Ich will euch mal die Wahrheit sagen, warum es genau mit mir und Ean nicht geklappt hat.

Den ersten Grund, dass es nicht mehr funktioniert, kennt ihr bereits – die verschwiegenen Schulden.
Das zweite Mal wurde ich im Stich gelassen, als ich dringend eine Auszeit vom Baby brauchte.
Das dritte Mal wurde mir bewusst, dass ich für alles, was schief lief, verantwortlich gemacht wurde.
Das vierte Mal, als Ean Corona anschleppte, sich aufführte, als würde er sterben, und ich mich ansteckte, bat ich ein einziges Mal um Hilfe, bekam sie jedoch nicht.
Das fünfte Mal, als er mir gegenüber handgreiflich wurde.
Das sechste Mal, als ich wieder für alles verantwortlich gemacht wurde.
Das siebte Mal, als ich erneut um Hilfe bat, und sie wieder nicht bekam.

Das waren eigentlich viel zu viele Anzeichen dafür, dass diese Beziehung keine Zukunft hatte. Jedoch nahm ich es einfach zu spät wahr. Es hätte rein theoretisch alles anders und besser laufen können. Aber wie so oft hörte ich nicht auf mein Herz, sondern nur auf den Kopf und meine Naivität.

Das erste Mal brauche ich euch eigentlich nicht noch einmal zu erklären, denn das tat ich schon. Für die, die es nicht mehr wissen: Ean versteckte einen monströsen Berg an Schuldenbriefen und wurde aufgrund dessen verhaftet.

Beim zweiten Mal hatte Teddy einen der berühmten Wachstumsschübe. Teddy brüllte und weinte ununterbrochen. Nichts, rein gar nichts, hat geholfen, und irgendwann war ich am Ende meiner Kräfte. Jede Mutter weiß, die ersten Monate sind die härtesten. Es wird eigentlich erst einfacher, wenn das Kind sprechen und sich genau ausdrücken kann, was genau schmerzt. Teddy hatte definitiv Schmerzen, ich wusste nur nicht genau, wie ich ihm helfen konnte. Das einzige, was tatsächlich ein wenig Abhilfe schaffte, war das Herumtragen. Und wehe, ich habe mich hingesetzt!
Ich sage euch, es war die pure Hölle… So toll es auch ist, ein Baby zu haben, so kann es gleichermaßen das Gegenteil sein.

Ich sage es immer wieder: Kinder sind ein Segen und Fluch zugleich.
Irgendwann kam ich an den Punkt, an dem ich Ean um Hilfe bat. Ein einziges Mal wollte ich länger als eine Stunde am Stück schlafen, alleine auf die Toilette gehen, den Haushalt ohne Kind in der Trage erledigen und einfach mal einen Moment Abstand zum Kind haben.
Als er dann merkte, wie anstrengend und nervenaufreibend alles mit einem Baby ist, besonders, wenn es durchgehend brüllt, war er tierisch wütend.
Ich muss gestehen, ich hatte unfassbare Schadenfreude, wenn er überfordert war. Endlich sah er mal, wie scheiße anstrengend es ist! Aber auf der anderen Seite wäre ich gerne sofort zu Teddy gerannt und hätte wieder die Betreuung übernommen. Mir kam es vor, als hätte Ean absolut null Ahnung von seinem eigenen Kind. Er fragte viel zu viele Dinge, die er längst hätte wissen müssen. Wo liegt welche Kleidung, wie wickelt man, warum brüllt er jetzt, warum muss er Bäuerchen machen, wie liegt er beim Fläschchen geben richtig, und so weiter. Fragen, die er in den ersten Monaten hätte selbst beantworten können, beziehungsweise gar nicht erst fragen dürfen, hätte er sich ein klein wenig mehr um seinen Sohn gekümmert.
Um es mal hart auszudrücken, er hielt es nicht länger als zwei Stunden mit Teddy aus. Erst viel später erklärte er sich mal bereit, eine Nacht pro Woche zu übernehmen. Was ich auch wirklich toll fand! Es war wirklich schön, das Bett mal für sich alleine zu haben. Teddy schlief von Anfang an mit bei mir auf der Couch. Zum einen, um das nächtliche Füttern zu erleichtern, zum anderen, weil ich ihn einfach bei mir haben und beschützen wollte. Er war so unglaublich winzig. Mit sechs Monaten hatte er gerade mal die Größe eines normal geborenen… Und gefühlt trug er bis er ein Jahr war höchstens zweiundsechzig. Also er war wirklich, wirklich winzig! Und für alle, die es nicht wissen, normalerweise tragen Einjährige schon locker sechsundachtzig.
Jedenfalls regte sich Ean immer mehr darüber auf, dass er so viel Teddy übernehmen sollte. Auf der einen Seite hatte ich Verständnis, weil er täglich dreizehn Stunden aus dem Haus war und danach noch von mir genötigt wurde einzukaufen oder lange Spazieren zu gehen. Auf der anderen Seite hatte ich absolut überhaupt kein Verständnis, weil verdammt noch mal, er war der Vater und durfte sich durchaus auch um seinen Sohn kümmern! Nur weil ich arbeitslos und zuhause war, hieß es nicht, dass ich alles alleine machen musste! Versteht ihr, was ich meine?

