Es war bereits Monate her, als ich zum ersten Mal von Henry träumte, und in dieser Zeit veränderte sich extrem viel. Weiterhin träumte ich auch sehr regelmäßig von ihm, was mir jedes Mal auf’s Neue die schönsten Gefühle der Welt brachte. Und vor allem waren viele unglaubliche Zufälle geschehen. Zufälle, die ich mir nicht erklären konnte. Auf irgendeine Art und Weise war er stets präsent, sei es in meinen nächtlichen Träumen oder tagsüber in meinen Gedanken. Ich dachte im Ernst, dass ich total bekloppt werde und mir weiß Gott was einbildete. Ständig schrieb ich meiner Freundin Nicki, wenn ich einen komischen Zufall erlebte, und sendete ihr sogar Videos und Fotos, um es zu beweisen. Auch meinem besten Freund Coby (nennen wir ihn mal so) erzählte ich alles. Ich wollte von beiden hören, dass ich es mir nicht einbilde, damit ich nicht durchdrehte. Coby holte mich gerne auf den Boden der Tatsachen zurück, was auch gut so war! Dennoch empfand er manche Dinge als leicht fragwürdig.

Am 17. Juni 2021 hatte ich meinen ersten Traum mit Henry. Der, in dem er als Geralt zu mir kam, und seitdem war er immer an meiner Seite, wenn ich ihn brauchte. Ich erinnerte mich so gut daran, als wäre es erst gestern gewesen.

Glaubt ihr an Schicksal, Zufälle oder Zeichen? Bevor er in mein Leben trat, glaubte ich an nichts Derartiges! Mein Leben wurde plötzlich zu einem wilden Abenteuer. Auf unerklärliche Weise habe ich angefangen, jemanden zu „lieben“, den ich noch nie Angesicht zu Angesicht gegenüberstand. Jemanden, der nicht einmal wusste, dass ich existierte. Ich schreibe das Wort Liebe bewusst in Anführungszeichen, da ich kein Mensch bin, der dieses Wort missbraucht. Ich kann und sollte nicht von Liebe ihm gegenüber sprechen, bevor ich ihn nicht persönlich kennengelernte. Doch eins wusste ich ganz genau: Irgendetwas Außergewöhnliches spürte ich. Allerdings hoffte ich insgeheim stark darauf, dass es so eine Art von Verliebtsein war, wie ich damals in Inu Yasha verknallt war. Kennt ihr die Serie noch? Was habe ich sie geliebt und Inu Yasha verehrt! Oder auch den Pharao von Yu-Gi-Oh? In den war ich auch verknallt, und noch in viele andere! Aber dennoch würde es mir irgendwie das Herz brechen, wenn ich herausfinden würde, dass es nur so eine kurze Liebelei wäre und nichts Echtes.

Ich will euch mal ein Geheimnis verraten: Ich bin wahnsinnig schlecht darin, Gefühle zu beschreiben oder sie jemandem zu gestehen. Das, was ich fühlte, drückte ich in der Regel durch Taten aus.
Wie bereits erwähnt, nutze ich das Schreiben von Geschichten als meine eigene kleine Therapie. So kann ich nachvollziehen, ob ich richtig gehandelt habe, ob ich wirklich bei klarem Verstand bin und ob ich ehrlich zu mir selbst bin. Außerdem hilft es mir, meine Gefühle am besten auszudrücken. Ehrlich zu sich selbst sein, ist nicht so einfach, wie man sich vorstellt. Welcher Mensch ist schon zu hundert Prozent ehrlich zu sich selbst? Ich schätze, nicht besonders viele.

Während ich den Brief bearbeitete, las ich zwischenzeitlich bei Instagram ständig von einem „#TUDUM“-Event. Dabei handelte es sich um ein Event von Netflix, bei dem zukünftige Serien und Filme vorgestellt wurden, und einige Stars waren live dabei. Das ganze Spektakel sollte am 25. September 2021 stattfinden, und ich konnte es kaum erwarten. Denn dort sollte auch die zweite Staffel von the Witcher vorgestellt werden.

