Und wieder rückte das Ende des Jahres näher.
Automatisch gehen viele Leute in sich und lassen die vergangenen Monate noch einmal Revue passieren, so wie auch ich.

Ich hatte so unglaublich viel erreicht, nur weil ich plötzlich schön träumte. Ich kann mich nur immer wieder wiederholen…
Nie hätte ich erwartet, dass ich noch auf dieser Erde wandeln würde, je wieder arbeiten würde, glücklich sein würde, Liebe empfinden könnte, so viel Schmerz zulassen würde, oder auch so dankbar sein würde.
Meine Entwicklung von 2021 bis Ende 2022 war beachtlich. Selbst Ean war hin und wieder stolz auf mich, was mich bloß noch mehr pushte. Ich meine ehrlich, Leute, ich hätte es mir niemals ausgemalt, jemals so weit zu kommen, auch wenn ich noch längst nicht an meinem Ziel war.
Fast ein Jahr des Wartens war vergangen, seit ich meinen Brief an Henry abgeschickt hatte. Jeder Tag schien wie eine Ewigkeit zu sein, und meine Hoffnung schwankte immer wieder zwischen Zuversicht und Zweifeln. Doch dann, als ich es am wenigsten erwartete, erhielt ich eine überraschende, lang ersehnte Antwort.

In dem Brief, den ich mit zitternden Händen öffnete, spürte ich Henrys warme Worte der Dankbarkeit. Er schrieb, dass er meine Zeilen mit Freude gelesen hatte und dass er demnächst einige Verpflichtungen in Deutschland haben würde.
Zu meiner Überraschung schlug er vor, sich persönlich zu treffen. Ich konnte mein Glück kaum fassen! War das wirklich wahr? Würde sich mein größter Wunsch endlich erfüllen? Oder erlaubte sich jemand einen üblen Scherz mit mir?
Der Schauspieler, den ich so lange bewunderte, wollte sich mit mir treffen?! Scheiße!
Wie würden wir uns unterhalten? Ja, mein Englisch war schon deutlich besser als vorher, aber es reichte dennoch nicht aus! Verdammt! Hilfe!

Wie oft malte ich mir aus, dass wir uns endlich treffen würden?
Wie oft träumte ich von den verschiedensten Gelegenheiten und einer möglichen Zukunft?
Wie oft zweifelte ich an dem Universum, dass mein Brief ein unglaublich großer Fehler war?
Ich spürte plötzlich eine unglaubliche Angst.
Die Angst, dass mich wirklich jemand verarschte.
Die Angst, dass ich viel zu große Hoffnung auf ein Szenario hatte, welches so nie geschehen würde.
Die Angst, dass er mich für dumm hielt oder sogar hässlich!

Die folgenden Wochen waren geprägt von Vorfreude, Nervosität und unzähligen Überlegungen darüber, wie dieses Treffen wohl verlaufen würde. Ich war aufgeregt, aber gleichzeitig besorgt, ob die Realität meine Erwartungen erfüllen könnte. Ich konnte nachts kaum ein Auge schließen, weil mir manchmal so mulmig wurde. Gott, diese Angst vor diesem Treffen war so groß, obwohl ich mir genau das so lange Zeit wünschte… Auch konnte ich mich absolut nicht mehr auf meine Arbeit konzentrieren. Ich war quasi dauerhaft abwesend, ausschließlich in den Gedanken rundum dieses Treffen. Ich konnte es immer noch nicht wahrhaben! Das konnte doch bloß ein Scherz gewesen sein! Wie konnte ich sicher gehen, dass er es wirklich war? Ja, gut, sein Name und Adresse standen drauf, aber das war kein wirklicher Beweis. Und mein Gott, diese Handschrift war unglaublich! Ob er sich genau so viel Mühe gab wie ich? Ob er genau so lange brauchte wie ich, diesen Brief zu verfassen?
Und wie würde ich das Ean erklären? Würde er sich für mich freuen oder mich verurteilen? Würde er dabei sein wollen? Scheiße! Er durfte auf keinen Fall dabei sein! Aber wie würde ich ihn abwimmeln? Wie könnte ich ihm verklickern, dass er nicht dabei sein sollte, ohne ihn zu verletzen? Das war doch unmöglich! Es würde ihn definitiv verletzen und wahrscheinlich zusätzlich sehr kränken. Immerhin hat Henry vieles geschafft, was er nie hinbekam. Wäre die Situation andersherum, würde ich auch sehr gekränkt sein. Mein Gott, was zur Hölle sollte ich bloß tun?! Bald würde dieses Treffen stattfinden. Ich brauchte unbedingt eine plausible Erklärung für Ean, dass er nicht dabei sein sollte.