Beim dritten Mal flatterte die Nachzahlung vom Vermieter herein. Wegen der Summe wurde ich für alles verantwortlich gemacht. Schließlich saß ich den ganzen Tag zuhause, würde alle Geräte permanent laufen lassen, und vor allem die Heizung überall und durchgehend auf volle Pulle laufen lassen. Er hatte kein Verständnis dafür, dass man nicht bei Minusgraden die Heizung nur lauwarm lassen konnte, wenn ein Neugeborenes im Haus war. Dass Wäsche nicht innerhalb eines Tages trocknen konnte, wenn es zu frisch im Raum war. Dass der Fernseher lief, damit ich wenigstens irgendeine Unterhaltung hatte, weil ich ganz alleine war.
Natürlich verstand ich auch seine Wut. Aber es ist ganz normal, dass die Kosten höher sind, wenn man zu dritt, anstatt alleine, irgendwo wohnt! Und dazu drängte ich ihn dazu, den Vermieter endlich mal zu seinen Pflichten zu zwingen. Die Wohnung und das Treppenhaus hatten viel zu viel Schimmel, alle Fenster waren undicht und das Dach hatte ein Loch. Ean hätte sich längst um seine Rechte als Mieter kümmern müssen. Hätte er das eher getan, wäre die Nachzahlung auch nicht so hoch gewesen. Schließlich heizten wir auch für draußen. Alle Heizungen befanden sich direkt unter den Fenstern. Undichte Fenster und Heizung darunter, ergibt was? Richtig. Kalte Räume, trotz Heizen, und eine fette Nachzahlung.
Aber die Hauptsache war ja, dass er mich dafür verantwortlich machte. Irgendwer musste ja schließlich den Buhmann spielen.

Beim vierten Mal schleppte Ean Corona mit ins Haus. Jeder weiß, diese Monate waren einfach nur schrecklich… Jeder hat darunter gelitten, auch wenn er sich nie infizierte!
Ich selbst muss leider betonen, ich hielt von Corona gar nichts. Weder hatte ich Angst davor, mich anzustecken, noch verstand ich den ganzen Wirbel darum.
Um es kurz und knackig zu erklären: Es sterben genauso viele Menschen an einem Schnupfen, an einem Magen-Darm-Virus, an Übergewicht, und so weiter. Corona war für mich nichts anderes als eine normale Grippe. Eine Grippe erwischt den einen härter als den anderen. Das hat ein Virus so an sich! Auch Menschen mit einem bomben Immunsystem könnten durch Corona mal mehrere Wochen ausfallen oder gar sterben. Es gibt aber auch Menschen, wie mein Sohn, ohne Immunsystem, die diesen Virus mit links überstehen! Versteht ihr, was ich meine? Ich hatte null Verständnis dafür, dass so eine üble Panik darüber verbreitet wurde. Wenn jemand daran starb, dann sollte es so sein. Wenn nicht, dann eben nicht! Das war übrigens auch ein übles Streitthema zwischen meiner Familie und mir. Während sie alle sich von der Panik haben mitreißen lassen, blieb ich entspannt und reagierte sehr kühl. Ein Virus kann, aber muss nicht bei jedem tödlich enden.
Außerdem war dieser Virus auch einfach nur ein Zeichen dafür, dass die Erde an totaler Überbevölkerung litt. Wenn wir nicht so viele wären, wären nicht so viele gestorben oder hätten sich angesteckt. Das ist leider die Wahrheit. So steckte Ean sich also irgendwo an und litt fürchterlich. Ich betüddelte ihn von vorne bis hinten, schmiss alles alleine und sorgte dafür, dass er schnell genesen konnte.
Leider Gottes mussten Teddy und ich eine Woche später ebenfalls einen Test machen lassen, und nur wenige Stunden danach zeigten wir dann auch Symptome. Teddy hatte eine knappe Woche lang hohes Fieber, und nur ein klein wenig Husten. Ich hingegen hatte, so wie Ean, gleich volles Programm, was mich aber nicht daran hinderte den Haushalt zu schmeißen und zu kochen, oder auch mit dem Hund spazieren zu gehen.
Und dann gab es einen Tag, da bat ich Ean das Kochen zu übernehmen, weil mir der Schwindel zu schaffen machte. Ihm passte es nicht so wirklich, dass er kochen sollte. Und noch weniger passte es ihm, dass ich den Topf von der vorderen Platte auf die hintere schob, ohne Kommentar. Plötzlich flippte er total aus, und ich wusste nicht wieso. Er schrie, er packte mich, er war einfach nur total aggressiv drauf. Der angebliche Grund war, weil ich den Topf auf die hintere Platte schob und ihn dadurch ja bemuttern würde. Das tat ich nur, weil, Kleinkind, was mittlerweile an den Herd ankam, und heißer Kochtopf vorne an, ergibt was? Kann man verhindern, wenn man einfach die hintere Platte benutzt. Das war für mich kein großes Thema, für ihn allerdings schon.
Letztendlich ließ er das Kochen bleiben und ich tat es, obwohl mir so schwindelig war. Für mich war das Verschieben des Topfs kein Grund so auszurasten. Da gibt es auch kein Wenn und Aber. Das war das erste Mal, dass er mich deutlich grober anfasste. Und vor allem noch, total unnötig so behandelte.

