Springen wir noch einmal kurz zurück zu Juni 2022.

Ihr erinnert euch, dass ich auch den Gedanken hegte, etwas für, beziehungsweise von Henry zu zeichnen?
Warum genau?
Das hatte ein paar mehr Gründe. Zum einen wollte ich einfach mal ein kleines bisschen Lob hören, dass ich gut malen konnte, und es mir auch selbst beweisen, wie gut ich darin war, und zum anderen wollte ich versuchen, irgendetwas zu malen, was ausdrückt „hören-sehen-vertrauen“. Also das, was mir widerfahren ist.

Das „hören“ steht für dieses innere Gefühl, diese Stimme, welches mich zu so vielen Entscheidungen drängte, was Henry betraf. Ich erhörte es, und vieles wendete sich zum Guten.
Das „sehen“ steht für die merkwürdigen Zeichen, die ich erlebte und sah, die mich irgendwie mit ihm verbunden haben.
Das „vertrauen“ steht für meine Träume, so merkwürdig sie auch sein mögen. Ich sollte einfach mal Vertrauen haben, wohin mich diese Träume und Wünsche führen, wenn ich ihnen nachging.
Welche Träume sind denn nicht ein bisschen verrückt? Aber wenn man fest genug daran glaubt, könnten sie wahr werden. Auch muss man einfach mal Vertrauen in sich und sein Können haben. Manchmal entstehen dadurch Wunder. Versteht ihr, was ich meine?

Hätte ich damals nicht auf diese innere Stimme gehört, nach den ersten Träumen, wäre ich vielleicht nicht mehr hier. Ich hätte nie mit Sport angefangen und mein Leben verändert, ich hätte mich niemals irgendwo auf Jobs beworben. Ich hätte immer noch eine total toxische Beziehung mit Ean, ich hätte, ich hätte…
Hätte ich diese merkwürdigen Zeichen nicht wahrgenommen, hätte ich vielleicht die nächsten zwanzig Jahre nicht mehr von Herzen gelacht. Ich hätte so merkwürdige Dinge auch niemals jemandem anvertraut. Ich hätte vielleicht auch nie den Mumm gefunden, mal zu versuchen, Panikanfälle ganz ohne Tabletten zu überstehen. Denn wenn ich gerade dazu neigte, sah ich häufig einen merkwürdigen Zufall, und somit war es nur noch halb so schlimm. Ich hätte, ich hätte…
Hätte ich nicht angefangen, an all diese komischen Dinge zu glauben und dem Schicksal zu vertrauen, an die Träume, die ich träumte, an das Gefühl, welches in mir aufblühte, wenn ich ihn sah, wäre ich immer noch voll im depressiven Sumpf. Und so weiter…

Also grübelte ich Ewigkeiten hin und her, was ich zeichnen könnte, was diese drei Wörter ausdrückten. So dummes Zeug wie ein Auge, ein Ohr und so etwas wie betende Hände wäre total unspektakulär und so rein gar nicht kreativ.
Als ich einfach zu keinem vernünftigen Ansatz kam, entschloss ich mich, das Internet zu fragen. Auch da kam nicht wirklich etwas bei raus. In Facebook Gruppen ebenso wenig. Freunde waren irgendwie auch keine wirkliche Hilfe. Schämt euch, für so wenig Fantasie! Hihi.
Nichts, was mir vorgeschlagen wurde, entsprach meinen Vorstellungen. Ich sah vor meinen Augen ein unglaublich tolles Bild, aber konnte es weder in Worte fassen, noch irgendwie auf Papier bringen.
Ein Mädchen, zusammengekauert sitzend auf dem Boden, umhüllt von Dunkelheit und Scherben, und sie sah in eine bestimmte Richtung – zu einem Ritter in schwarzer Rüstung, umgeben von hell strahlendem Licht, voller Wärme, Liebe und Glück.
Irgendwie so etwas halt… Ach, keine Ahnung! Halt irgendwie auch genau das, was mir geschah, versteht ihr?

Also ehrlich, ich habe eine wahnsinns ausgeprägte Fantasie, die keine Grenzen kennt, aber das brachte mich zum Verzweifeln. Über Facebook bekam ich einen Hinweis, einen Wolf zu zeichnen. Er drückt Vertrauen aus.
Zufall? Henry war ja schließlich auch häufig in Form eines Wolfes bei mir. Na ja… Konnte es mir auch wieder einbilden. Ich suchte weiter, und weiter, aber fand absolut nichts, rein gar nichts, was mir auf die Sprünge half. Und weil ich daran dauerhaft scheiterte, setzte ich diese Idee auf Eis. Vielleicht würde mir ja etwas in den nächsten Monaten einfallen…

Falls einer von euch eine Idee hat, gerne her damit!

Im Dezember 2022 wurde ich auf der Arbeit mit Lob überschüttet. Im Ernst! Egal, was ich tat, selbst wenn ich nur gepupst hätte, hätte man mich gelobt! Gott, es tat so gut, endlich diese Anerkennung zu bekommen, und ich genoss es so sehr…

Es gab immer mehr Tage, an denen die Vollzeitkollegin eher nach Hause geschickt wurde. Nicht unbedingt, weil sie Überstunden abbauen sollte, sondern weil sie durchgehend schlechte Arbeit ablieferte. Zumindest wollte man mich in diesem Glauben lassen.
Ich sollte alles, wirklich alles, ganz alleine erledigen. Immer wieder fragte ich mich, warum die Vollzeitkollegin behalten wurde, wenn sie doch nur schlechte Arbeit leistete. Es ging mir einfach nicht in den Schädel, warum sie so wahnsinnig schlecht war, obwohl sie seit Jahren dort arbeitete. Ich musste allen immer so viel erklären, auch dem Chef, wie etwas besser und schneller ging, wie etwas schöner aussehen würde, mehr Aufmerksamkeit bekäme oder einen sinnvolleren Platz bekäme. Ebenso erklärte und verbesserte ich die Arbeit am Computer. Viele, wirklich sehr viele Fehler fielen mir auf, je häufiger ich daran saß. Einmal mit Profis… Es war eigentlich kein Wunder, dass mich Kunden als Inhaberin bezeichneten.