Während ich auf den lang ersehnten Tag wartete, spielte mein Kopf mir allerlei Streiche. Ich konnte auch von Glück reden, dass Ean von diesem Brief nichts mitbekam. Ich versteckte ihn gut unter einem drehbaren Küchenschrank, unter den Töpfen. Dort versteckte ich auch alle anderen Dinge, die mit Henry zu tun hatten. Ean würde niemals auf die Idee kommen, dort hineinzuschauen. Aber irgendwie müsste ich Ean über dieses Treffen informieren. Auch müsste ich mich darum kümmern, dass ich an diesem Tag frei bekam auf der Arbeit. Und ich müsste mir überlegen, ob ich Teddy am Treffen teilhaben lassen sollte.
Eigentlich wünschte ich mir, dass Teddy dabei wäre, weil ein kleines Kind gerne das Eis bricht und unangenehmes Schweigen übertönt. Aber ich wollte Henry auch nicht mit meinem Sohn überfordern. Er hatte keine eigenen Kinder und vielleicht wäre es ihm zu viel, selbst wenn er sich eine eigene Familie wünschte.
Letztendlich entschied ich mich, sollte ich keinen freien Tag bekommen, mich einfach krankzumelden. Ich würde vermutlich nicht einmal lügen, wenn ich beim Arzt wäre. Höchstwahrscheinlich hätte ich eh Magenkrämpfe und Durchfall, vor lauter Aufregung. Und ich dachte, es wäre besser, wenn Teddy lieber bei Ean blieb. Ich würde Henry zwar schon gerne meinen Knirps vorstellen, aber eigentlich sollte dieses Treffen ja nur bestätigen, ob ich wirklich und wahrhaftig in Henry verliebt war. Und ob wir eventuell eine gemeinsame Zukunft hätten, ob als Freunde oder Paar. So viel hing von diesem einen Treffen ab. Nun durfte ich mir keine Fehler erlauben.

Henry ließ mir noch einmal eine Nachricht zukommen, dass wir uns in einem Café treffen würden. Habt ihr eine Ahnung, wie mein Herz pochte? Okay, pochen war noch untertrieben! Ich stand kurz vor einem Infarkt! Und am liebsten hätte ich permanent gekotzt, so übel wurde mir, als ich diese Nachricht las! Aber mein Herz glühte vor Wärme.
Der Tag des mit Spannung erwarteten Treffens brach schließlich an, als die Sonne ihre goldenen Strahlen über meine kleine Stadt schickte.
Wie gedacht musste ich mich krankmelden, aufgrund meiner Symptome. Ean hatte ich bereits eingeweiht, und er hatte beachtliches Verständnis. Wenn Henry es verlangen würde, dürften die beiden nachkommen, ansonsten machten sie sich einfach einen schönen Tag zuhause. Irgendwie plagte mich auch ein unglaublich schlechtes Gewissen. Ean gegenüber, und meinem Job. Natürlich war es nicht in Ordnung, sich krankschreiben zu lassen, um einen Star zu treffen. Aber mal ehrlich, es war ein großer Traum von mir, da konnte ich ihn doch nicht versetzen! Ich konnte vor Aufregung kaum einen klaren Gedanken fassen, als ich mich in mein bestes Outfit auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt machte.
Eine blaue Leggings, einen blauen Rollkragen Strickpullover, einen langen blauen Mantel und weiße Sneaker. Alle Kleidungsstücke waren im exakt gleichen blauen Ton. Meine blonden Haare lockte ich wild und ausnahmsweise trug ich auch mal ein wenig Lidschatten, zu meinem normalen Make-Up Look. Meine Augen waren eigentlich schon immer das Schönste an mir, weshalb ich sie zusätzlich betonen wollte. Vorher ging ich noch ein mal ins Solarium, um ein wenig brauner zu sein. So würde die Bräune mein Rotwerden nicht zeigen. Natürlich würde ich hochrot anlaufen, sobald ich ihn sah, das stand fest. Und fest stand auch, dass ich mich dafür in Grund und Boden schämen würde. Aber gut, ich musste damit irgendwie klar kommen!