Dieser Brief war sehr aufwendig, und ich musste ausgiebig recherchieren, um sicherzustellen, dass ich keine falschen Behauptungen aufstellte. Mit der Zeit kam ich auch zu dem Entschluss, einen Teil davon mit der Hand zu schreiben. Das würde dem eine gewisse persönliche Note verpassen. Auch setzte ich mir ein Zeitlimit, bis wann ich ihn fertig haben wollte. Denn während des Schreibens fiel mir auf, dass ich oft zu weit ausholte. Ich wollte ihn nicht gleich mit einem Roman belästigen, sondern mich so kurz und knapp halten, wie es nur ging, aber wichtige Details nicht auslassen. Also im Ernst, das war die bisher schwierigste Aufgabe, die ich mir jemals vorgenommen hatte. Dennoch machte es mir irgendwie Spaß.

Ich schrieb auch wichtige Details über die Beziehung zu meiner Familie und meine vergangenen Jahre, bevor er in mein Leben trat. Im Großen und Ganzen wollte ich damit ausdrücken, dass ich noch nie solche Gefühle empfand, egal ob für meinen Partner oder meine eigene Familie. Wie gesagt, es war keine Liebe, sondern etwas anderes.

Ich möchte euch nun einen kleinen Einblick in die vergangenen Jahre geben:
Mit 16 begann ich eine Ausbildung als Schuhverkäuferin, brach sie jedoch kurz vor Abschluss ab, da der ganze Laden für mich zum Albtraum wurde. Mit 18 begann ich eine neue Ausbildung in der Gastronomie. Ich liebte diesen Job! Ich blühte regelrecht auf und wurde immer hoch gelobt. Doch zum Ende meiner Ausbildung wurde ich plötzlich krank. Ich bestand die Prüfung, sah jedoch keine Zukunft mehr in diesem Betrieb. Kurz darauf wechselte ich in das gegenüberliegende Kinder-Spiele-Land. Dort blieb ich jedoch nur ein Jahr, da es mir von Tag zu Tag schlechter ging. Jede Mahlzeit und jedes Getränk schmeckten furchtbar sauer, als hätte ich Erbrochenes im Mund und hatte eine Vielzahl anderer Beschwerden, die ich nicht erklären konnte.

Eines Abends, nachdem ich wie immer meine Pizza gegessen und mein absolutes Lieblingsspiel „World of Warcraft“ am Computer gespielt und mit meinen Online-Freunden plauderte, wurde mir plötzlich unheimlich übel. Ja, täglich Pizza zu essen, war unter anderem sicherlich auch schuld an meinen Beschwerden.
Da ich schon von klein auf Angst vor dem Erbrechen hatte, bekam ich große Panik. Vor lauter Panik rauchte ich eine Zigarette nach der anderen – was dem Ganzen mit Sicherheit die Krone aufsetzte. Kurz darauf rannte ich zur Toilette und übergab mich.

Eigentlich hatte ich für den nächsten Tag einen Ausflug in den Tierpark mit meiner kleinen Schwester geplant, als ihr Geburtstagsgeschenk. Das war jedoch gestrichen. Ich musste mir wohl einen Virus eingefangen haben. Ein paar Tage später ging es mir immer schlechter. Ich hatte höllische Schmerzen zwischen dem Magen und den Rippen, konnte mir aber nicht erklären, woher sie kamen. Über die Tage konnte ich auch nichts essen, so sehr ich es auch wollte. Es ging einfach nicht. Auch das Trinken fiel mir schwer. Es war definitiv kein normaler Virus, daher suchte ich Rat bei einem Arzt. Sein erster Tipp war, ich solle einen Therapeuten aufsuchen, da es vielleicht mit der Psyche zusammenhängen könnte. Mit einem erneuten Krankenschein und einer Überweisung verließ ich die Praxis. Ähm? Ich hatte erbrochen und furchtbare Schmerzen im Bauchbereich, und das sollte an der Psyche liegen? Das war für mich schwer zu akzeptieren. Ich hoffte, dass dies nur ein paar Tage dauern würde.