Das fünfte Mal beinhaltete deutlich mehr Gewalt. So sehr, dass ich mit Teddy ins Kinderzimmer flüchtete, zitterte vor Angst und Eans großen Bruder um sofortige Hilfe bat.
Wir hatten den ganzen Tag bereits über belanglose Dinge diskutiert, und irgendwann eskalierte alles. Wir warfen uns, wie immer, Dinge vor, die vor hundert Jahren geschahen, wie wir uns verhielten, welche Sätze fielen, und so weiter – typisch für einen intensiven Streit. Zusätzlich war auch Henry ein großes Thema.
Ich erinnere mich nicht mehr genau daran, worüber wir sprachen, aber ich flüchtete auf den Balkon und warf die Tür mit ordentlichem Schwung zu, um irgendwo meine Wut auszulassen. Wenige Sekunden später folgte Ean mir und würgte mich. Er drückte mich gegen die Wand und drohte mit allen möglichen Dingen. Ich schrie um Hilfe, was natürlich von niemandem erhört wurde. Teddy stand währenddessen keine drei Meter entfernt von uns und weinte bitterlich.
Irgendwann ließ Ean von mir ab und ging zu Teddy. Ich versuchte mich kurz zu fangen und ging hinterher. Ean durfte in diesem Zustand auf gar keinen Fall Teddy in den Arm nehmen. In diesem Moment hätte ich ihm absolut alles zugetraut, auch dass er Teddy anging, nur weil er weinte. Ich wollte Ean mein Kind abnehmen und am liebsten die Wohnung verlassen. Nach kurzer Rangelei schaffte ich es, ihm Teddy abzunehmen. Später drohte Ean mir mit noch viel mehr Dingen. Er würde mich umbringen, ich wäre selbst daran schuld, ich hätte ihn ja so provoziert. Er würde mir das Sorgerecht für Teddy entziehen, er würde dafür sorgen, dass ich in die Klapse käme – wegen Henry. Er gab allen Menschen Recht, die mich niedermachten. Er ließ mich keine Sekunde mehr in Ruhe.
Später wollte ich Teddy zum Schlafen bringen und machte es dieses Mal ganz anders, weil ich mich so fürchtete. Eigentlich stand ich auch noch unter Schock, weil Ean mich würgte. Ich legte mich mit in Teddys Bett und überlegte, wie ich weitermachen konnte. Ich musste definitiv ausziehen, so viel war sicher. Am besten sofort. Oder Ean sollte gehen. Ja, Ean. So kontaktierte ich also seinen großen Bruder mit der dringlichen Bitte, dass sie ihn abholen sollten, und schilderte kurz die Situation. Ich weinte bitterlich und war völlig verzweifelt. Dass Ean so weit ging, hätte ich niemals erwartet. Sein Bruder konnte ihn nicht abholen, würde aber Teddy und mich gerne aufnehmen. Irgendwie war diese Antwort ganz schön hart. Eans großer Bruder würde eher die Freundin und das Kind, als seinen eigenen Bruder aufnehmen? Wow. Natürlich warf ich Ean das dann auch vor. Er hatte diese Antwort definitiv verdient. Außerdem sollte er wissen, wie egal er seiner Familie ist, weil er sich so verhält, wie er sich verhält. Das sollte ihm wehtun, und das tat es auch.
Letztendlich blieb alles so, wie es war. Jedoch war mir bewusst, dass ich dringend Pläne schmieden, mich übers Sorgerecht erkundigen und generell um einen Auszug kümmern musste. Eigentlich wollte ich in Harmonie auseinandergehen. Aber ich war mir sicher, nach diesem Tag, war es nicht mehr möglich. Zu sehr schaukelten wir uns gegenseitig hoch, um den anderen zu verletzen. Das, was mich verletzte, waren Aussagen wie, dass ich psychisch gestört wäre und weggesperrt gehörte. Und dann all das, was meine Träume über Henry betraf. Es zog mich wirklich sehr runter. Da hatte ich etwas gefunden, was mich am Leben erhielt, und dann warf man es mir auch noch vor. Und das aller Schlimmste war, dass Ean mir mein Kind entziehen wollte. Ean kümmerte sich nach wie vor nicht viel um seinen Sohn. Eigentlich übernahm ich alles. Ean war höchstens für gelegentliche Fahrten zu Terminen da. Kita, Essen, Schlafen und alles, was bei einem Kind sonst so anfällt, übernahm ich. Wie sollte Ean also alles alleine schaffen, wenn er nach wenigen Stunden Betreuung schon genervt und überfordert war?
Ean betonte später sehr stark, dass er solch einen gewalttätigen Ausraster als Jugendlicher zuletzt hatte und ich daran schuld wäre, dass er wieder so geworden war. Eigentlich hatte er sich geschworen, nie wieder so auszurasten.