Das Café, das Zeuge meines Herzklopfens sein sollte, empfing mich mit warmen Licht, was meine Nervosität zu streicheln schien. Henry war noch nicht zu sehen, ich war überpünktlich. Ich wollte mir ein kleines Bild vom Café machen und einen möglichen Fluchtweg planen. Nur falls wenn! Außerdem musste ich bestimmt noch fünf mal Pinkeln, bevor er kam.
Die Minuten verstrichen wie Stunden, und meine Nervosität wurde immer stärker. Im Ernst, ich war kurz davor, davon zu laufen. Auch wenn es mein größter Wunsch war, hatte ich furchtbare Angst davor, ihn zu sehen.
Endlich ging die Tür des Cafés auf, und der Mann meiner Träume betrat den Raum. Die Welt um mich herum verschwamm für einen Moment, als sich unsere Blicke trafen und ein Lächeln der Erkenntnis unsere Gesichter zierte. Ich spürte, wie mein Gesicht rot anlief. Es glühte wie Feuer! Mein Magen drehte sich, und am liebsten wäre ich weggerannt, aber ich war wie angewurzelt und konnte mich kaum rühren. In diesem Augenblick schien die Luft geladen von einer ganz besonderen Magie. Eine Magie, die ich niemals für möglich gehalten hätte. So etwas gab es höchstens in Disney-Filmen!
Die Begrüßung war nicht nur herzlich, sondern auch von einer unsichtbaren Verbindung durchzogen. Er sah unwiderstehlich aus in seinem Outfit. Er trug einen schwarzen etwas engeren Rollkragenpullover, dazu eine schwarze Jeans und braune schicke Schuhe. Seine Lockenpracht war nicht gestylt, und die kleinen grauen Haare fielen über seine Ohren. Er trug eine große Uhr, die ich auf etwa fünf Millionen Euro schätzte. Okay, ich habe keine Ahnung davon, was solche Uhren kosteten, aber sie war definitiv teuer! Die Ärmel seines Pullovers waren hochgekrempelt, was seine Arme nur noch mehr betonte. Seine strahlenden blauen Augen rundeten das Ganze noch ab.
Gott, wie zur Hölle konnte so ein einfacher Mensch so unfassbar schön sein?! Ich fand dafür nicht einmal Worte, so überwältigt war ich.
Sein Hund Kal war nicht dabei, leider. Zu gerne hätte ich diesen großen kuscheligen Bären gestreichelt. Henry kam alleine. Ich hoffte darauf, dass wir uns trotzdem irgendwie verständigen konnten. Ich hätte mich echt mehr um einen Dolmetscher kümmern sollen… Aber irgendwie wollte ich keinen. Ich wollte es alleine schaffen und vor allem die lang ersehnte Zweisamkeit genießen. Ich machte mich eh zum Volldeppen, da brauchte ich nicht noch einen Zeugen.
Als wir uns an einem gemütlichen Tisch niederließen, fühlte es sich an, als ob die ganze Welt sich nur um uns drehte. Das leise Murmeln der anderen Gäste, das Klappern von Geschirr, alles verblasste im Hintergrund unserer sich vertiefenden Verbindung. Während wir uns in Gespräche vertieften, so gut es durch die Sprachbarriere möglich war, wurden nicht nur Worte ausgetauscht, sondern auch Blicke und Berührungen, die mehr sagten, als tausend Sätze. Meine Hände waren eiskalt, weil die Aufregung nicht nachließ, aber mir war kochend heiß. Ich glaubte auch, dass ich dauerhaft rot im Gesicht war, zumindest fühlte es sich so an. Egal, wie er sich verhielt oder bewegte, während wir uns unterhielten – er sah verboten gut aus. So unglaublich schön! Und mein Gott, dieses Parfüm! Stark, aber dennoch dezent. Immer, wenn er einen Arm hob, konnte ich es riechen. Ich glaubte, dass ich dieses Parfüm nie wieder vergessen würde.