Aus Tagen wurden Wochen, aus Wochen wurden Monate. Mir ging es furchtbar elendig, und mein Hausarzt nahm mich nicht ernst. Er schob es weiterhin auf die Psyche. Auch mein damaliger Partner Basti (nennen wir ihn mal so), mit dem ich zu der Zeit zusammenlebte, stimmte dem Hausarzt zu. Ebenso mein Arbeitgeber und all meine Freunde.
Ich fühlte mich von allen im Stich gelassen. Warum glaubte mir keiner, dass es nicht die Psyche war, sondern etwas Ernsthafteres? Ich war immer klar im Kopf, arbeitete hart und führte ein schönes Leben. Nun sollte ich plötzlich psychische Probleme haben? Okay, nach diesen Horror-Monaten war meine Psyche sicherlich angegriffen, aber wem würde das nicht auf die Psyche schlagen, wenn man über Monate hinweg über der Toilette hängt und vor Schmerzen das Haus nicht verlassen kann?

Ein halbes Jahr später, dreißig Kilo leichter und etwa zehn Hauttöne heller, bekam ich endlich vom Hausarzt eine Überweisung zum Spezialisten für Innere Medizin. Glücklicherweise bekam ich schnell einen Termin und erhielt die Bestätigung, auf die ich so lange gehofft hatte. Es lag nicht an der Psyche! So gut wie alles war entzündet, und meine Blutwerte waren katastrophal. Zusätzlich hatte ich einen Zwerchfellbruch. Ich bekam die nötigen Medikamente und hoffte auf schnelle Besserung.

Nach den vergangenen Monaten verspürte ich den Drang, mich von Basti zu trennen. Für ihn war ich immer noch psychisch gestört, und ich musste mir allerlei Beleidigungen anhören. Also musste ich einen Schlussstrich ziehen. Wir waren vier Jahre lang ein Paar. Anfangs waren wir schwer verliebt und unzertrennlich. Wir wohnten gemeinsam bei seiner Mutter in einem etwa vierzehn Quadratmeter großen Zimmer. Eine Weile waren wir beide arbeitslos, und dann bekam ich durch seine Mutter die Ausbildung in der Gastronomie.
Irgendwann veränderte sich Basti. Er wurde sehr launisch und nahm keine Rücksicht mehr auf andere. Immer öfter wurde er mir gegenüber handgreiflich, vorzugsweise mitten in der Nacht, wenn er fertig mit Zocken war und sexuell befriedigt werden wollte. Ich wies ihn immer wieder zurück, doch das brachte wenig. Wenn ich nicht zustimmte, ließ er ununterbrochen seinen Frust an mir aus und sagte: „Andere Frauen tun das, wenn der Mann es will!“. Von den anderen Familienmitgliedern brauchte ich keine Hilfe zu erwarten. War er erst einmal in Rage, konnte ihn so gut wie keiner aufhalten.

Ja, ich hätte ihn damals schon verlassen sollen, aber ich wusste nicht wie und erst recht nicht, wohin ich gehen konnte. Zu meiner eigenen Familie hatte ich zu der Zeit so gut wie gar keinen Kontakt und konnte auch nicht auf Hilfe von ihnen hoffen. Mal eben bei Freunden einziehen ging natürlich auch nicht, und von meinem Lehrlingsgehalt konnte ich mir nichts Eigenes leisten. Ehrlicherweise hatte ich oft gehofft, dass Basti sich wieder zum Besseren verändern würde, so wie er zu Anfang war, und wir uns eine schöne Zukunft aufbauen könnten.
Und ja, wer etwas wirklich will, findet einen Weg. Aber wollte ich es zu diesem Zeitpunkt denn wirklich?

Nach zwei Jahren Beziehung und einer kurzen Pause dazwischen hatten wir endlich eine kleine Wohnung gefunden, und für kurze Zeit wurde das Verhältnis besser. Doch vier Jahre Beziehung später war ich an dem Punkt angekommen, endlich den Schritt zu wagen und ihn zu verlassen. Basti gab mir zwei Wochen Zeit auszuziehen. Ich versuchte alles Mögliche, um irgendwo unterzukommen. Am Ende willigten meine Eltern ein, nachdem sie alles daran setzten, mich anderswo unterzubringen. Ich konnte es ihnen nicht verübeln. Nach dem, was ich ihnen angetan hatte, hätte ich mich auch nicht freiwillig wieder bei ihnen einquartiert.