Dieser Monat war mein absoluter Höhepunkt in dem Job, auch wenn ich privat so viel zu verarbeiten hatte. Dieses Lob kam mir unheimlich gelegen, um all das Schreckliche zu verdrängen.
Wie gesagt, ich kämpfte immer wieder viel mit mir selbst und all dem Dreck, der mir noch am Fuß klebte und sich einfach nicht entfernen ließ. Ich dachte mir, dass ich diesen Höhepunkt endlich mal verdient hätte. Wenigstens ein einziges Mal für das geliebt zu werden, was ich tat.

Aber eigentlich war ich auch ziemlich dumm.
Wiedermal steckte ich zu viel Zeit in meinen Job und ließ dafür andere Dinge, wichtigere Dinge, auf der Strecke. Wiedermal hörte ich häufig nicht auf meinen Körper und gab ihm Ruhe, wenn er sie benötigte. Wiedermal tat ich deutlich mehr, als ich musste, oder dafür bezahlt wurde. Also wiedermal gab ich alles, was in meiner Macht stand, um den Laden am Laufen zu halten und neue Kunden zu gewinnen.
Ich tat gefährliche Dinge, spielte teilweise mit meinem Leben, nur um für den Chef zu glänzen. Meine eigene Aussrede zu solchen Taten war dann: „Wenn ich deswegen sterben sollte, dann soll es so sein. Und wenn ich nicht sterbe, dann hat das Schicksal noch etwas für mich vorbereitet.“
Oder auch: „Dann hat dieses ganze Elend endlich ein Ende!“
Ich überlegte mir in meiner Freizeit verschiedene Projekte, die mehr Profit einbringen könnten. Ich bot meinem Chef an, in meiner Freizeit zu seinem anderen Laden zu gehen, um dort für Klarschiff zu sorgen. Ich telefonierte in meiner Freizeit mit meinem Chef, nur um über die nächsten Arbeitstage zu sprechen. Ich zeichnete in meiner Freizeit mögliche neue Stände, worin die Kleidungsstücke besser präsentiert wurden, oder was man mit Europaletten alles basteln konnte, anstatt sie wegzuwerfen. Ich holte mir in anderen amerikanischen Läden Inspiration, was wir in unserem Laden noch alles anstellen konnten. Und so weiter… Ich sagte ja, ich kann ein Traum für jeden Arbeitgeber sein. Und das alles für den Mindestlohn! Wie dumm kann man nur sein…

Ich war mit Leib und Seele rund um die Uhr nur beim amerikanischen Laden. Auf der einen Seite war es gut, auf der anderen Seite schlecht. So konnte ich meinen Lasten entfliehen und mich ablenken. Ich bekam Worte zu hören, die mir über Jahre hinweg nie ein einziger Mensch gab. Ich fühlte mich endlich gebraucht, unersetzbar und vor allen gewollt.

Aber so blieben, wie gesagt, andere Dinge auf der Strecke…
Ich hätte mich so viel mehr um Wichtiges kümmern müssen.

Ich hätte die Wohnung renovieren können, weil mich der Anblick so nervte.
Ich hätte Teddys Zimmer neu gestalten können mit Wandmalereien und somit auch ein wenig meiner künstlerischen Ader geholfen, beziehungsweise einfach mal ein wenig geübt, mit dem Freimahlen. Ich hätte mich um eine Privatinsolvenz kümmern müssen.
Ich hätte mich mehr um meine Oma bemühen müssen.
Ich hätte mich mehr um Freunde in der Nähe kümmern müssen, denn noch immer hatte ich nirgendwo Anschluss gefunden.


Ich weiß ja nicht, aber irgendwie kam mir absolut jeder vor, als hätte er einen Stock im Arsch. Wie gesagt, ich komme aus einer Großstadt, da geht alles nun mal ein wenig asozialer zu. Sorry, not Sorry! Was ich hier schon immer bemerkenswert fand, war die Höflichkeit. Aus meiner Heimatstadt kannte ich es nicht, dass Fremde sich auf der Straße untereinander grüßten. Wobei es mir manchmal ziemlich auf den Senkel ging, wenn mich jemand ansprach und Smalltalk halten wollte. Da kommt das Stadtkind in mir heraus.
Aber obwohl diese Höflichkeit hier gang und gäbe war, konnte ich nie Freundschaften aufbauen. Auch nicht mit anderen Eltern aus dem Kindergarten. Keine Ahnung, was genau das Problem war, sie kamen mir alle einfach merkwürdig rüber. Oder man konnte sich einfach nicht mit ihnen unterhalten, weil sie kein Deutsch sprachen. Das soll jetzt nicht komisch klingen, aber das erschwert es mir deutlich, eine Bindung zu diesen Menschen aufzubauen.

Und wenn ich mal in ein tieferes Gespräch mit einer anderen Mutter kam, verhielt sie sich irgendwann plötzlich komisch. Komisch im Sinne von, sie starrte mich mit merkwürdigen Blicken an. So leicht angeekelt, als hätte ich mein Gesicht mit Scheiße eingeschmiert. Ehrlich, Leute… Was stimmte nicht mit mir, dass ich einfach keine Freunde fand? Vielleicht lag es auch an meinem Kleidungsstil. Ich trage gerne auffällige, aber dennoch unauffällige Kleidung. Nichts, was jeder Zweite trug. Dinge, die sich sonst keiner traut zu tragen, wie zum Beispiel mein weißer langer Mantel.