Die Zeit verlor ihre Bedeutung, und es war, als ob wir gemeinsam durch ein Zeitportal schritten, was nur für uns beide existierte. Henry teilte Geschichten von seinen Erfahrungen am Filmset, von Höhen und Tiefen, und ich lauschte gebannt, als ob ich ein Buch las, was speziell für mich geschrieben wurde. Meine Bewunderung für ihn wuchs mit jedem Moment, aber gleichzeitig spürte ich, dass hinter dem Ruhm ein warmes Herz schlug – ein Herz, das für mich zu schlagen schien. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Ich war so überwältigt von meinen Gefühlen, dass ich ihm einfach nur zuhörte, anstatt selbst zu versuchen zu sprechen. Es war unglaublich, aber ich verstand ihn perfekt. Er sprach extra ein wenig langsamer und deutlicher, damit ich ihm folgen konnte. Klar, gut, manche Worte waren mir noch fremd, aber zusammen mit dem Kontext ergab es Sinn, und ich konnte mir ungefähr denken, was es bedeutete.
Irgendwann bat er mich noch einmal zu erzählen, wie ich in diese Situation geriet. Also stammelte ich so gut es ging los und versuchte erneut meine Geschichte zu erzählen. Manchmal fielen mir die einfachsten Wörter nicht ein, und ich holte mein Handy heraus, um einen Übersetzer zu verwenden. Mein Gott, war das peinlich! Ich schämte mich total dafür, aber er sprach mir Mut zu. Wie so oft, in meinen Träumen… Er lachte, aber lachte mich nicht aus, was das Ganze nicht so schlimm schienen ließ.
Als das Café allmählich leerer wurde, schlug Henry vor, die malerischen Orte zu erkunden.
Wir verließen das Café und wanderten durch verträumte Gassen, wo die Atmosphäre von Liebe und Romantik nur so vibrierte. Zu gerne hätte ich seine Hand während des Spazierens gehalten, aber die Angst vor der Zurückweisung war größer. Somit versuchte ich es gar nicht erst. Merkwürdigerweise berührte er mich zwischendurch zärtlich an den Fingern, als wäre es ein Versehen. Zumindest redete ich mir ein, dass es bloß ein Versehen war, weil mir jedes Mal das Herz in die Hose rutschte.
Die Welt um uns herum wurde zur Kulisse unserer eigenen Liebesgeschichte, während wir Seite an Seite die Schönheit des Moments genossen.
Henry lauschte aufmerksam, während ich von den unerklärlichen Verbindungen und Zeichen sprach, die mich zu ihm führten. Er fand die Geschichten faszinierend und wunderschön zugleich. Es war, als ob uns das Schicksal zusammengebracht hat. Es war unbeschreiblich schön, wie wir nebeneinander herliefen. Nach wie vor konnte ich mein Glück kaum fassen und dachte, ich träume einfach nur erneut einen meiner nächtlichen Träume. Denn genau so fühlte es sich an. Nur dass dieser Traum tatsächlich wahr wurde.
Henry, tief berührt von meinen Erzählungen, bedankte sich aufrichtig, dass ich auf diese Zeichen gehört und nicht gezweifelt habe. Denn ohne sie wären wir vielleicht niemals in Kontakt getreten. Als er das aussprach, spiegelten seine Augen Ehrfurcht wieder, als er die Magie des Moments erkannte.
In einem Moment der Offenheit gestand Henry, dass seine Beziehung zu Nathalie nur zum Schein war, inszeniert für die Presse. Es war ein Spiel für die Öffentlichkeit, etwas, was sie für die Profitabilität ihrer Karrieren aufrechterhalten. Aber zwischen uns fühlte es sich an, als hätten wir etwas Echtes gefunden, etwas, das über die oberflächlichen Schlagzeilen hinausging.
Wer hätte das gedacht… Seine Worte, nicht meine!