Das sechste Mal betraf wieder eine Nachzahlung. Immer, grundsätzlich immer, wenn wir finanzielle Schwierigkeiten hatten, war ich daran schuld. Weil ich mir ja so viel Schrott kaufte, so viel verbrauchte, so viel wegschmiss und so weiter. So auch bei dieser Nachzahlung, die mal eben viertausend Euro betrug. Wieder war ich alleine daran schuld, weil ich ja viel mehr zuhause war als er. Weil ich die Heizungen überall aufdrehte. Weil ich so lange und zu heiß duschte. Weil ich das Radio den ganzen Tag laufen ließ. Weil ich, weil ich, weil ich.
Aber auch da gab es das gleiche Problem wie vorher. Das Fenster, das am größten war und sich im größten Raum befand, worin ich schlief, war undicht. Der Wind zog durch die ganze Wohnung. Eine Tür hatte das Wohnzimmer auch nicht, womit die Heizung nicht nur ein, sondern mehrere Zimmer, plus draußen heizte. Was ist also das Ergebnis, wenn das Fenster undicht ist, und eine Tür ebenfalls nicht vorhanden ist? Richtig, hohe Kosten. War es wirklich meine Schuld? Eher nicht. Aber auch da hatte Ean kein Verständnis dafür und machte mich einfach nur für sein schlechtes Leben verantwortlich.

Das siebte Mal war wieder dann, als ich um Hilfe bat. Es ist immer das Gleiche… Noch ein Grund, warum ich einfach so ungern um Hilfe bitte… Immer, wenn ich jemanden um Hilfe bitte, dann brauche ich auch wirklich Hilfe, und dann ist es auch kein Spaß mehr. Doch selten wird mir dann tatsächlich geholfen. Es endet immer gleich. Immer werde ich für alles verantwortlich gemacht, was schief läuft. Immer wieder redet man mir ein, dass es ausschließlich an mir liegt. Immer wieder werde ich als kranker Mensch dargestellt, nur weil ich Panikanfälle habe. Immer wieder, wenn ich einen Panikanfall hatte, brauchte ich einen Moment Ruhe und einfach nur liebevolle Unterstützung, und keine Vorwürfe, wie verrückt ich doch wäre, und dass ich mich nur anstelle.

All solche Dinge habe ich in meinem Leben immer und immer wieder neu erlebt. Vor allem die Gewalt. Und ich bin es langsam wirklich leid. Immer und immer wieder werde ich als Fehler bezeichnet. Bin ich wirklich ein so furchtbarer Mensch?

Wisst ihr, es tut mir wirklich sehr weh, wenn mich jemand als tatsächlich verrückt und krank darstellt. Für jede meiner Verhaltensweisen habe ich immer triftige Gründe. Mir ist schon so viel Schlechtes passiert, dass ich bei manchen Dingen einfach anders reagiere, wie andere.
Wenn euch jemand anlügt, lacht ihr Monate danach darüber. Wenn mich jemand anlügt, kann ich dieser Person niemals verzeihen oder wieder vertrauen.
Wenn euch mal jemand am Arm packt, war es vielleicht, weil die Person euch zu sich heranzog und küsste. Wenn mich jemand am Arm packt, denke ich direkt an Gewalt. Weil, wann packte mich mal jemand am Arm, ohne mich danach seelisch fertig zu machen oder mir körperlichen Schaden zuzufügen?
Wenn euch jemand zärtlich übers Knie streichelt, findet ihr es toll und liebt diese Art von Zuneigung. Wenn mir jemand ans Knie fasst, denke ich direkt an die Situation, wo der Kerl neben mir sich einen runterholte und kriege das Schaudern. Was dann aber keiner verstehen kann, dass ich es nicht mag. Und dann werde ich wieder so hingestellt, als wenn ich übertreibe.
Wenn in eurer Familie jemand euren Geburtstag vergisst, seht ihr es der Person nach. Manchmal vergisst man nun mal etwas. Wenn jemand meinen vergisst, fühle ich mich ausgestoßen, ungewollt und als große Last.
Wenn ihr eure Rechte beim Arbeitgeber einfordert, werden sie als stark und mutig betitelt. Wenn ich es mache, heißt es, ich übertreibe und dass man so behandelt wird, wäre normal.
Wenn ihr eure Bude täglich putzt und immer ordentlich haltet, wird es als super und organisiert empfunden. Wenn ich es mache, heißt es, ich wäre zu penibel, und krank in der Birne.
Wenn ihr euch verschuldet, und diese Rechnungen erst Jahre später bezahlen könnt, hat man Verständnis. Weil ich meine Rechnungen seit bald zehn Jahren nicht zahlen kann, werde ich als unselbstständig hingestellt. Was aber keiner bedenkt ist, dass ich von meinem Hungerlohn auch überleben muss. Und das, was ich in all den Jahren an Monatslohn bekam, dafür würden andere nicht einmal morgens aufstehen.
Wenn ihr jemanden bittet, zu einem Termin begleitet zu werden, wird es als niedlich empfunden und gerne hilft man euch. Wenn ich aber jemanden frage, werde ich als unselbstständig dargestellt.
Wenn ihr einen einzigartigen Traum träumt, und es jemanden erzählt, finden es alle schön. Wenn ich ihn träume und erzähle, werde ich als psychisch verrückt bezeichnet. Als Träumerrin, Irre, und dass ich mir zu viel einbildete.
Oder, wenn ihr einen Liebesbrief schreibt, finden es alle süß und romantisch. Wenn ich einen schreibe, bilde ich mir weiß Gott was ein und werde erneut als kranke Frau hingestellt.

