kann euch sagen, das stimmt! Allerdings war und wird es verdammt schwer sein, meine Sichtweise zu verändern. Da kann man mir noch so viel erklären, wie es aus der Sicht meiner Eltern war.

Für einige ihrer Taten habe ich irgendwie ein wenig Verständnis, jedoch geht mir nicht in den Kopf rein, warum sie so handelten. Ich hoffe, ihr versteht, was ich meine!
Meine Eltern behaupten gerne, dass ich ein rotzfreches Biest in der Jugend war. Was auch stimmt! Sie wunderten sich immer, warum ich mich ihnen nicht anvertraute. Aber den Grund dazu verstanden sie nie.
Ich will nicht sagen, dass Eltern die besten Freunde der Kinder sein sollten, aber auf eine gewisse Weise sollten die Kinder sich ihren Eltern immer anvertrauen können, wenn irgendetwas ist. Und wenn die Kinder es nicht tun, aus welchen Gründen auch immer, lief während der Erziehung irgendetwas gehörig falsch! Meiner Meinung nach.

Wie dem auch sei… Irgendwann meldete sich auch meine Mutter. Ich schlug ihr vor, bevor es wieder ausartete, einfach mal eine Weile so zu tun, als ob nie irgendetwas falsch lief und sich täglich von jedem Quatsch zu berichten. Einfach mal erzählen, wie es einem geht, was man gerade macht und und und. Ich fing an, auch wenn es ihr nicht passte.
Auf manche Dinge kam keine Reaktion. Auf andere kam eine, die mich innerlich kochen ließen. Und dann gab es kurze Momente, in denen ich mir dachte: Ah, ihr geht es also auch so.
Ein ziemliches Hin und Her also.
Irgendwann bekam ich von ihr einen Antwortbrief. Ich las ihn, aber lachte meistens, weil es schlichtweg nicht der Wahrheit entsprach. Ich kann euch sagen, dass ich mit meiner Meinung über viele, viele Momente aus meiner Kindheit oder Jugend alleine dastehe. Das wird auch immer so bleiben, fürchte ich. Aber ich bemühte mich, meine Mutter neu kennenzulernen. Ich bemühte mich wirklich! Rein von den Erzählungen meines Bruders war sie ein komplett anderer Mensch, als ich sie in Erinnerung hatte. Und ich wollte herausfinden, ob es stimmte, was er von sich gab. Also gab ich ihr eine Chance.

Mein Vater allerdings erreichte ich mit meinem Brief eher weniger. Ebenso meine kleinen Geschwister. Das war wirklich verdammt traurig. Für sie war ich wohl oder übel gestorben. Aber wisst ihr was? Es ist okay! Ich komme damit irgendwie klar.
Ich kann euch prophezeien: Irgendwann wird jeder auf Knien ankommen und sich entschuldigen. Sei es, sobald ich reich und berühmt bin oder wenn ich tot unter der Erde liege. Es wird so kommen. Und bis dahin, warte ich einfach ab.
Das gleiche gilt übrigens auch für alle Leser hier, die mich als „Freundin“ bezeichnen. Der ein oder andere darf sich ruhig angesprochen fühlen, wenn ich sage: Haltet euer Wort ein und kommt nicht erst dann, wenn ich plötzlich wichtig bin für diese Welt!

Na ja, ich wollte die kommenden Monate kurz halten. Tut mir leid!
Ich möchte mit anderen Dingen weitermachen und zwischendurch nur mal kurz erwähnen, wie es Richtung Ende 2023 ablief. Ich arbeite derzeit an einem Projekt nebenbei und habe privat auch eine extrem große Veränderung vor mir, die ich euch leider vorerst nicht erzählen kann.

Ich schrieb und schrieb weiter. Ich träumte immer mehr und mehr. Meine Fantasien am Tag übernahmen meine Gefühle. Und verdammt, ich schrieb immer intensiver mit Coby! Erinnert ihr euch an ihn? Der bestestesteste (!) Freund, den man haben kann! Der tollste Mensch auf dieser Welt! Verdammt, ich hab ihn so verdammt gern!
Und ich verliebte mich immer mehr und mehr in Henry. Was für eine Scheiße, Leute, ich euch!
Und klitzekleiner Spoiler: Es gibt noch einen Menschen auf der Welt, wo ich komischerweise genau dasselbe ihm gegenüber behaupte und fühle, wie für Henry. Also, vielleicht ist das mit Henry doch nur reines Wunschdenken? Für mich ist alles irgendwie verdammt seltsam geworden.