Im Ernst, es war wie in einem Traum. Der Sonnenuntergang tauchte die Landschaft in ein magisches Licht, und Henry und ich kehrten zum Café zurück, in dem unsere Blicke sich zum ersten Mal trafen. Das Ende dieses Treffens war gekommen und es brach mir das Herz, bei dem Gedanken daran, ihn nun ziehen zu lassen. Für mich waren alle Erwartungen höher getroffen, als ich je dachte. Er war rundum perfekt, alles war einfach nur perfekt. Doch nun hieß es sich zu verabschieden. Ich musste mich wirklich tierisch zusammenreißen, nicht loszuheulen.
So lange wartete ich auf diesen Moment. Dann war er gekommen und auch schon wieder verflogen. Auch wenn wir viele Stunden miteinander verbrachten, war es für mich einfach nicht genug. Ich wollte mehr, so viel mehr.
Aber wollte er es auch? Ich hatte in keiner Sekunde das Gefühl, er würde sich unwohl fühlen oder gar schauspielern müssen, nur damit ich ein schönes Treffen erlebte. Ich hatte das ernsthafte Gefühl, dass es ihm genau so erging, wie mir. Auch wenn er es deutlich besser verbergen konnte, als ich. Aber okay, das war ja schließlich auch sein Beruf. Vielleicht irrte ich mich aber auch und für ihn war es nicht ansatzweise so schön, wie für mich.
Noch bevor ich diese Gedanken weiter durchspielen konnte, was mich sehr verunsicherte und die Situation echt unangenehm machte, bat er mich um etwas Wichtiges.
Er verlangte, dass er unbedingt mit mir in Kontakt bleiben wollte, komme was wolle. Ich sollte ihm ruhig alle Neuigkeiten berichten, so wie auch belangloses Zeug. Er würde auch wahnsinnig gerne Teddy und Ean kennenlernen. Er wollte auch sehr gerne sehen, wo und wie ich wohnte. Er drängte mich beinahe dazu, ihm mich komplett zu offenbaren.
Aber warum? Damit er sich über mich lustig machen konnte? Damit er seinen Freunden erzählen konnte, wie erbärmlich ich eigentlich lebte?
Und wieder, bevor ich diesen Gedanken weiter durchgehen konnte, unterbrach er mich. Er sah mir ernst in die Augen und sagte, dass dies kein Scherz war. Er wollte es wirklich. Er wollte alles von mir kennenlernen, und sei es noch so ein kleines Detail. Er wäre sehr neugierig und hatte mich bereits ins Herz geschlossen, als er meinen Brief las. So etwas hatte er noch nie erlebt, weshalb er unbedingt ein Treffen verlangte. Er sagte auch, dass es ihn tief getroffen hätte, hätte ich einem Treffen nicht zugestimmt.
Wir verabschiedeten uns, und langsam ging er zu seinem Auto. Mann, was für eine geile Karre! Irgendwie überkam mich ein starkes Gefühl, ihm nachlaufen zu müssen. Und ehe mein Hirn reagieren konnte, mit irgendwelchen „Tu es nicht…“-Gedanken, setzten sich meine Beine schon in Bewegung. Tränen liefen mir über die Wange, weil ich das Gefühl hatte, etwas sehr Wichtiges zu verlieren. Ich stürmte auf ihn zu und umarmte ihn. Ich schmiegte mich an seine Brust und weinte bitterlich. Mein Gott, wie peinlich!
Ich erwartete von ihm, dass er mich wegstieß, aber er tat das Gegenteil. Er umarmte mich fest zurück, und ich war umhüllt von seiner Wärme.
Und wieder fühlte ich mich so geborgen wie noch nie, so wie in meinen Träumen mit ihm.

Es war zu schön, um wahr zu sein. Nie im Leben hätte ich mir erträumt, dass es so lief, wie an diesem Tag.
Er schien ernsthaftes Interesse an mir und meinem Leben zu haben, also stimmte ich zu. Er versprach mir, dass wir in Kontakt blieben. Als wir uns ein zweites Mal verabschiedeten, blieb ich noch eine Weile vor dem Café stehen. Ich hatte ein verträumtes Lächeln auf den Lippen und die Gewissheit, dass dieser Tag nicht nur ein Treffen mit einem Star war, sondern der Beginn einer Liebesgeschichte, die wir nie erwarteten.