Ich war einst der sozialste Mensch überhaupt, und nun fand ich nicht mal eine einzige Freundin. Nicht einmal eine Bekannte, mit der ich mal einen Kaffee trinken konnte. Oder mal ein Spieledate machen konnte, mit den Kindern.

Vielleicht war es auch meine Ausstrahlung. Oder meine Nase…
Irgendwie war ich auch einfach nicht bereit dazu, eine echte Freundschaft aufzubauen. Zu viel hatte ich erlebt, was ich weder einem zukünftigen Freund erzählen wollte, noch würde ich es ertragen, wenn man ein wenig Geschichte über mich hörte und mich dann als verrückt abstempelte.
Ja, ich war durchaus irgendwie verrückt. Ja, ich kämpfte mit Depressionen und Panikattacken. Aber war das ein Grund, mich nicht als Freundin haben zu wollen?
Oft dachte ich daran, wie unfassbar beschissen diese Gesellschaft geworden ist. Jeder verurteile jeden, egal in welchem Moment man in sein Leben trat. Wisst ihr, manchmal sollte man erst Hintergründe kennen, bevor man über irgendetwas urteilt. Wie ich oft erwähne, habe ich für alle meine Taten immer einen triftigen Grund. Zuerst mag es für viele völlig übertrieben sein, total kindisch, oder auch mal überholt. Aber wenn man meinen Hintergrund kennt, meine Gedanken und Gefühle währenddessen, dann sollte man alles durchaus nachvollziehen können. Aber gut, vielleicht denke ich da als Einzige so.

Und während ich mir Gedanken darüber machte, keinen Anschluss zu finden, ging ich häufig zurück in meine Kindheit und Jugend, was Freundschaften betraf.
Wann hatte ich denn jemals echte Freunde? Jetzt mal so ganz ehrlich?
Meine allererste beste Freundin verlor ich aus den Augen, als wir auf getrennte Schulen gingen und sie später umzog.
Meine zweite beste Freundin verlor ich auch, weil ich mich einfach nicht für Fußball begeistern konnte und ich ein großes Missverständnis mit ihrer Mutter hatte. Und mal so unter uns, ich hasse Fußball. Es ist für mich weder ein richtiger Sport noch finde ich es interessant. Alle auf dem Feld sind totale Heulsusen, und keiner davon ist für mich ein richtiger Mann! Auch hier, Sorry, not Sorry!
Kurz zur Erläuterung: Ich durfte mit ihr in den Urlaub fahren, auf einen Bauernhof. Oh mein Gott, ich liebte es da abgöttisch! Der Geruch, die Tiere, keine menschliche Seele weit und breit, einfach alles! Ich hatte bloß total Angst vor den großen Schweinen. Alter, die waren drei Meter hoch und acht Meter lang! So kam es mir vor! Und sie waren so laut, wie ein Flugzeug! Aber gut, ich war ein kleiner Gnom, da kam mir alles riesig vor.
Irgendwann gingen wir Süßigkeiten einkaufen. Die Mutter meiner Freundin sagte mir, ich dürfte mir ein Gummibärchen Tütchen aussuchen, jeder von uns bekäme eins. Gesagt, getan. An der Kasse bekam ich lautstarken Ärger, was mir einfiel zu glauben, dass sie mir eines der Tütchen bezahlte. Ich wäre unerhört, frech, und was ich mir einbildete. Nur ihre Tochter bekäme eins, ich jedoch nicht, denn sie zahlte für mich schon zu viel. Puh… Ehrlich, ich weinte und fühlte mich extrem schlecht, obwohl ich sie daran erinnerte, dass sie es mir angeboten hatte. Danach hatten wir immer weniger Kontakt. Vielleicht war das auch besser so!

Dann hatte ich erst wieder eine beste Freundin in der achten Klasse. Marie (nennen wir sie mal so) und ich waren gleich, aber dennoch unterschiedlich. Wir kamen beide aus einer Großfamilie, besaßen nicht so ein Vermögen wie alle anderen aus der Klasse, waren nicht unbedingt die hellsten Schüler und hatten viel Schwachsinn im Kopf. In ihrer Familie wurde ich aufgenommen, wie ihre fünfte Tochter. Ich sprach schon einmal von ihr, falls ihr euch erinnert. Noch hinzugefügt: Eine Weile wohnte ich bei ihnen, dann zerstritten wir uns und hatten lange Zeit keinen Kontakt mehr.

Bei Marie fühlte ich mich das erste Mal nicht verstoßen, nachdem meine Eltern nicht besonders schöne Dinge über ihre Familie sagten. Nun, es war halt eine türkische Familie, wo es eben ein kleines bisschen anders zuging als in meiner deutschen. Ich fand es bei ihr immer viel schöner als bei mir. Dort wurde viel mehr erlaubt, mehr Wünsche erfüllt, und im Allgemeinen ging es dort viel liebevoller zu. Marie hatte noch drei kleinere Schwestern. Und auch wenn es dort zwischendurch oft ordentlichen Krawall gab, herrschte eine tiefe, sehr enge Bindung. Sie waren immer füreinander da, egal um was es ging. Okay, außer jemand wollte sich den Lieblingspudding des anderen klauen, da eskalierte es mal kurz.