Versteht ihr, was ich meine?
Ist es dann nicht klar, dass ich mir Dinge aus meinen Träumen so sehr wünsche und auch so stark daran hänge?

Ich bemühe mich wirklich immer, an das Gute in den Menschen und in der Welt zu glauben. Aber jeden Tag aufs Neue erlebe ich die schlechten Seiten. Zu gerne würde ich meine fünf Sachen packen und abhauen, irgendwohin, wo kein Mensch mich oder meine Vergangenheit kennt.
Es gibt genug Leute, die behaupten, ich würde vor meinen Problemen flüchten. Aber kaum einer sieht, dass ich täglich mit all meinen Problemen konfrontiert werde und immer an sie denke und auch an einer Lösung arbeite. Keiner kennt meinen tatsächlichen Alltag oder gar meine kompletten Gedanken, was meine Probleme betrifft.
Ein kleiner Appell an euch: Hört auf Menschen zu verurteilen. Ihr habt keine Ahnung, womit sie tatsächlich kämpfen.

Wenn Ean und ich heftig streiten, endet es meistens mit der Aussage, dass ich ausziehen soll. Ohne mich wäre alles leichter, und natürlich würde er alles auch wunderbar alleine schaffen.
Aber die tatsächliche Realität bedenkt er nicht. Er ist bereits genervt, wenn er mal den Müll rausbringen soll. Er dreht schon durch, wenn er das Kind betreuen soll, weil ich arbeiten muss. Er ist schon genervt, wenn er mal kochen soll. Er ist genervt, wenn ich nicht mittags mit dem Hund spazieren gehe.
Wenn ich ausziehe, ist all das sein alleiniges Problem. Denn ich werde bestimmt nicht täglich in seine Wohnung fahren, um den Haushalt zu schmeißen, zu waschen, zu kochen, das Kind zum Schlafen bringen oder mit dem Hund spazieren zu gehen. Er wünscht sich oft, dass ich einfach aus seinem Leben verschwinde. Aber was die Konsequenzen davon sind, bedenkt er nicht.
Was ich eigentlich alles erledige, bedenkt er nicht. Was ich eigentlich alles von ihm dulde, bedenkt er nicht. Dass er sich oft wie ein Single-Teenager verhält, bedenkt er nicht. Dass seine Aufgaben eigentlich nur Arbeiten, nachmittags auf sein eigenes Kind aufpassen, gelegentlich mit dem Hund spazieren gehen und hin und wieder Kleinigkeiten im Haushalt sind, bedenkt er nicht. Denn sein Blickwinkel ist ausschließlich, dass ich nur Teilzeit arbeite, gefälligst alles rundum den Haushalt, Kind und Hund schmeißen muss und sehr wohl alleine einen Wocheneinkauf tätigen kann.
Und genau diese Sichtweise macht mich oft so wütend. Das alles ist unglaublich oft Streitthema. Wenn ich aber drohe, all das, was ich eigentlich mache, einfach mal sein zu lassen, würde sich für ihn angeblich nichts ändern. Sollte ich es tatsächlich tun, wäre die Konsequenz, dass die Wohnung aussieht wie bei Messies und unglaublich krass verdreckt wäre, inklusive Käfern zwischen all den Müll, und dass weder Essen auf den Tisch kommt, noch das Kind richtig bespaßt wird oder der Hund genug Auslauf bekommt.

Es ist schon wirklich krass, wie wenig das gewürdigt wird, was ich eigentlich alles mache. Für den einen mag es nicht viel sein, aber es sind alltägliche Dinge, die verpflichtend sind und nicht innerhalb von fünf Minuten erledigt sind. Hinter all dem steckt Unmengen an Arbeit, die sich täglich wiederholt. Sehr selten versteht Ean das.

Es gibt Tage, da verstehe ich Eans Handlungen und Reaktionen. Aber dann gibt es Tage, da lasse ich mir so etwas einfach nicht bieten. Da ist das ganze Verhältnis zwischen uns toxisch und unglaublich narzisstisch. Wenn ich ihm das aber an den Kopf werfe, behauptet er, dass ich die Narzisstin von uns wäre und er ja bloß das unschuldige Lamm.
Ich bin es leid. Ich bin es wirklich leid.