Ich hatte keine Ahnung, wie ich wieder nach Hause kam, aber irgendwann kam ich dort an. Es fühlte sich an wie ein Schock. Ich verarbeitete, was alles während der vergangenen Stunden geschehen war und blieb immer bei einer Tatsache hängen. Er mochte mich. Und nur das zählte. Alles andere würde sich irgendwann ergeben. Wichtig war nur, dass wir in Kontakt blieben. Aber wenn ich ihm so viel schrieb, würde ich es dann nicht übertreiben und ihn vielleicht vergraulen? Und wieder hatte ich große Zweifel, dass all das echt war.
Doch kurz darauf, als hätte er meine Gedanken gehört, schrieb er mir eine Nachricht. Er betonte noch einmal, dass ich mich melden sollte und ihm viel erzählen sollte, egal wie belanglos es schien.

So, nun erzähle ich euch die Wahrheit.

Dieses Treffen fand nur in meinen Tagträumen statt und nicht in der Realität. Aber, wer sagt, dass es nie so kommen würde?
Ich muss aber auch betonen, dass ich unfassbare Zweifel hätte, sollte es der Fall sein, dass er sich in mich verlieben würde. Ja, all meine Gebete würden erhört werden. Aber, was wäre wenn? Ich hätte auch panische Angst davor, dass ich durch meine ganzen Zweifel, weil alles zu schön wäre, diese Beziehung kaputt machen könnte. Viel zu viel hatte ich erlebt, und am Ende ging alles in die Brüche. Auch wenn der Anfang noch so schön war. Immer, wenn man sich richtig kennenlernte, beziehungsweise zusammenzog, änderten sich die Dinge rasant zum Schlechten.
Was wäre also, wenn es bei ihm auch der Fall war? Würde es tatsächlich unser Schicksal sein, uns zu treffen? Keine Ahnung, wir werden es sehen!
Nach wie vor will und werde ich nicht aufgeben, ihn zu treffen. All meine Worte sind nur Spekulationen und keine Tatsachen. Es kann alles so geschehen, wie ich es mir erträume, oder eben das komplette Gegenteil. Vielleicht wäre ich von seinem persönlichen Leib gar nicht so verzaubert, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Vielleicht würde er in meiner Nase auch stinken, also vielleicht würde mir sein Lieblingsparfüm nicht gefallen. Vielleicht wäre ich auch von irgendeiner Art angewidert, die er so zeigte. Vielleicht wäre er in meinen Augen auch einfach deutlich zu klein, was mir nicht gefallen würde.
Bei Basti hatte ich von Anfang an das Problem, dass er mir einfach zu klein war. Er spielte sich auf wie der größte Boxer, eine Rakete, ein richtiger Schrank, aber die meisten lachten ihn aus, weil er einfach sehr klein war.
In meinen Vorstellungen war Henry riesig. So groß, dass ich zwei Mal in ihn hineinpassen würde, auf seine 185 cm. Ich bin so verrückt, ich nahm mir schon einmal einen Zollstock, um auszumessen, wie groß er neben mir sein würde. Er war ein Riese im Vergleich zu mir!
Aber wie gesagt, vielleicht würde mich seine Größe schockieren und plötzlich würde ich ihn nicht mehr so anziehend finden.
Ja, ich mache mir um die unmöglichsten Gedanken total den Kopf. Die Angst, dass rein gar nichts meinen Vorstellungen entsprechen würde, war einfach sehr groß. Vielleicht würde ich sogar einen seiner Finger total unattraktiv finden…

Ich erwähnte schon einmal, wenn ich mich in etwas hineinstürzte, gab es bisher immer eine innere Sirene, die mich warnte. Und war es noch so ein kleines Detail, das mir einfach nicht gefiel. Bisher hatte diese Sirene immer Recht behalten, doch noch nie hörte ich darauf.
Bei Basti war es die Größe, und bei Ean war es ähnlich.
Nein, ich reduziere nicht auf das Aussehen! Aber, wenn es wahre Liebe wäre, würde automatisch alles bis auf das kleinste Detail passen. Da gibt es kein Wenn und Aber. Vielleicht kennt es der eine oder andere von euch bereits, wie sich diese Bestimmung anfühlt.