Mit 16 zog ich bei ihnen aus und ließ mir vom Jugendamt dabei helfen. Auch dort herrschte regelmäßig Gewalt. Sie unterdrückten meine Bedürfnisse und Gefühle, und irgendwann war es höchste Zeit, alles hinter mir zu lassen. Später werde ich noch mehr darüber erzählen.

So zog ich also zu meiner Familie zurück, wusste aber, dass ich dort nicht lange bleiben würde. Nach ein paar Wochen fand ich einen neuen Job, der perfekt war, um nach einer langen Zeit zu Hause wieder ins Berufsleben einzusteigen. Ich arbeitete in einem Kindergarten als Reinigungskraft. Kurz darauf verliebte ich mich in Ean. Wir lernten uns online über World of Warcraft kennen und lieben. Mit ihm fühlte sich alles richtig an! Es dauerte nicht lange, bis ich Hals über Kopf zu ihm zog, jedoch nicht gerade um die Ecke, sondern knapp vierhundert Kilometer entfernt. Ich sah es als Chance, ganz von vorne anzufangen und alles Negative hinter mir zu lassen. Niemand würde mich oder meine Familie dort kennen und Vorurteile haben.

Es lief alles wundervoll, und es dauerte nicht lange, bis ich schwanger wurde. Ja, es war unsere eigene Schuld, weil wir nicht verhüteten. Aber wir freuten uns sehr darüber, somit war es überhaupt nicht schlimm. Ich wollte schon immer Kinder haben, am liebsten drei. Ich liebte Kinder sehr und konnte es kaum erwarten, mein eigenes zu haben! Rollt ruhig mit euren Augen – jeder soll tun und lassen, wie er will!

Die Reaktion meiner Familie auf die freudige Nachricht war jedoch ziemlich verletzend.

Ich zitiere: „Ich flippe nicht aus, sondern heule, weil du nicht einmal dein Leben im Griff hast und garantiert nicht für ein Kind richtig sorgen könntest. Du wohnst jetzt drei Monate bei Ean und kennst ihn erst jetzt so langsam, weißt also gar nicht, wie stabil die Beziehung ist. Das Kind hat also eine total unsichere Zukunft. Mit dir kann man nicht vernünftig reden. Egal, was ich sage, es kommt nicht an. Mach dein Ding, aber ich will davon nichts wissen und vor allen Dingen nicht damit zu tun haben. Sollte es gut gehen, freu dich. Wenn nicht, muss ich nicht noch mehr graue Haare bekommen. Ich habe genug Arschtritte von dir kassiert und keine Kraft mehr. Du willst es einfach nicht verstehen, worum es mir geht… Egal, wann in deinem Leben du Scheiße gebaut hast, es waren immer andere schuld, und ich habe auch noch nie erlebt, dass du dich einem Problem gestellt hast. Stattdessen bist du immer davongerannt. Das geht jetzt nicht mehr. Jetzt wird alles, was du tust, auch Auswirkungen auf das Kind haben. Ich will auf keinen Fall in eine Situation geraten, in der du uns mit in die Pflicht ziehst und uns dafür die Schuld in die Schuhe schieben kannst.“

Danke an dieser Stelle für diese herzerwärmenden Worte. #Ironieoff. Das war nur ein kurzer Auszug aus der Reaktion meiner Mutter.

Also wurde ich auch in dieser Angelegenheit im Stich gelassen und hatte somit nur noch Ean hinter mir. Dabei wollte ich doch einfach nur liebevolle Worte von meiner Familie hören und Zuspruch, dass ich eine tolle Mutter sein würde. Egal, auch das würde ich irgendwie überstehen. Schließlich hatte ich schon viel Schlimmeres durchlebt als eine Schwangerschaft!

Ein paar Monate später fand ich etwas über Ean heraus, was niemals hätte passieren dürfen.
Eines Morgens rief er mich an und beichtete, dass er von der Polizei festgenommen wurde, weil ein Haftbefehl vorlag. Dieser Haftbefehl bestand, weil er eine hohe Rechnung noch nicht beglichen hatte und auf keinerlei Briefe reagiert hatte.