Zurück zur Website.
Irgendwie überkam mich später auch das Bedürfnis, meine Briefe sowie die Instagram Nachrichten zu veröffentlichen. Eigentlich ist all das furchtbar peinlich, aber es gehört halt dazu! Wenn ich mich damit blamiere, dann mit Stolz! Ich stehe hinter all meinen Taten und Worten, die Henry betreffen, und wage es nicht, irgendetwas zu leugnen! Niemals! Nicht einmal für ne Million!

Auch mit jedem Post, den ich auf Instagram machte, fand ich irgendwann etwas, was mir gefiel. Ich spielte mit vielen Apps herum, damit es immer besser aussah, wenn ich etwas postete. Ich bekam auch meine ersten richtigen Fans! Gott, ich war so verdammt glücklich deswegen!
Bei vielen Kapiteln musste ich bitterlich heulen. Manchmal vor Glück, manchmal vor Wut und auch Trauer. Ein heftiges Auf und Ab! Immer und immer wieder! Ich bin wirklich verflucht sensibel geworden, das merkte ich häufig.
Meine Tage beinhalteten so viele verschiedene Emotionen, ich wurde quasi wahnsinnig!
In einem Moment schwebe ich auf Wolke sieben, im nächsten will ich jeden Gegenstand in meiner Nähe zerschmettern und nie wieder irgendetwas fühlen, weil es so schmerzhaft sein kann.

In einem Moment bedauere ich alle meine Taten, im nächsten rocke ich durch die ganze Bude und bin stolz auf mich, wie ich alles hinter mich gelassen habe, oder noch wirklich glücklich sein kann.
In einem Moment heule ich vor lauter Liebeskummer, im nächsten singe ich lauthals Justin Bieber mit.
In einem Moment bin ich psychisch total labil und brauche zu viele meiner Medikamente, weil ich mich davor fürchte, dass mich irgendjemand draußen anspricht. Im nächsten Moment könnte ich auf einer Bühne mit einer Million Zuschauern stehen und singen, obwohl ich es nicht kann, einfach weil ich so viel Selbstbewusstsein in mir trage.
Manchmal hielten gewisse Phasen auch etwas länger an. Da plagten mich massig negative Gedanken, Schuldgefühle, Trauer oder ähnliches. Aber dann gab es auch mehrere Tage, an denen ich auf der Straße tanzte, weil ich so verdammt glücklich war mit meinem Leben – abgesehen von den Kleinigkeiten, die ich mit Ean durchmachte, und meiner Arbeitslosigkeit.

Es war alles echt nicht einfach…

Ich unterhielt mich mit noch anderen alten Bekannten über meine Website. Keiner von ihnen hatte jemals eine Ahnung, was tatsächlich in mir oder um mich herum vor sich ging. Demnach konnte ich also verdammt gut schauspielern, wenn man rein gar nichts erkennen konnte!
Ich muss aber auch gestehen, ich fragte häufig auch nach Kritik über meine Kapitel. Oft genug verließ mich irgendwie der Mut, alles weiter zu schreiben. Das ist so verrückt!! Aber ganz aufgeben konnte ich es auch nicht, dafür war es längst zu spät! Immerhin hatte ich auch das kleine Ziel, andere Menschen zu ermutigen, wenn sie lesen, was ich alles durchmachte, und trotzdem hin und wieder verdammt glückliche Tage habe!

Und später unterhielt ich mich tatsächlich auch mit meinem ältesten Bruder. Er überzeugte mich tatsächlich davon, dass er ganz anders war, als ich es immer wahrgenommen hatte, was mich ziemlich erstaunte. Anhand dessen ging ich davon aus, dass ich möglicherweise auch das Gleiche bei meiner Mutter erleben könnte. Vielleicht entwickeln wir ja tatsächlich irgendwann ein tolles Verhältnis. Es würde mich freuen, aber selbst wenn es nicht so kommt, stört es mich nicht so sehr, wie es sollte.