Vor ihrem Vater hatte ich immer ein wenig Angst. Aber nicht die schlimme Art von Angst, sondern eher großen Respekt. Seine Stimme war sehr laut und tief. Beinahe jedes Wort sah ich als Drohung an, auch wenn es keine war. So ein Organ war mir neu, aber bei ihnen nichts Außergewöhnliches. Die Mutter sah ich oft als meine Ziehmutter an. Sie unterstützte mich in vielen Dingen, wo meine Eltern mich unterstützt hätten müssen. Oft fühlte ich mich dort besser aufgehoben als bei mir zuhause.
Ihre Mutter bot mir einst an, mit in den Urlaub zu fahren, zusammen mit allen. Voller Freude berichtete ich meinen Eltern davon, doch sie lehnten ab, obwohl sie keinen Cent hätten bezahlen müssen. Die Begründung war, dass ein kleines deutsches, blondes Mädchen nichts in der Türkei zu suchen hätte. Diese Aussage fand ich wirklich unter aller Sau und ließ es meine Eltern in der folgenden Zeit auch deutlich spüren. So war eben meine Art.
Obwohl die Aussage ziemlich übel klang, nahm die Mutter meiner besten Freundin es nicht böse auf. Sie hatte Verständnis dafür, schließlich kannten sie sich untereinander nicht. Aber auf Kontaktversuche gingen meine Eltern auch nicht wirklich ein. Sie wollten einfach nichts mit dieser Familie zu tun haben.
Ach ja, und nebenbei bemerkt: Die Familie von Marie kannte die Eltern meines Vaters. Ihr Brautmodenladen lag in unmittelbarer Nähe, wo meine Großeltern wohnten, und so liefen sie sich ständig über den Weg, als ich sie miteinander bekannt machte. Zu der Zeit absolvierte ich gerade für ein paar Monate dort ein Praktikum. Auch die Schwester meines Opas stand regelmäßig in Kontakt mit ihnen.

Oft kam es mir auch so vor, als ob Marie bloß geduldet wurde, wenn sie bei mir zuhause sein durfte. Ich will meine Eltern nicht in schlechtes Licht rücken, aber manchmal sollte man offener sein für andere Kulturen. Nicht alle sind gleich. Nicht alle tun nur schlechte Dinge.
Aber gut… Auch wenn meine Eltern sie nicht ausstehen konnten, blieben wir Freunde. Marie begleitete mich in vielen schlechten Situationen und gab mir nötigen Halt. Dafür bin ich ihr ewig dankbar. Wir hatten viele schöne gemeinsame Jahre miteinander, und irgendwann kann ich ihr vielleicht auch all das zurückgeben, was sie mir einst gab.
Nachdem ich wieder mit Basti zusammenkam, verloren wir uns. Ich verstand, warum sie wütend war, aber ich ließ mich blenden und war einfach verknallt. Da macht man nun mal hin und wieder Dummheiten, wie zum Beispiel sich zu entschließen, zu einem gewalttätigen Menschen zurückzukehren.
Nach der neunten Klasse verloren Marie und ich uns auch ein wenig. Da ich in die Partyszene abrutschte und sie weiterhin zur Schule ging, hatten wir verschiedene Pläne für die Zukunft.

Während meiner Partyzeit bekam ich eine neue beste Freundin. Allerdings war sie eher ein sehr schlechter Umgang für mich. Sie überredete mich damals, mein Dispo vom Konto auszunutzen und dreihundert Euro ins Minus zu gehen, damit ich mir den nächsten Samstagabend leisten konnte. Und was passiert mit laufenden Rechnungen, wenn das Konto im Minus ist? Richtig, sie können nicht abgebucht werden. Aber Gott sei Dank konnte ich das zu der Zeit schnell wieder ausgleichen. Ich musste mich zwischendurch dann einfach mehr anstrengen, damit fremde Männer mir Drinks ausgaben, damit ich nicht selbst zahlen musste. Sorry für diese Handhabung!
Irgendwann wurde es mir mit dieser Freundin zu nervig. Ich konnte kaum noch die Zeit im Club genießen, weil ich permanent auf sie Acht geben musste. Alles, was nicht bei drei auf dem Baum saß, wollte sie vögeln. Das war mir ultra peinlich… Ich musste auch darauf achten, dass sie nicht einfach mit Fremden mitging, nicht jeden Drink, der herumstand, trank, oder sich auf der Tanzfläche auszog. Mit der Zeit stritten wir uns häufiger, weil ich einfach nur auf sie aufpassen musste. Irgendwann kam der Tag, an dem ich ihr sagte: „Wer nicht hören will, der muss fühlen.“ Und ließ sie einfach machen.
Damals hatte sie eine starke Vorliebe für asiatische Männer. Es ist kein Witz, wenn ich euch sage, dass sie fast jeden Asiaten in der Stadt vögelte. Jeder kannte sie, jeder sprach über sie, jeder betitelte sie auf eine bestimmte Weise.
Irgendwann konnte ich es einfach nicht mehr mit ansehen. Ihre Ausrede für übermäßige Intimitäten war, dass sie durch die Vergewaltigungen ihres Stiefvaters Sex einfach brauchte. Entschuldigung, nein… So etwas konnte man auch anders verarbeiten. Anfangs hatte ich Verständnis, aber als sie keinerlei Hilfe annahm, und ich als die BF einer Schlampe bezeichnet wurde, entschloss ich mich dazu, sie zu verlassen. Das war kurz nach meinem achtzehnten Geburtstag, und nicht einmal den konnte ich genießen, weil ich ständig auf sie aufpassen musste. Es zog mich nur runter, und das wollte ich mir nicht weiterhin antun. Nennt mich ruhig einen schlechten Menschen.

Kurz darauf wurde meine damalige Arbeitskollegin, ebenfalls Auszubildende, zur besten Freundin. Auch mit ihr ging ich oft feiern. Doch als ich während meiner Ausbildung immer mehr Probleme mit der Chefin bekam und letztendlich einen Aufhebungsvertrag unterschrieb, wandte sie sich von mir ab. Sie wurde nicht so behandelt wie ich, weil sie ihren Mund hielt. Sie ließ einfach alles mit sich machen, ich nicht. Ein paar Monate danach schrieben wir noch miteinander, aber das war es auch schon.