Ich versuche euch noch einmal so gut es geht zu erklären, wann es wahre Liebe ist. Wann man einen Seelenverwandten gefunden hat.

Das Gefühl, seinen Seelenverwandten zu treffen, die wahre Liebe, ist eine Erfahrung von tiefer, erfüllender Verbindung und einem intensiven Gefühl der Harmonie. Es ist, als ob das Universum selbst in einem Augenblick innehalten würde, um zwei Herzen zusammenzuführen, die sich seit Ewigkeiten kannten.
Die Begegnung mit dem Seelenverwandten fühlt sich an, als ob ein fehlendes Puzzleteil endlich seinen Platz gefunden hätte. Es ist ein Gefühl der Vollständigkeit, das jene leeren Räume im Herzen ausfüllt, von denen man vielleicht nicht einmal wusste, dass sie existierten. Es ist, als ob man nach Hause gekommen ist, an einen Ort, den man schon immer gesucht hat.
Die Augen des Seelenverwandten spiegeln nicht nur die physische Schönheit wider, sondern durchdringen die äußere Hülle und erkennen die tiefsten Ebenen der Seele. Der Blickkontakt allein kann eine Kommunikation entfachen, die Worte überflüssig macht. Es ist, als ob man durch die Fenster der Seele schaut und die Essenz des anderen erkennt.
Die Berührung des Seelenverwandten ist elektrisierend und zugleich beruhigend. Es ist, als ob jeder Kontakt eine Resonanz im Innersten auslöst, als ob die Haut nicht nur von physischen, sondern auch von spirituellen Signalen berührt wird. Die Berührung fühlt sich vertraut an, selbst wenn es die erste ist.
Gemeinsame Interessen und Gespräche mit dem Seelenverwandten fühlen sich mühelos an. Es ist, als ob die Gedankenlinien miteinander verschmelzen und eine tiefere Ebene der Verständigung entsteht. Es gibt keine Masken, keine Notwendigkeit für Fassaden – die wahre Liebe ermöglicht es, vollkommen authentisch zu sein.
Die Zeit mit dem Seelenverwandten scheint sich zu dehnen, und gleichzeitig vergeht sie wie im Flug. Jeder Moment ist kostbar, und man beginnt zu begreifen, dass diese Verbindung über das Hier und Jetzt hinausgeht. Es ist eine zeitlose Verbindung, die die Grenzen von Raum und Zeit zu überwinden scheint.
Insgesamt ist das Gefühl, seinen Seelenverwandten zu treffen, eine tiefgreifende Erfahrung der Liebe und des Verständnisses. Es ist, als ob das Herz die Melodie gefunden hat, die es schon immer gesucht hat, und nun kann es im Einklang mit dem Rhythmus des Lebens schlagen. Es ist die Gewissheit, dass man endlich die Person gefunden hat, die das Leben heller, tiefer und bedeutsamer macht.

Tja, und wenn ich ehrlich bin, trifft all das genau zu. Zumindest bisher. Auch wenn ich ihn noch nie persönlich getroffen habe, genau so fühlt es sich an. Auch wenn es ziemlich schwer zu glauben ist und die meisten von euch mich immer noch für verrückt halten.
Aber wie gesagt, ich kann mich nach wie vor auch irren und mich in etwas hineinsteigern, was nie eine Zukunft hätte.
Doch das hält mich nicht davon ab, weiterhin Briefe zu verfassen und alle Möglichkeiten durchzuspielen, wie ich ihn erreichen könnte. Ich bin immer noch voller Zuversicht, dass ich mit meiner Geschichte und meinen Handlungen etwas Außergewöhnliches auslösen werde. Was genau und ob es sich speziell auf Henry bezieht, weiß ich jedoch nicht!
Vielleicht ist dieses Außergewöhnliche ja auch nur, dass ich anderen die Augen öffne oder so viel Mut zuspreche, wie es keiner vorher tat, oder auch einfach nur eine schöne Geschichte biete. Es könnte so vieles sein!