Und weil privater Stress nicht ausreicht, kommt der vom Job noch oben drauf.
Die letzten Wochen, wo ich noch im amerikanischen Laden arbeitete, wo ich mal nicht gerade krank zuhause war, ließ sich der Chef kaum noch blicken. Es schien mir, als hätte er Angst vor mir. Angst vor dem, zu was ich alles fähig war, wovon ich schon beim Einstieg groß posaunte.
Es ist kein Witz, wenn ich sage, dass kein Arbeitgeber mit mir spielen sollte. Ich kümmere mich mit Freuden um Recht und Ordnung. Aber man nimmt mich nie ernst.
Ich fing auf der Arbeit an, Vorbereitungen zu treffen. Vorbereitungen, falls mein Chef alles auf die schmutzige Art beenden will. Ich verlor kein Wort mehr über meine Überstunden oder restlichen Urlaubstage, die mir zustanden. Ich war nur noch auf das Geld aus, was mir am Ende zustand. Ich brauchte es, und noch viel mehr hatte ich es definitiv verdient. Nebenbei sortierte ich das Lager, um meinen Chef, falls nötig, auffliegen zu lassen.
Ich erwähnte ja mal, dass wir abgepackte Candytüten verkauften. Es dauerte nicht lange, da fand ich heraus, dass die Süßigkeiten, die sich darin befanden, bereits seit Monaten, teilweise sogar Jahre, abgelaufen waren. Nun, damit machte mein Chef sich strafbar, und das wusste er. Es war also unsere Aufgabe, Abgelaufenes neu zu verpacken und ein Datum darauf zu setzen, was noch lange in der Zukunft lag. Je länger, desto besser. Da durften wir frei wählen. Und genau das tat mein Chef auch mit vielen anderen Produkten. Leider aber nicht nur mein Chef, sondern auch die allerliebste Vollzeitkollegin.
Als ich einst die Getränke neu ordnete und sortierte, fiel mir auf, dass die eine Sorte bereits seit vier Monaten abgelaufen war. Die Haltbarkeitskontrolle war nicht meine Aufgabe, sondern die der Frühschicht und Vollzeitkollegin. Tja, die erste Amtshandlung der Vollzeitkollegin, nachdem ich sie darauf hinwies, war, dass sie sich alle Getränke schnappte, ins Lager ging und überall das Datum abkratzte. Ich war wütend. Ich war wirklich heftig wütend und wäre ihr am liebsten an die Gurgel gesprungen, das habe ich sie auch deutlich spüren lassen. Sie wollte Ärger vom Chef vermeiden, da sie eh so viel Ärger bekam. Sie hatte die Verantwortung für solche Aufgaben und kam dem nicht nach. Aber darunter leiden sollten am Ende die Kunden. Stellt euch mal vor, ein Baby oder ein sehr kranker Mensch hätte dieses Getränk getrunken, und genau diese Flasche wäre tatsächlich gekippt. Wer würde dann dafür geradestehen? Vermutlich keiner.
Was mich im Nachhinein am meisten ärgert, ist, dass ich es nicht gemeldet habe. Aber anders betrachtet, hätte ich dadurch vermutlich noch eher diesen Job verloren, als bloß zum Vertragsende. Konnte ich das in dem Moment riskieren? Nein.
Meine süße Lisa erzählte mir sogar, dass ein Produkt der Einzelverkaufsprodukte sogar bereits zwei Jahre abgelaufen war.

Ehrlich, je mehr ich sah, je mehr ich hörte, desto wütender wurde ich. Und desto größer plante ich meinen Abgang. Denn ich war mir bereits sicher, dass mein Vertrag nicht verlängert wurde. Mein Chef ging auf keine meiner Fragen diesbezüglich ein. Er meldete sich nur, um eine Krankmeldung von mir zu verlangen oder um zu erfahren, wann ich wieder arbeiten konnte.

Das, was mein Chef da teilweise abzog, war wirklich heftig. Eigentlich gehört sein Laden geschlossen und er auf ewig bestraft. Aber gut, das ist nur meine Meinung.

Dass ich zum Buhmann wurde, fing an mit dem Gespräch eines ehemaligen Lagermitarbeiters. Danach hatte mein Chef mich auf dem Kieker. Er fing an, mich ebenfalls über die Kameras zu beobachten, was er natürlich nicht hätte tun dürfen. Genau das ist strafbar, und mich wunderte es schwer, dass noch nie ein Mitarbeiter dahinter her war. Auch der Lagerjunge wurde durch Kameras am Tisch beobachtet, wie er mir erzählte. Dadurch entstand die Geschichte meines Chefs, dass Mitarbeiter schon mal einfach Netflix schauten, anstatt zu arbeiten. Nun, die eigentliche Geschichte dahinter war aber, dass es seit Wochen keine Arbeit mehr gab. Keine Bestellungen, keine Lieferungen, und es war bereits mehrfach alles geputzt. Es war nur noch reines Zeitabsitzen, die er sich mit Netflix versüßte. Auf die Bitte hin, Überstunden abbauen zu können, bis neue Ware eintraf, ging der Chef nicht ein. Also, ich verstand ihn.
Was ich nicht verstand, warum mein Chef ihn am Computer beobachtete, via Kamera. Der Lagerjunge wusste es, und nahm es so hin. Ebenso meine Vorgängerin. Auch sie wurde durch die Kameras beobachtet und ermahnt, warum sie herumstand, anstatt zu arbeiten. Sie verließ einfach den Laden, ohne etwas dagegen zu tun oder um künftige Mitarbeiter zu schützen. Und wieder stellt sich die Frage, warum tat keiner etwas dagegen? Aber gut, Gott sei Dank war ich ja nun da und konnte zukünftige Mitarbeiter schützen.