Jackpot…

Es dauerte einige Tage, bis er nach Hause kommen durfte, bzw. bis ich seine Mutter überreden konnte, ihn auszulösen. Mal ehrlich, er musste raus! Wie sollte ich die Rechnungen bezahlen und die Schwangerschaft alleine in diesem Bundesland überstehen? Seine Mutter wohnte in der Nähe von Dortmund und konnte nur gelegentlich vorbeikommen. Seinen Vater kannte ich noch nicht. Freunde hatte ich in der Nähe auch noch keine, und einen Job hatte ich ebenfalls nicht. Denn niemand stellt eine schwangere Frau ein.
Wir einigten uns darauf, die Kaution monatlich an sie abzuzahlen, sobald er draußen war. Und dazu hatte ich noch viele Dinge mit ihm zu besprechen. Eines war so gut wie sicher: Ich konnte ihm nicht mehr vertrauen.

Als ich gerade eingezogen war, fand ich einen Brief, der schon einige Jahre alt war. Es handelte sich um eine Mahnung über über tausend Euro. Ich hatte ein ungutes Gefühl bei der Sache, aber da er schon so alt war, hatte sich die Angelegenheit vermutlich erledigt. Das hoffte ich zumindest. Ich sprach ihn nie darauf an, aber tief im Inneren wusste ich bereits, dass das nicht der letzte Brief dieser Art sein würde. Trotzdem versuchte ich immer wieder, mir die Situation schönzureden, obwohl ich in meinem Herzen bereits die Antwort kannte.

Ich hatte wirklich kein Problem mit diesem Brief, sondern eher mit dieser Unehrlichkeit. Ich selbst hatte auch Schulden aus der Vergangenheit, aber ich ging offen damit um. Sobald ich genug Geld verdiente, könnte ich sie abbezahlen. Aber diese Lüge von ihm, zusammen mit der Verhaftung, ließ mich spüren, dass die Beziehung mit ihm nicht lange halten würde. Wenn jemand einmal mein Vertrauen missbrauchte, war es beinahe unmöglich, es wieder aufzubauen. So war es schon immer bei mir.

Am Ende einigten wir uns darauf, uns auf das ungeborene Kind zu konzentrieren. Gemeinsam würden wir das schon irgendwie schaffen! Ich hoffte sehnlichst darauf, dass wir wieder zueinander finden und eine glückliche kleine Familie sein würden.
Und wieder redete ich es mir schön.

Die Schwangerschaft selbst verlief relativ gut, zumindest im Vergleich zu anderen Frauen und ihren Schwangerschaften. Nur die Übelkeit machte mir zu schaffen. Zusätzlich nahm ich auch deutlich an Gewicht zu. Plötzlich wog ich über 70 kg, und ich fühlte mich sehr unwohl in meiner Haut. Aber egal, das lag mit Sicherheit an der Schwangerschaft, und danach würden die Kilos garantiert purzeln!

Nach plötzlichen Komplikationen kam der Knirps im siebten Monat rasant zur Welt. Insgesamt war ich eigentlich nur vier Monate schwanger. Im dritten Monat erfuhr ich davon, und im siebten lag er schon in meinen Armen. Acht Wochen nach der Geburt wurde er aus der Klinik entlassen, und wir konnten endlich zur Ruhe kommen.
Doch irgendwie machte mein Körper mir einen Strich durch die Rechnung. Die Probleme mit meinem Magen nahmen stark zu und begannen massiv an meiner Psyche zu zerren. Erneut war ich kaum in der Lage, das Haus zu verlassen. So gut wie nur unter der Begleitung von Ean ging ich nach draußen. Ich konnte keinen wirklichen Grund für den Auslöser finden, schob es aber auf die Schwangerschaft und die schnelle Gewichtszunahme. Mittlerweile ging ich davon aus, dass größtenteils tatsächlich die Psyche beteiligt war, wollte es aber nicht wahrhaben. Ich wollte auf keinen Fall als psychisch kranke Person gesehen werden, sondern als der lebensfrohe Sonnenschein, der ich einst war. Ich musste mich nun auf das Baby konzentrieren, er hatte schließlich Vorrang!