Nun, dann hatte ich lange Zeit keine beste Freundin mehr. Einige Freunde waren da, aber eine beste Freundin befand sich nicht darunter.
Während meiner zweiten Ausbildung fand ich dann meine kleine Clique, aber auch dort erhielt niemand den Rang der besten Freundin. Doch später, als wir alle zeitgleich schwanger wurden, kamen Nicki und ich uns immer näher. So nah, dass sie meine absolute beste Freundin wurde. Eine, wie ich sie noch nie hatte. Im Ernst, ich kann ihr alles erzählen, von geplanten Amokläufen (natürlich nur als Spaß) bis hin zu Selbstmordgedanken, von Schwärmereien, Kummer, detaillierten Panikanfällen, und allem, was mich glücklich machte oder belastete. Mein Gott, wir unterhielten uns sogar über die Konsistenz unserer oder der Kinder ihrer Kacke! Das, genau das, ist eine beste Freundin und nicht anders. Wir konnten uns gegenseitig anpöbeln, aber liebten uns. Wir konnten gemeinsam lachen und auch weinen. Zu jeder Zeit standen wir uns zur Seite. Es war und ist wirklich schön, so etwas zu erleben! Aber auch hier gab es einen Haken. Sie wohnte mal eben über dreihundert Kilometer weit weg. Also war es nicht mal eben möglich, einen Kaffee zu trinken oder die Kinder zum Spielen zu verabreden.

Damit wären wir also immer noch beim gleichen Problem. Ich fand einfach keinen Anschluss bei Leuten, die in meiner Umgebung wohnten!
Warum noch gleich? Ach ja, es lag an mir… Oh Mann, was stimmte nur nicht mit mir, dass sie mir alle so merkwürdig vorkamen?
Oft störte mich auch einfach deren allgemeines Verhalten oder wie sie mit ihren Kindern umgingen. Schnell sah ich den Müttern an, dass sie einfach nur genervt waren von ihren Kindern. An sich ist das auch nicht schlimm, denn ausnahmslos jeder verliert mal bei den eigenen Kindern die Nerven. Aber dass ich keine von ihnen mal an einem guten Tag sah, wunderte mich ein wenig. Waren sie wirklich dauerhaft genervt und gestresst vom eigenen Kind? Vielleicht bildete ich mir das aber auch nur ein…
Vielleicht hat auch einfach niemand meine Witze verstanden, die gerne mal in schwarzen Humor übergingen.

Allerdings gab es einen Vater aus dem Kindergarten, mit dem ich mich tatsächlich mehr als drei Sätze unterhalten konnte. Er war so der typische coole Vater mit einer gewissen Neigung zur amerikanischen Kultur. Vielleicht war er mir ja deshalb so sympathisch!
Aber auch mit ihm konnte ich nicht mehr tun, als zwischendurch im Kindergarten zu plaudern. Ich hatte einfach Angst vor Ean’s Reaktion ihm gegenüber, sollte man sich mal zum Spielen verabreden. Natürlich wäre das Spielen der Kinder nur eine Ausrede, um sich selbst besser kennenzulernen, weil die Kids sich nie so wirklich über den Weg liefen. Auf der einen Seite hatte ich Lust darauf, ihn näher kennenzulernen, auf der anderen aber auch wieder nicht. Wie gesagt, Ean.
Und dann hätten wir immer noch das Henry-Problem. Ich wollte zwar weiterhin offen sein für andere Männer, aber hing auch sehr an ihm. Eine blöde Situation eben.
Aber einfach nur auf freundschaftlicher Ebene ein Treffen zu arrangieren, konnte ich auch nicht. Was wäre, wenn die andere Person desinteressiert oder abweisend reagiert und keine Bereitschaft zeigt, eine Freundschaft zu entwickeln? Was wäre, wenn Missverständnisse oder unterschiedliche Erwartungen zu Konflikten führen? Was wäre, wenn wir grundlegend unterschiedliche Werte oder Überzeugungen haben, die zu Unstimmigkeiten führen? Was wäre, wenn die Kommunikation schwierig ist und es zu Missverständnissen oder Fehlkommunikation kommt? Was wäre, wenn einer der beiden aufgrund von Zeitmangel oder anderen Verpflichtungen nicht genug Zeit für die Freundschaft aufbringen kann? Was wäre, wenn einer der beiden versteckte Motive oder Absichten hat, die nicht ehrlich kommuniziert werden? Was wäre, wenn, was wäre wenn…

Viel wichtiger war jedoch die Frage: Was wäre, wenn man tatsächlich eine tolle, ehrliche Freundschaft miteinander aufbaute?
Keine Ahnung, warum, aber diese Frage fürchtete sie eher als die anderen. War ich überhaupt bereit, einen neuen Freund in mein Leben zu lassen? War ich bereit, mich einem neuen, fremden Menschen zu öffnen? War ich bereit, Zuneigung, in Form von Freundschaft zuzulassen? Eigentlich fühlte ich mich doch ganz wohl, so ganz allein. Oder doch nicht? Immerhin hatte ich noch Ean. Auch wenn er mehr oder weniger gezwungen war, ein Freund zu sein. Für hoch private Gespräche hatte ich Nicki. Also, brauchte ich überhaupt einen Freund in meiner Nähe?
Okay, eigentlich beantwortet sich die Frage von selbst. Ja, man braucht das. Und wenn es nur dazu diente, die eigenen vier Wände mal zu verlassen.
Ein Freund in unmittelbarer Nähe zu haben, ist eigentlich sogar ziemlich wichtig, aber ich hatte diesen Freund einfach nicht.