Und dann hätten wir noch das Problem mit der Kasse und meiner Vollzeitkollegin.
Es gab einige Wochen, da brannte die Hütte durchgehend. Gern erklärte ich mich bereit, früher und länger zu arbeiten, auf Wunsch meines Chefs.
Wofür ich aber absolut kein Verständnis hatte, und was mich zur Weißglut brachte, ist folgendes.
Sobald meine Schicht begann, wurde ich an die Kasse verdonnert. Was natürlich kein Problem war, eigentlich. Doch als es, nach Aussage der Vollzeitkollegin, hieß, sie selbst sollte ausschließlich Kundenberatung übernehmen, und nichts anderes, wurde ich wütend. Nicht unbedingt, weil sie nur diese eine Aufgabe machen sollte, sondern weil Kunden und die Regale litten, und sie bloß da stand und nichts tat. Von mir wurde erwartet, dass ich den kompletten Laden alleine schmiss, die Regale schön und ordentlich hielt und kassierte. Was mein Chef aber auch deutlich durch die Kameras sah, dass die Regale immer leerer und unordentlicher waren, alles aussah wie Sau, die Kassenschlange bis nach hinten durch ging, die Kunden sich wegen der Wartezeit beschwerten, und ich keinen Meter von der Kasse wegkam, weil bereits der nächste Kunde abkassiert werden wollte. Und für all das bekam ich den Ärger!
Irgendwann kam ich an den Punkt, an dem ich meine Kollegin anpöbelte, dass sie ihren Arsch gefälligst mal an die Kasse bewegen sollte. Alle Kunden befanden sich an der Kasse und sie beobachtete einfach nur die Tür, ob ein neuer käme, anstatt den Kundenwünschen nachzugehen, weil die sich schon wunderten, wieso sie nicht eine zweite Kasse öffnete.

An einem Abend platzte mir dann die Hutschnur, und ich schrieb meinem Chef. Ich fragte ihn, ob es wirklich nur diese eine Aufgabe war, die die Kollegin übernehmen sollte, anstatt im Interesse der Kunden zu handeln und sich auch mal an die Kasse zu bewegen, oder wenigstens aufzuräumen. Denn das Aufräumen blieb natürlich auch an mir hängen. Sie hingegen sollte meine Kasse dafür abrechnen.
Irgendetwas war faul, das spürte ich. Die Antwort war, dass es tatsächlich nur die eine Aufgabe war, was mich nur noch wütender machte. Mein Chef testete mich, und wie erwartet rastete ich aus. Ich verstehe wirklich solche Handhabungen nicht, im Ernst! Man wurde mehr als ungerecht behandelt. Und ihr könnt mir sagen, was ihr wollt, es ist nicht Standard! Man darf durchaus seinen Mund öffnen und für Recht und Ordnung sorgen!

Und auch als ich die Probleme mit der Kasse ansprach und erneut betonte, dass merkwürdigerweise die Kasse immer stimmte, seitdem die Vollzeitkollegin nicht mehr daran stand, geschahen merkwürdige Fehler. So urplötzlich.
Beim einen Mal sollte ich angeblich zehn Euro minus reingehauen haben. Bei den fünf Kunden, die den ganzen Tag über den Laden betraten. Beim anderen Mal fehlten fünfzig Euro. Angeblich hätte ich mich dort auch verrechnet, bei den wenigen Kunden, die an diesem Tag kamen. Doch der wahre Grund dieses Minus war, dass mein Chef es darauf anlegte. Denn beide Male war er kurz an meiner Kasse, um Geld zu wechseln. Und beide Male weiß ich, auch ohne Beweise zu haben, nahm er einfach Geld heraus. Nur, um mir eins reinzuwürgen. Okay, beim einen Mal nahm er heraus, beim anderen Mal versteckte er den Schein hinter der Kassenlade.

Puh… Leute, die Wut wurde immer größer. Ich spürte unglaublichen Hass. Und er musste definitiv bezahlen, für all seine Taten. So konnte es auf keinen Fall weitergehen.

Aber mal im Ernst, warum passiert mir so etwas immer?

Ich merkte mir jedes Produkt, welches bereits seit Ewigkeiten abgelaufen war. Ich versteckte im Lager die originalen Verpackungen der neu verpackten Süßigkeiten. Ich schrieb jede einzelne Minute für Überstunden auf. Ich sprach mit Stammkunden. Ich plante schon alles, was nach meinem Vertragsende passieren würde.
Alles, wofür ich meinen Chef belangen konnte. Inklusive der Pflicht, eine zweite Toilette einbauen zu lassen, weil später zwei Geschlechter dort arbeiteten.
Ach ja, mein Ersatz sollte übrigens der Sohn meines Chefs werden. Und das, obwohl eine Anzeige geschaltet wurde, dass er eine Verkäuferin auf Teilzeitbasis suchte, zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Nach dieser Anzeige hatte ich auch meine Bestätigung, dass mein Vertrag nicht verlängert wurde.