Nach über einem Jahr fanden wir eine größere Wohnung für uns. Und dann durchlebte ich mein tiefstes Tief, von dem ich euch bereits erzählt habe, aber auf das ich bald noch näher eingehen werde.
Somit wären wir wieder an dem Punkt angekommen, an dem das erste Kapitel endete.

Lasst uns zunächst meine körperlichen Veränderungen von Juni 2021 bis September 2021 festhalten. Ich näherte mich meinem Wunschgewicht immer weiter an und fühlte mich fröhlicher und fitter. Ich fand zurück zu einigen meiner Leidenschaften: Schreiben, Tanzen, Basteln und Musik. Mein Gott, viele Jahre lang hatte ich kaum noch Musik gehört, geschweige denn getanzt oder gesungen. Durch einige von Henrys Instagram-Story entdeckte ich eine wirklich tolle Band. Das war die allererste Band, bei der mir jeder einzelne Song gefiel. Manchmal tanzte ich zu ihrer Musik sogar durch die Straßen, auf dem Weg zum Einkaufen oder beim Spazierengehen mit dem Hund. Ich hörte nicht nur wieder viel Musik, sondern lebte und verstand sie auch. Musik kann oft mehr ausdrücken als all die Worte, die ich von mir gebe.

Ich möchte wieder komplett ehrlich sein: Wie genau ich es geschafft habe, in so kurzer Zeit so viel Gewicht zu verlieren, ist nicht die feinste Art. Durch die plötzliche Umstellung meiner Bewegung hatte ich stark mit meinem Magen zu kämpfen. Aufgrund von dauerhaftem Sodbrennen schmerzte er sehr, und ich konnte nur halb so viel essen, wie ich eigentlich musste. Dennoch kam ich damit wunderbar zurecht und kam meinem Ziel näher, auch wenn es nicht unbedingt gesund war. Bitte nicht nachmachen!!! Es gibt zahlreiche andere Wege, gesund und vernünftig abzunehmen. Lasst euch dazu vernünftig beraten.

Ich befand mich in meiner eigenen kleinen Welt, die mich über beide Ohren strahlen ließ. Und genau darauf war ich stolz. Ich war nur so weit gekommen, weil ich plötzlich von Henry träumte. Eigentlich war das auch irgendwie traurig. Weder mein Partner, meine Familie noch mein Sohn konnten mich aus meinem Sumpf herausziehen, sondern irgendein Schauspieler in meinen nächtlichen Träumen. Na ja… Egal wie, die Hauptsache war doch, dass ich einen Ausweg gefunden hatte! Nicht jeder schafft es von alleine, aus so einem Sumpf zu kommen. Doch jeder, der es schafft, kann unglaublich stolz auf sich sein! Und wenn dazu merkwürdige Träumerei notwendig ist, warum nicht? Irgendein Seil hat jeder, an dem er sich festklammert, bis er sein Ziel erreicht. Der eine tut es so, der andere so.

Während meiner Veränderung stellte ich auch eine sehr wichtige Sache fest, die ich noch gar nicht erwähnte: Ich entfernte mich immer weiter von Ean. Ich konnte kaum noch Zärtlichkeiten mit ihm austauschen, und eigentlich wollte ich das auch gar nicht, denn davon hatte ich ausreichend in meinen Träumen und Gedanken. Die Träume von Henry kamen mal mehr, mal weniger häufig vor. Manchmal träumte ich mehrere Träume mit ihm hintereinander, und manchmal träumte ich mehrere Tage gar nicht von ihm. Jede Nacht, in der ich nicht von ihm träumte, verspürte ich einen merkwürdigen Schmerz und war irgendwie traurig. Ich schrieb Nicki sofort, sobald ich erneut von ihm träumte, und versuchte, alles bis ins kleinste Detail festzuhalten. Habt ihr eigentlich eine Ahnung, wie stark mein Herz dabei klopfte? Und mein Gott, mir wurde kochend heiß!
Und für alle, die besonders neugierig sind: In keinem dieser Träume hatte ich je Sex. So sehr ich es mir auch wünschte, es passierte einfach nicht. Was für meine Verhältnisse ziemlich ungewöhnlich war.