Und wieder redete ich alles immer wieder ins Negative, dass es einfach an meinem Selbst lag. Viel zu oft sagte ich mir auch, dass ich einfach keine besonders gute Freundin war. Auch im Bezug auf Nicki. Sehr oft, wirklich super oft, kam ich mir vor, als würde ich nur über meine Probleme reden und ihr nie wirklich zuhören. Als ich sie das mal fragte, stritt sie jedoch ab, dass es so wäre. Aber irgendwie konnte ich das nicht glauben. Eigentlich war ich doch ein schrecklicher, unglaublich depressiver Mensch…

Aber ich muss auch gestehen, so vor lauter Entfernung zu Nicki fiel es mir leichter, mich zu öffnen, als bei jemandem, der mir gegenüberstand.

Zwei neue Freundschaften baute ich im Laufe des neuen Jobs auf. Die eine mit der süßen Kollegin Lisa, die andere mit einem Kunden. Aber auch bei dem Kunden war ich am Anfang sehr skeptisch. Ich konnte es einfach nicht wahrhaben, dass man mich kennenlernen wollte, ganz ohne Hintergedanken. Und erst recht konnte ich es nicht wahrhaben, wenn er mir Komplimente machte oder mir einfach nur zuhörte, wenn ich mich über die Vollzeitkollegin aufregte. Und auch konnte ich absolut nicht wahrhaben, dass er an mich in seinem Urlaub dachte.
Als er wieder zuhause war und mich wie so oft auf der Arbeit besuchte, übergab er mir ein kleines Geschenk. Es war eine kleine Statue, ein Touristenkauf, aus meiner Heimatstadt. Habt ihr eine Ahnung, was mir diese kleine Ding bedeutete? Wie viel es mir bedeutete, dass er es einfach so mitbrachte, weil er an mich dachte, ohne dafür irgendetwas im Gegenzug zu verlangen? Oder eine einfache Brezel! Die gab er mir auch einmal.
Alter, wann bekam ich das letzte Mal etwas geschenkt, ohne etwas dafür tun zu müssen, oder wegen eines Feiertages! Das war so lange her, daran konnte ich mich gar nicht mehr erinnern! Wenn ich mal von irgendjemandem ein kleines Geschenk haben wollte, musste ich die Person immer irgendwie daran erinnern. Immer! Noch nie kam einer auf die simple Idee, mir einfach mal eine Kleinigkeit zu schenken (Ausnahmen bei Marie), weil man bei diesem Ding an mich denken musste. Und erst recht nicht ohne Gegenleistung!
Ehrlich, wenn ich das hier so aufschreibe, bin ich immer noch baff. Entweder gab es für die Menschen einen gezwungenen Anlass wie Geburtstag, Weihnachten und Co, oder man erwartete im Anschluss irgendetwas dafür.

Ach ja, eine potenzielle Freundschaft gab es tatsächlich, hier im neuen Bundesland.
Kurz nach der Schwangerschaft, als wir auf der Suche nach einer neuen Wohnung waren, lernten wir eine andere Familie kennen. Bei der Wohnungsbesichtigung verstanden wir uns so gut, dass wir uns häufiger trafen, zum Spazieren, Eis essen oder um einfach nur die Kinder gemeinsam spielen zu lassen. Doch als wir dann eine Wohnung für uns fanden und wegzogen, endete die Freundschaft. Keine der beiden Seiten war in der Lage oder hatte Lust darauf, den anderen zu besuchen, weil die Entfernung deutlich weiter war. Das soll jetzt keine Entschuldigung oder Ausrede sein, aber da ich weder ein Auto noch einen Führerschein besaß, hätte ich etwa eineinhalb Stunden gebraucht, um sie zu sehen. Sie hingegen besaß beides und hätte circa fünfzehn Minuten opfern müssen, um mich zu sehen. Ich fand es wirklich traurig, aber ich konnte natürlich auch nicht erwarten, dass sie immer zu uns fahren würde. Meine Angst vor der Öffentlichkeit war größer als der Wunsch, sie zu sehen.
Also war ich einfach selbst daran schuld, oder? Vielleicht bin ich für Freundschaften auch einfach nicht gemacht. Vielleicht fällt es mir aber auch einfach nur deshalb so schwer, weil ich so viele schlechte Freunde in der Vergangenheit hatte, beziehungsweise eine Freundschaft nie wirklich lange hielt.

Wie ihr gut bemerken könnt, denke ich mir oft einfach alles kaputt.

Es gab jedoch auch Zeiten, in denen ich einen männlichen besten Freund hatte. Grundsätzlich sollte man über mich wissen, dass ich mit Männern deutlich besser klarkomme als mit Frauen. Ehrlich gesagt, keine Ahnung warum, aber Frauen gehen mir oft tierisch auf die Nerven! Dieses ständige Gehetze, Lästern, hinter dem Rücken reden, verlogene Lächeln und allgemein zickiges Verhalten – das sind meistens die typischen Fraueneigenschaften. Und oft hat es mich einfach genervt, obwohl ich selbst auch manchmal so war.

Vielleicht verstand ich mich mit Männern aber auch einfach mehr, weil ich gerne männliche Bestätigung hörte, besonders wenn es um mich und mein Aussehen ging. I don’t know!

Jedenfalls hatte ich damals diesen einen besonderen besten Freund. Als ich einmal bei seinen Eltern zuhause war, fühlte ich mich unglaublich gut aufgehoben und wurde herzlich aufgenommen. Ich denke, das lag auch an der asiatischen Kultur.

Wir waren wirklich dicke Freunde, aber irgendwann musste das passieren, was immer in Freundschaften zwischen Mann und Frau geschieht – einer von beiden verliebte sich.
Ich habe es noch nie anders erlebt, dass sich nicht einer von beiden in den anderen verliebte. Ich sage so etwas auch oft voraus, so wie bei Ean und mir. Schon lange bevor wir uns näher kamen, sagte ich diesen Satz. Nur noch nie kam es so vor, dass ich diejenige war, die sich verliebte. Welch Ironie!

Und so beendete ich die Freundschaft. Zum einen, weil ich ihn nicht verletzen wollte, da ich keine Gefühle für ihn hatte, und zum anderen, weil es mir einfach unangenehm war und ich nicht wusste, wie ich mich verhalten sollte.