Die nächsten Monate war ich überwiegend eher in depressiver Stimmung. Ich war froh, dass ich nicht ganz so tief im Sumpf versank wie damals, auch wenn ich es oft dachte, aber es zerrte dennoch an meinen Kräften. Ständig und immer wieder ließ mich die ganze Welt spüren, dass ich einfach nicht hierher gehöre. Diese Stadt, dieses Bundesland, vielleicht auch diese Welt. Doch die entscheidende Frage war – wohin dann?
Ich zog aufs Land und war quasi komplett aufgeschmissen und abhängig von Ean, in so gut wie allen Dingen.
Immer wieder ließ er mich spüren, was für ein furchtbarer Mensch ich bin: eine schreckliche Mutter, ein missratenes Miststück, eine falsche Schlange.
Ging es mir nahe? Ja! Gott, ihr könnt euch nicht vorstellen, wie oft ich mich bei Coby ausheulte. Er gab sein Bestes, mich aufzumuntern, aber ich hörte zu wenig auf ihn. Viel zu sehr gab ich den Worten von Ean recht, was natürlich ein großer Fehler war.
Aber da sind wir wieder beim Thema: Redet jeder es dir lange genug ein, glaubst du selbst irgendwann daran!

Richtung Oktober überkam mich, wie jedes Jahr, der totale Halloween Flash. Und in diesem Jahr war es endlich mal schön! Etwa drei Dörfer weiter gibt es jedes Jahr ein Halloween Haus. Ein privates Haus, das übertrieben krass geschmückt und verziert wurde, extra für Halloween. Der Eintritt war kostenlos! Für Groß und Klein war alles dabei. Viele Schrecken lauerten hinter den Ecken, aber jeder achtete darauf, wer um sie herum trat. Waren es Jugendliche, wurden sie ordentlich erschreckt. Da hieß es dann: FRISCHFLEISCH!
Waren es Kinder, wurde Gnade walten gelassen. Einfach nur mega geil!

Ich muss gestehen, Clowns gruseln mich am meisten!
Ean ging als toter Mönch, Teddy als Mini-Scream und ich als tote Nonne. Teddy sah so verflucht süß in seinem Outfit aus! Der Umhang lang und schwarz, die Maske riesig groß.
Das einzige, was ich an dem Tag nicht so toll fand, war, dass ich haufenweise Süßigkeiten gekauft hatte, aber niemand sie anrührte. An unserem Haus ist einfach niemand vorbeigelaufen! Dabei habe ich es von oben bis unten gruselig geschmückt…

Und manchmal wenn ich mal wieder ein kleines Tief mit meinem Ich erlebte, griff ich zu dem Buch, welches John mir empfiehlt hat und ich auch sehr gerne weiterempfehle. Ihr erinnert euch an John? Der ehemalige beste Freund meines Bruders, den ich zehn Jahre ghostete?
„Das Kind in dir muss Heimat finden“ von Stefanie Stahl.
Kein Scheiß, jeder von euch sollte es einmal gelesen haben!
„Wir alle sehnen uns danach, angenommen und geliebt zu werden. Im Idealfall entwickeln wir während unserer Kindheit das nötige Selbst- und Urvertrauen, das uns als Erwachsene durchs Leben trägt. Doch auch die erfahrenen Kränkungen prägen sich ein und bestimmen unbewusst unser gesamtes Beziehungsleben.“

Die ersten Kapitel könnten möglicherweise ziemlich schmerzhaft sein und euch vielleicht ein wenig herunterziehen, aber das, was darauf folgt, lohnt sich definitiv!
Und das Allerwitzigste an diesem Buch war: Ich sollte mich auf etwas konzentrieren, was mich glücklich macht. Sei es ein Gegenstand, ein Hobby oder vielleicht eine Figur – wie Superman! Kein Scheiß, das schrieb sie! Was habe ich gelacht, als ich das gelesen habe! Plötzlich fühlte ich mich ganz kurz bestätigt, dass es definitiv in Ordnung war, mich an ihn zu klammern, wenn es mich glücklich machte.