Zusätzlich stand noch der Umzug ins Haus vor der Tür. Wochen vorher kündigte ich ihn an, reichte meinen Urlaub ein und hoffte darauf, dass wenigstens ein Umzug in meinem Leben normal ablief.
Natürlich ging alles in die Hose. Denn Lisa hatte zur gleichen Zeit ebenfalls Urlaub eingereicht, und ihrer wurde eher bewilligt, als meiner. Schließlich war Kinderbetreuung wichtiger, als ein Umzug… Auch das machte mich wütend. Ich kündigte den geplanten Urlaub bereits im Januar an und ihr fiel erst im März auf, dass sie dort Urlaub brauchte… Ich mochte Lisa wirklich gerne, aber das war ein klein wenig ungerecht.

Wenige Tage, bevor der neue Mietvertrag begann, konnten wir schon ein wenig ins neue Heim transportieren. Viel konnte es nicht sein, viel zu viel brauchten wir für den Alltag. Das hieß also, das schwere Zeug musste bis zum 01.04. warten.
Eigentlich war geplant, dass ich die Woche vor und nach dem Vertragsbeginn des Hauses Urlaub nahm. Damit wenigstens einmal alles entspannt ablief.
Grundsätzlich, wenn ich irgendwo einziehe, muss ich ja das neue Heim gründlich putzen. Es muss meine persönliche Reinheit haben, egal wie sauber es vorher schon war. Tja, da ich aber keinen Urlaub bekam, lag es an Ean, alles alleine zu bewältigen, was natürlich mehr wie unnötiger Stress war.

Der neue Ort war wirklich wunderschön, wahnsinnig ruhig und sehr ländlich. Das hatte aber auch Nachteile. Dort fuhr sehr unregelmäßig eine einzige Buslinie weg. Und mit dem brauchte ich auch entweder zehn oder fünfzig Minuten zum nächsten Bahnhof. Je nachdem, um welche Uhrzeit ich den Bus nehmen würde.

Der Umzug war mehr als Stress. Wir mussten es irgendwie schaffen, an einem einzigen Tag alles von A nach B zu transportieren. Teddy konnten wir glücklicherweise zu Eans Vater bringen, was wenigstens ein wenig entlastete. Mein geplantes Putzen lief auch nur nebenher, je nachdem, was als nächstes transportiert werden musste. Wir litten wirklich hart unter diesem Stress, aber es lohnte sich.

Natürlich hatte ich zu der Umzugszeit auch noch sechs Tage Wochen. Und zusätzlich wurde ich auch noch regelmäßig eher zur Arbeit zitiert, weil angeblich so viel los war und die Vollzeitkollegin nicht alles alleine schaffte. Ehrlich, mir kam es vor, als würde mein Chef es mir noch schwerer machen wollen, als es eh schon war. Und das, obwohl mein Urlaub im Januar mündlich bestätigt wurde…
Natürlich hätte ich mich auch krankmelden können, aber wollte ich das? Wollte ich es auf mir sitzen lassen, all das nicht unter einen Hut zu bekommen? Nein! Ich wollte taff sein und alles ohne Unterstützung schaffen!

Und all diesen Stress machten auch keine erneuten Henry-Träume wieder weg.

12.04.23
Wir befanden uns auf einer kleinen Feier. Alle waren in Schale geschmissen. Ich alberte und scherzte mit Nathalie herum und gab mein Bestes, dass es ihr nicht auffiel, wie sehr ich in Henry verknallt war. Schließlich waren die beiden ein Paar und ich nur eine Freundin. Und obwohl ich mich so bemühte, merkte ich, dass absolut jeder in diesem Raum über meine Gefühle Bescheid wusste. Dann unterhielt ich mich mit einer mir fremden Dame, mit der ich ebenfalls herumalberte, und wir sprachen übers Boxen. Ich ahmte einige Boxübungen nach, worüber herzlich gelacht wurde. Henry trat hinter mich und korrigierte meine Haltung und positionierte meine Arme so, wie man es beim Boxen tat, und führte mit meinen Armen langsam die korrekten Bewegungen aus. Er stand so nah an mir, dass ich seine Körperwärme und seinen Atem spüren konnte. Ich spürte, wie ich hoch rot anlief und hätte mich am liebsten verkrochen. Nathalie beobachtete alles, und Henry kicherte, was mich nur noch mehr in Verlegenheit brachte. Es schien, als ob Nathalie und ich dicke Freundinnen gewesen wären.

19.04.2023
Ich konnte mich nicht mehr genau erinnern. Ich wusste nur noch, dass Nathalie und ich etwas gemeinsam unternahmen und uns über alles austauschen konnten, als wären wir beste Freundinnen.

Mir kam es schon irgendwie merkwürdig vor, dass Nathalie immer häufiger in meinen Träumen erschien.
Aber gut, es beschäftigte mich auch sehr, dass sie an Henrys Seite stand.

Und mir fällt immer wieder neu auf, je mehr ich mich mit jemandem streite, desto lieber flüchte ich in meine Tag- und Nachtträume.

Ist das etwas Falsches? Ich denke nicht. Schließlich helfen sie mir, all dieses abgefuckte Leid zu überstehen…

-Änderungen vorbehalten