Und noch lustiger wurde es dann, als ich mich in ihn verliebte, aber er seine Gefühle längst verloren hatte!

Tja, aber es sollte nicht so sein, und das war auch gut so.

Kommen wir noch mal zu einem meiner Zufälle. Nur ganz kurz.
Am 08.12.2022 schickte ich Coby, meinem besten Freund, ein Foto. Einfach nur, damit er mir mal glaubt, dass Henry immer und überall irgendwie präsent war.
Auf dem Foto war ein Staubsauger namens Henry zu sehen! Das ist mein voller Ernst! Es gibt einen roten Staubsauger mit schwarzem Deckel, der Henry heißt!
Zum Foto schrieb ich einfach nur: „Das lasse ich mal so stehen!“ und lachte mich dabei kaputt. Ausnahmsweise musste auch Coby herzhaft lachen.

Übrigens, Coby wurde mein bester Freund, weil er, wie bereits erwähnt, mich besser kennt als jeder andere und mich selbst. Er weiß immer einen Rat, egal in welcher Situation. Er meldet sich immer, wenn ich ihn brauche, und antwortet mir auch immer auf jede noch so kleine Nachricht. Genau so aber auch andersherum!

Und um das Schöne jetzt mal komisch wirken zu lassen: Wir haben uns noch nie gesehen! Wir haben uns ebenfalls über das Spiel World of Warcraft kennengelernt und zocken schon viele Jahre gemeinsam, mal mehr, mal weniger. Es gab einen Moment, in dem wir uns hätten treffen können, aber dummerweise hatte ich genau an diesem Tag frei! Er wollte sich den amerikanischen Laden ansehen, aber ich war leider nicht vor Ort. Er gestand diesen Besuch erst viel später, woraufhin ich ihn zurechtwies, berechtigterweise.

Ich kann es euch nicht beschreiben, aber Coby ist wie die andere Hälfte von mir und oft auch mein Gewissen. Ich hoffe echt, dass ich nicht irgendwann auf die Idee komme und mich in ihn verknalle! Denn wie gesagt, einer von beiden verliebt sich immer!

Er hat mittlerweile viele verschiedene Spitznamen von mir, wie Papacoby, Jiminy die Grille oder auch Richbitch.

Papacoby, weil er sich oft wie ein liebevoller Vater verhält, was er auch ist. Denn er hat zwei wundervolle Kinder und die tollste Ehefrau der Welt. Unterbewusst suchte ich auch bei ihm wieder jemanden, der die Vaterrolle übernahm, die ich so nie bekam, wie ich sie mir wünschte.
Jiminy, weil er viel zu oft wie mein Gewissen ist, was mich von Dummheiten abhält oder einfach mal eine andere Sichtweise betrachten lässt.
Richbitch, weil er verdammt noch mal eine ist! Aber er behauptet auch, dass ich eine wäre, obwohl ich nicht einmal ein Viertel von dem verdiene, was er zur Verfügung hat! Ich necke ihn gerne, wenn er total überteuerte Kleidung oder Gegenstände zeigt. Er hat so einen tollen Gürtel von Armani, daraufhin musste er sich provokante Sprüche von mir anhören, die ich natürlich nicht böse meinte. Er hat meine Witze auch niemals böse aufgefasst, Gott sei Dank! Er weiß, manchmal spricht bloß der Neid aus mir, aber ich gönne ihm alles von ganzem Herzen! Und mein Gott, ich bin verliebt in seine Arbeitsplatte in der Küche! Und in seine Pfannenkuchen! Die sehen immer perfekt aus!
Ich kann euch gar nicht sagen, aus was genau die Arbeitsplatte besteht, aber es hat eine Menge gekostet!
Zu Coby sehe ich auch oft auf. Er ist wirklich ein großes Vorbild in so vielen Dingen, außer was die Gesundheit betrifft. Er ist in dieser Hinsicht genauso stur, wie ich es sein kann. Er macht weiter und weiter und immer weiter, bis sein Körper ihn zur Erholung zwingt, und dann ist es meistens schon zu spät, um wieder komplett zu genesen.

Eigentlich habe ich in meinem bisherigen Leben nur zu sehr wenigen Menschen aufgesehen und sie als Vorbild betrachtet. Dass ich nicht wie meine Eltern werden wollte, war mir schon extrem früh bewusst. Demnach sah ich nicht so zu ihnen auf, wie ich es hätte tun müssen.

Aber auch hier betone ich noch einmal: Es ist meine Sicht der Wahrheit! Es kann durchaus sein, dass ich manche Dinge falsch wahrgenommen habe! Ich erzähle euch einfach nur die Sicht, wie ich zu der Zeit alles sah.

In irgendwelchen Jobs lernte ich auch niemanden kennen, den ich als Vorbild betrachtete.

Eine Zeit lang war Justin Bieber mein Vorbild, gebe ich zu. Aber das endete, als er mit Selena Gomez zusammenkam! Ha ha. Aber gut, ein richtiges Vorbild war er jetzt nicht, sondern eher ein Junge, in den ich verknallt war, und in dem Moment kommt einem alles, jedes Detail, perfekt vor!

Aria und Noah sah ich als ein sehr großes Vorbild. Sie hatten eigentlich alles richtig gemacht. Zuerst die Planung und dann ging es ans Umsetzen. Die Kinder kamen in einem perfekten Abstand, sodass keines irgendwie zu kurz kam. Finanziell waren sie auch sehr gut aufgestellt. Und all das schon, bevor sie überhaupt daran dachten, eine Familie zu gründen. Also eigentlich haben sie alles richtig gemacht! Ihre Ansichten, in allen Dingen, ihr komplettes Verhalten, jede Planung – wirklich alles lief in meinen Augen perfekt ab!