Trotz allem war ich hin- und hergerissen. Auf der einen Seite machten mich meine Träume unglaublich glücklich, auf der anderen taten sie mir irgendwie auch weh. Nie zuvor hatte ich so viel Aufmerksamkeit, Liebe, Zuneigung und so ernst gemeinte liebevolle Worte erfahren wie in diesen Träumen. Das war eine wundervolle Sache, aber auch ziemlich traurig. Die Sehnsucht nach einem solchen Mann im realen Leben wurde daher immer stärker. Immer wieder verfiel ich in Tagträumerei, um der bitteren Realität zu entkommen. Natürlich vernachlässigte ich nichts! Aber ich redete mir alles schön und ließ nichts Negatives an mich heran. Bis dahin wusste ich noch nicht, dass ich bald oft auf die Probe gestellt werden würde – Proben, ob ich wirklich an mich selbst glaubte und alles ändern konnte, was ich wollte, sowie viele weitere.

Wie dem auch sei, der 25. September rückte immer näher. Ich machte mich innerlich total verrückt, weil ich einen ganz bestimmten Plan hatte, um etwas sehr Wichtiges herauszufinden. Dies war so entscheidend, dass es meine Zukunft bestimmen würde und wie ich weitermachen müsste. Bis dahin wusste ich noch nicht, dass der 25. September 2021 einer der bedeutendsten Tage meines Lebens sein würde.

Doch bevor wir zu diesem besonderen Tag kommen, möchte ich einige meiner Träume mit euch teilen. Vielleicht könnt ihr ein wenig nachempfinden, was sie für mich bedeuteten. Was genau mir diese Träume damit sagen wollten, steht in den Sternen. Doch sie gaben mir unglaublich viel Mut und Kraft, an eine schöne Zukunft zu glauben – eine Zukunft, genau so, wie ich sie mir immer erträumt habe.

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06.08.2021
Der Brief an Henry, an dem ich so lange gearbeitet hatte, wurde bereits abgeschickt. Irgendwie konnte ich das Gefühl nicht loswerden, dass demnächst etwas Außergewöhnliches passieren würde. Deshalb nahm ich mir vor, die gesamte Wohnung von oben bis unten zu putzen. Jede Ecke, jeden Lichtschalter, jede Schublade und jede einzelne Fuge und Fliese im Badezimmer. Einfach alles sollte glänzen.

Nach diesem Traum verspürte ich tatsächlich das Bedürfnis, die gesamte Wohnung von Grund auf zu reinigen. Ich bin ein sehr ordentlicher Mensch, und bei mir findet man so gut wie nie Schmutz oder Staub. Dennoch begann ich, jedes Zimmer gründlich zu reinigen.
Eine ganze Weile später geschah tatsächlich etwas Außergewöhnliches, was aber rein gar nichts mit Henry zu tun hatte, jedoch eine riesige Überraschung war.

20.08.2021
Ich war mit meinem Sohn Teddy in der Stadt unterwegs. Es schien wie ein ganz normaler Tag. Plötzlich bebte die Erde, und alle um uns herum gerieten in Panik. Henry kam auf uns zu und zerrte uns einige Meter mit sich, um uns in Sicherheit zu bringen. Obwohl wir zusammen unterwegs waren, hatte er kurz etwas zu erledigen gehabt, weshalb ich ihn am Anfang nicht bemerkte. Dann stürzte unser Gebäude zur Hälfte ein, und innerhalb von Sekunden lagen überall Trümmer. Mit steigender Angst blickte ich mich um und suchte verzweifelt nach Henry, der mir aus den Händen glitt. Tränen schossen mir in die Augen, und ich fürchtete, dass Henry verletzt sein könnte. Plötzlich hob sich neben mir ein Holzbalken, und es war Henry, der sich unter ihm hervorzog. Er hatte ein Baby in den Armen, ein Mädchen. Erleichterung ergriff mich. Ich nahm ihm das Mädchen ab und legte meine linke Hand auf seine Wange. Gott, ich war so erleichtert, dass es ihm gut ging. Er legte seine rechte Hand auf meine, schmiegte sich kurz an sie, sah mir in die Augen, lächelte sanft und verschwand erneut in den Trümmern. Ich drehte mich um und sorgte dafür, dass es den beiden Kindern gut ging.