Das erste Außergewöhnliche, was ich damit bereits ausgelöst habe, ist meine Situation. Glaubt mir ruhig, als ich sagte, dass ich am Ende meiner Kräfte war und bereit war aufzugeben. Ich konnte und wollte nicht mehr. Doch dann trat Henry Cavill in mein Leben, und alles änderte sich.
Nach wie vor gibt es Höhen und Tiefen in meinem Leben, doch ich denke anders als vor ein paar Jahren, was schon mal sehr viel ausmacht.
Das nächste Außergewöhnliche könnte sein, dass ich diesen Mut gefasst habe, alles niederzuschreiben und zu veröffentlichen. Ich ziehe mich hier quasi blank und veröffentliche so viele Details, die ich selten jemandem anvertrauen würde.
Doch noch immer habe ich die Hoffnung, dass irgendjemand hier mal mitliest, der bestimmte Kontakte hat und diese Kontakte vielleicht nutzen könnte, um mir meinen Traum zu erfüllen.
Also, ich hoffe darauf, an die richtigen Personen zu geraten, auch wenn die Chance darauf sehr gering ist. Sollte ich hiermit keinen Erfolg haben, werde ich mir schon etwas anderes einfallen lassen. Ich bin ja schließlich sehr kreativ!

Nun, schon wieder rückte Weihnachten näher, und wieder hatte ich haufenweise Auf und Abs mit meinen Gefühlen.
In einem Moment höre ich voller Leidenschaft Michael Bublé, und im nächsten Moment steige ich in die Dunkelheit hinab, zu Eminem. Es ist wirklich ein Graus, dieses Gefühlschaos… Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie fertig einen das macht.
Ich weiß, dass auch meine Wünsche sich irgendwann erfüllen werden… Ein schönes Fest mit meinen liebsten Menschen zu haben, Menschen, die mich exakt so lieben, wie ich bin, und es nicht als lästige Verpflichtung sehen, mir ein kleines Geschenk zu kaufen.
Wisst ihr, ja, ich liebe Geschenke, aber ich merke auch sofort, bei wem es von Herzen kommt und für wen es nur eine Verpflichtung war. Und so etwas tut mir höllisch weh im Herzen. Genau so komme ich mir jedes Jahr aufs Neue bei Ean vor. Eher eine Pflicht als Herzensgüte.
Kleine Aufmerksamkeiten eben – etwas, was einem zeigt, dass man wertvoll ist für diese Person. Es muss ja nicht einmal etwas Materielles sein! Ich hoffe, ihr versteht, was ich meine.
Ich möchte niemanden belasten. Niemand soll mir Dinge schenken, weil er sich verpflichtet fühlt. Ich wünsche mir einfach nur, geliebt zu werden, so wie jeder es verdient, und das von reinem Herzen.
Wie sehr wünsche ich mir einen romantischen Abend, mit vielen weihnachtlichen Liebesschnulzen, zusammen mit meinem Seelenverwandten auf dem Sofa kuschelnd.

Wie sehr wünsche ich mir Aufrichtigkeit von anderen, was sie wirklich für mich empfinden.
Wie sehr wünsche ich mir ein gemeinsames Familienfestmahl, wo sich wirklich alle von Herzen lieben, eine Familie, die einem immer den Rücken stärkt, egal was passiert.
Wie sehr wünsche ich mir einfach mal eine liebevolle Umarmung… Ganz romantisch draußen, während der erste Schnee fällt.
Wie sehr wünsche ich mir, mit meinem Seelenverwandten „ALL I WANT FOR CHRISTMAS IS YOU“ zu singen und dabei auf den anderen zu zeigen.
Wie sehr wünsche ich mir, dass dieses Lied endlich Wirklichkeit wird.

Hey, auch wenn es unglaublich schwer fällt – positiv denken! Irgendwo dort draußen wartet mein Seelenverwandter auf mich, mit dem ich so leben kann, wie in dem kitschigsten Film überhaupt.

Aber manchmal würde ich mich einfach gerne in ein Loch verkriechen, weinen und kein Licht hineinlassen. Das ist immer noch einfacher, als immer etwas Positives zu finden und zu kämpfen.

 

 

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