Tja, und dann hatte ich viele Jahre kein Vorbild mehr. Bis ich auf Henry traf.
PUFF!!
Er war nicht nur mein größtes Vorbild, sondern plötzlich sah ich auch wieder den Sinn des Lebens! Den Rest kennt ihr ja bereits.

Vielleicht, aber nur vielleicht, kann ich ihm all das ja irgendwann einmal gestehen.

Habe ich euch eigentlich schon erzählt, dass ich ihn relativ regelmäßig bei Instagram vollbrabbelte? Moment, ich zeige euch mal ein paar Auszüge – Achtung! Fremdscham-Gefahr!
Und Leute, bitte lacht mich nicht aus… Ich nutzte einen Übersetzer aus dem Internet… Wie gesagt, mein Englisch war noch nicht gut genug!

Fangen wir mal an, mit der ersten Nachricht, nachdem ich ihm zu Silvester schrieb:
Und noch einmal eine letzte Warnung: Fremdscham-Gefahr! Achtung, lang und peinlich!

01.07.2022
My dearest Henry,

the following text is written with a translator!

Last year I worked for months on something special. A letter and a short story was to describe how you changed my life without actually being present.
I sent it to you in November 2021 and it arrived in December. You probably haven’t read it yet because you get a lot of mail and work a lot.

Now another half a year has passed and deep inside I have a strong urge to finally have the opportunity to talk to you in person.
There is so much I want to tell you and somehow just have to.
I can’t tell you exactly why, but every beautiful and also bad experience, I want to share with you first.
In the future, I will write you regular messages here on Instagram. Most likely it will annoy you at some point, but I see it positively. This way you give me a little attention.

I’ll give you a short version again of what I wrote in my first letter:

Never in my life, have I been so honest with myself since I met you. Just everything has changed.
I have changed.
All these years I have made many mistakes, but I don’t regret a single one. That’s the only way I learned.
But the most important thing I have to mention: since I met you, I finally listen to my heart.

I was in a severe depressive phase. My life was monotonous, stressful and very dark.
Then I watched the Witcher and from then on something changed. Suddenly I was dreaming about you all the time and I had no idea why. I felt something in my chest that I didn’t know before. I saw things that I didn’t perceive before. I did things where I was not able to do before.

At some point, the epiphany came to me. I was deeply in love.
With you.
How is that possible? I have no idea! Deep inside I just felt it.
At first I fought it and refused. I was like, this is totally crazy! But the universe proved me wrong.
You give me something that cannot be described. Warmth, security, trust, courage, pride, a future – and love. I feel a different kind of sexual desire myself, which I never had like this before!
Never in my life, I dreamed so much of a person, as from you.

I know how crazy this sounds. But I can’t change it. Many things have happened that keep bringing me back to you. As much as I refused and common sense told me that it’s impossible to fall in love with someone you’ve never seen live – my heart is more powerful than ever.

Even today, I dream about you regularly.
All dreams I write down as well as all thoughts and feelings about them.
I have never had anything like this before!

When the premiere of the Witcher season 2 was, I cried like a waterfall. Nevertheless I smiled over both ears.
My head shut down and my heart took over my whole body. I could not prevent it. At that moment, I was the happiest person in the world.
From that moment on, I decided not to fight it anymore, but to just let it happen.

Well, now I have written more than I actually wanted to. Sorry.
When it comes to you, I don’t know how to stop. It just bursts out of me.

I know that someday the day will come when I’ll have to face you.

I also like to tell you briefly about myself.
I am A., 26 years old, live in XXX, Germany. Until 3 years ago I lived in XXX, where I was born and raised.
I don’t have much contact to my family. I have 3 brothers and one sister.
Since I always had my own head, I am not very popular with my family.
I also have a 2 year old son named Teddy. I still live together with Teddy’s father, but we are no longer a couple.
Basically, I attach a lot of importance to honesty and trust. Both are no longer 100% present between the father of Teddy and me, so we separated. As a family we function, but not as lovers.

I would describe myself as stubborn, loving, sensitive, naughty and very temperamental.
I only keep secrets when I don’t trust my opposite.
My favorite colors are red, blue and green.

In my short 26 years, I have already experienced a lot and also like to tell about it.
I am also a very good observer and form my own opinion. Basically, I don’t let anyone tell me what to do. I have always done what I wanted to do.
I no longer have any patience since I became a mother.
Teddy is an absolute angel, but there are days when he almost drives me to suicide.

I love it when I have a lot to do, but also need a day to myself sometimes.

I love the music.
Music describes feelings that you could not express yourself.

If I like someone, I can’t express it, but only show it, through actions, or music.

And I’m very clumsy

My goals for life are:

– Start my own company, for clothes and accessories
– publish a book
– show Teddy what is really important in life
– to overcome all my fears once

Und dann musste ich anfangen zu arbeiten. War vielleicht auch besser so!

Liebe Leute, ich schäme mich zwar für meine Nachrichten, stehe aber auch voller Stolz hinter jeder einzelnen!
Manchmal bin ich vielleicht kindisch und verzweifelt, aber ich lerne täglich dazu!
Außerdem sagte ich euch ja, dass ich ehrlich sein werde, und dazu gehören Nachrichten wie diese eben dazu. Sie sind ein Teil dieser Geschichte und ein wichtiges Detail!

Zur Erinnerung: Die Namen sind nach wie vor verändert, um diese Personen zu schützen! Henry schrieb ich natürlich die echten Namen und auch die Orte, wo ich wohnte. Schlecht könnte ich ihm wirklich die „XXX“ nennen oder die Pseudonyme, wenn ich doch ernsthaften und ehrlichen Kontakt zu ihm haben wollte!

Und auf meine Nachrichten hin geschah etwas Außergewöhnliches.

-Änderung vorbehalten