Nachdem ich aufwachte, fühlte ich etwas Merkwürdiges. Ein Baby? Ein fremdes oder meines? Im Traum fühlte es sich so an, als wäre es meins gewesen. Irgendetwas war an dieser Sache dran. Eigentlich hatte ich nicht vor, noch ein zweites Kind zu bekommen, aber dieser Traum weckte etwas in mir. Ich hatte das Gefühl, dass ich in den kommenden Jahren noch ein Kind bekommen würde. Die Frage war nur: Wann und von wem?

12.09.2021
Wieder war ich mit Teddy spazieren. Er saß im Kinderwagen und beobachtete die Welt, während wir einfach durch die Stadt schlenderten. Irgendwann trafen wir auf eine kleine Gruppe Menschen, die Präsentkörbe verteilten. Aus Neugier folgte ich ihnen in ein Gebäude. Das Gebäude sah aus wie eine riesige Firma, mit Büros, die von Glas umhüllt waren. Fasziniert schaute ich mich um, wurde dann aber aus meiner Bewunderung gerissen, als eine Dame mir einen der Präsentkörbe lächelnd überreichte. Es waren wirklich schöne geflochtene Körbe, gefüllt mit kleinen Geschenken wie Duftproben, Schokolade und einem kleinen Zettel. Auf meinem Zettel stand: „Herzlichen Glückwunsch! In Liebe, H.C.“ Ich wusste sofort, von wem diese Nachricht stammte, und war vor Freude außer mir. Ich schickte meiner Freundin Nicki eine SMS. Nie hätte ich gedacht, dass er sich an mich erinnern würde. Ich verließ das Gebäude und suchte nach Hinweisen, wie ich Henry finden könnte. Es fühlte sich an wie ein Rätsel, das ich lösen musste, um ihn zu treffen. Nach nicht allzu langer Suche fand ich ihn und strahlte genauso hell wie die Sonne am Himmel. Glück durchströmte meinen ganzen Körper.

17.09.2021
Nach einem langen Arbeitstag kam Henry nach Hause. Ja, nach Hause. Es war kein Besuch; allem Anschein nach wohnten wir in einer gemeinsamen Wohnung. Er wusste ganz genau, in welchem Schrank er ein Glas finden konnte, um etwas zu trinken, und kannte die Zimmeranordnung. Wir kuschelten gemütlich auf der Couch. Plötzlich musste ich pupsen. Weil es mir so unangenehm war, verließ ich den Raum dafür.

Ja, vereinzelte meiner Träume hatten wenig Sinn und brachten mich nachträglich zum Schmunzeln.

19.09.2021
Henry und ich waren gemeinsam unterwegs, weil eine Feier bei meiner Familie anstand. Ich wusste, dass es sehr unangenehm werden würde, da meine Mutter alles daran setzte, die Aufmerksamkeit von Henry zu erregen. Und dazu flirtete sie viel zu offensichtlich mit ihm, was mich innerlich rasend machte. Sie konnte es einfach nicht begreifen, dass ein Mann wie er mit einer Frau wie mir zusammen war. Schließlich hielt sie sich selbst für die schönste Frau der Welt. Auf dem Weg zu dieser besagten Feier machten wir noch einen Abstecher zu meiner Freundin Nicki und ihrer Tochter. Am liebsten wäre ich bei ihr geblieben, anstatt zu dieser dummen Feier zu gehen.

Wenn ich meine Träume im Nachhinein durchgehe, fällt mir immer wieder auf, was sie widerspiegeln. Unterdrückte Bedürfnisse, Wünsche, Ängste und auch einen Teil meiner Wut. Für manche von euch mögen diese Träume bedeutungslos sein, aber für mich waren sie ein Halt und ein Rückzugsort.

 

 

– Änderungen vorbehalten