Gott, und wie dieser Mann mich mit jeder Faser meines Seins glücklich macht. Ich weiß, es ist nach wie vor unmöglich und vermutlich wird sich keiner von euch ansatzweise vorstellen können, was ich fühle. Aber Mann! Auch wenn das jetzt wieder verdammt verrückt klingt, er ist der allererste Mann, mit dem ich mir den Rest meines Lebens vorstellen kann, sowie auch nachts träumen kann.
Habe ich schon mal behauptet, dass ich möglicherweise Basti oder Ean heiraten möchte? Ja. Habe ich es tatsächlich ernst gemeint? Nein. Warum nicht? Ganz einfach, weil mein Herz mir sagte, dass das mein Todesurteil wäre. Viel mehr gibt es da nicht zu sagen. Jedes Mal, wenn dies ein Gesprächsthema war, durchfuhr mich ein Schaudern und alle meine Sinne brüllten ein klares Nein!
Doch mit Henry… Wie viele Träume habe ich euch schon geschildert, in denen ich eine kleine Tochter von ihm habe? Genug. Könnte es reines Wunschdenken sein? Natürlich! Könnte ich es mir trotzdem tatsächlich im realen Leben vorstellen, obwohl ich einst schwor, dass ich niemals wieder ein Kind bekommen würde? Verdammt, ja! Und wie! Weil die Liebe viel größer wäre, als dieser kurz anhaltende Schmerz.
Kann ich mir die unglaublichsten Dinge mit Henry vorstellen? Ja! Habe ich das jemals bei anderen getan? Nein!
Kann ich mir vorstellen, tatsächlich den Rest meines Lebens mit ein und derselben Person zu verbringen, obwohl ich eigentlich so gerne flirte und von anderen höre, dass ich attraktiv bin? Ja, das kann ich definitiv!
Okay… Dieses furchtbar schnulzige Schreiben hier, wow. Ich höre jetzt auf!

Spaß! Natürlich höre ich nicht auf. Immerhin existiert diese Website nur wegen ihm!

Und eine Sache muss ich noch erwähnen.
Als der Trailer zum Film „Argylle“ erschien, tobten meine Gedanken nur so vor Henry.
Lange, lange Zeit war dieser Film „in Bearbeitung“, und nach Jahren erschien endlich ein Trailer. Ihr könnt sagen, was ihr wollt, auch wenn Henrys Frisur in diesem Film absolut grauenhaft ist, bleibt er für mich nach wie vor der attraktivste Mann auf dieser Welt.
Tage über Tage überlegte ich, wie ich es schaffen könnte, diesen Film anzusehen. Ich würde so verdammt gerne ins Kino gehen, weil das Feeling dabei auch anders wäre, aber er wäre halt auf Deutsch… Dabei liebe ich seine Stimme so sehr. Und außerdem, mit wem sollte ich gehen? Ean? Auf keinen Fall! Alleine rausschleichen und die Mittagsvorstellung gucken? Hm… Nein, auch nicht. Und zwischen all meinen Überlegungen wusste ich, dass demnächst eine neue Chance für mich kommen würde, Henry endlich zu treffen. Ich schrieb es noch auf Instagram! Doch ich wusste auch, dass ich diese Chance nicht wahrnehmen könnte. Tja, wie es das Schicksal so wollte, kam diese Chance, und ich konnte sie nicht nutzen. Er war auf einer Premiere-Tour und landete für ein paar Tage in London. London ist nicht weit entfernt von mir! Aber man, wie zur Hölle sollte ich dorthin fahren? Sollte ich mein letztes Geld opfern für eine Unterkunft und die Reise? Das wäre nicht besonders klug gewesen. Ean hätte sofort diese Gelegenheit genutzt und sie gegen mich verwendet. Dann würde es heißen, dass ich absolut verantwortungslos bin, weil ich Hals über Kopf nach London fahren würde, um den Schauspieler zu treffen, für den ich schwärme, und dann mein Kind und ihn einfach zurücklassen würde. Ihr denkt jetzt, dass das doch in Ordnung wäre und dass er doch der Papa ist und auch mal drei Tage ohne mich auskommt? Ha! Guter Witz! Vielleicht könnte er es, aber will er es denn? Wer putzt? Wer kocht? Wer kümmert sich um alles? Korrekt, niemand.
Also saß ich stattdessen einfach nur so da und weinte bitterlich, während ich die Premiere via Reels auf Instagram ansah…
Wie viele Chancen hatte ich mittlerweile? Zehn? Manchmal glaube ich, dass es wirklich einfach nicht sein sollte, egal wie sehr ich es mir wünschte.
Es brach mir einfach nur das Herz.

Von dem Tag an, an dem der Trailer veröffentlicht wurde, war dieser Film auch permanent und überall präsent, in irgendeiner Form. Meistens durch Dua Lipa. Ihre Songs laufen seit Monaten rauf und runter im Radio. Gott, wie neidisch ich doch bin, dass sie an seiner Seite stehen konnte. Dass er mit ihr im Film getanzt hat! Himmel, dieser Kerl tanzt nicht gerne, nur mal so nebenbei erwähnt! Auch wenn es nur für Geld war, ich wäre gern an ihrer Stelle gewesen.
Aber gut, das sind ja alles Wünsche und Träume!
Vielleicht, vielleicht auch nicht. Irgendwann. Ich halte euch auf dem Laufenden!

 

 

-Änderungen vorbehalten